Lot 192
Franz Skarbina (1849 – Berlin – 1910)
„De quoi écrire“. 1892
Pastell auf braunem Papier (Wasserzeichen: Vidalon-Les-Annonay Canson & Montgolfier) auf Karton. 45,9 × 30 cm ( 18 ⅛ × 11 ¾ in.). Unten rechts signiert und datiert: F. Skarbina 1892. Unten links betitelt: „De quoi écrire“.
[3408]
Ausstellung: II. Ausstellung der „Vereinigung der XI“. Berlin, Kunsthandlung Eduard Schulte, 1893, Kat.-Nr. 67
Literatur und Abbildung: Deutsche und Österreichische Malerei und Zeichnungen nach 1800. München, Sotheby's, 22.6.1999, Kat.-Nr. 146, m. Abbildung / Sabine Meister: Die Vereinigung der XI. Die Künstlergruppe als Keimzelle der organisierten Moderne in Berlin. Freiburg i. Br., Univ., Diss., 2005 (http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/2769; Abfrage am 29.3.2019), S. 157, S. 340 u. S. 375
Siehe auch die gleichnamige Lithografie im Ausst.-Kat.: Franz Skarbina, Berlin, Bröhan-Museum, 1995, Abb. 74
Schreibt die junge Dame mit dem rötlichen Haar in Skarbinas Pastell „De quoi écrire“ einen Brief, oder ist es gar ein Stück fiktiver Literatur, das sie verfasst? Franz Skarbina beschreitet zu Beginn der 1890er-Jahre künstlerisches Neuland, wenn er die Schreibende seiner Caféhausszene nicht im häuslichen Rahmen zeigt, sondern an einem für das pulsierende Großstadtgetriebe signifikanten Ort konzentriert an einem Text arbeiten lässt. Nicht nur präsentiert uns der als „Maler der Frauen“ bekannte Künstler die Cafébesucherin dabei als elegant gekleidete, modebewusste Frau, sondern auch als Schreibende und somit als Denkende. Damit, d.h. mit dem Selbstbewusstsein der jungen Frau, vermittelt Skarbina auch einen Eindruck seiner eigenen Modernität als Künstler und Bürger.
Früh studierte Franz Skarbina in Paris den Impressionismus seiner französischen Kollegen und verwandelte ihn sich auf originäre Weise an. So lassen die gestische Handschrift und das Spiel des Künstlers mit dem Licht die vorliegende Arbeit wie eine zufällig beobachtete Momentaufnahme aus dem mondänen Großstadtleben wirken und geben Skarbina als jenen virtuosen Koloristen und Luministen zu erkennen, als der er bereits seinen Zeitgenossen galt.
Entsprechend hieß es in Bezug auf die Präsentation vorliegenden Pastells auf der zweiten Ausstellung der Künstlergruppe „Vereinigung der XI“ (bestehend aus Max Liebermann, Leistikow, Skarbina u.a.) 1893 im „Deutschen Reichsanzeiger“: Die kleine Café-Szene zeigt „den Künstler im Vollbesitz seiner reichen Gaben“. Durch den raffinierten Einsatz von Licht- und Farbakzenten lenkt Skarbina sein Augenmerk gezielt auf die in der Mitte des Cafés Sitzende, die völlig in ihre Schreibarbeit versunken scheint. Unwillkürlich ist der Betrachter geneigt, an die Künstlerin Franziska zu Reventlow (1871–1918) zu denken, die sich als Autorin von konventionellen Rollenzuschreibungen zu befreien wusste. Durch ihr Schreiben im öffentlichen Raum sprengt auch Skarbinas Cafébesucherin die Fesseln tradierter Weiblichkeitsmuster. So nimmt es nicht wunder, dass die Herren im Café und ihre Kleidung lediglich schemenhafte Kulisse bleiben. (Miriam-Esther Owesle)
Franz Skarbina (1849 – Berlin – 1910)
„De quoi écrire“. 1892
Pastel on brown paper (watermark: Vidalon-Les-Annonay Canson & Montgolfier) on cardboard. 45,9 × 30 cm ( 18 ⅛ × 11 ¾ in.). Signed and dated lower right: F. Skarbina 1892. Titled lower left: „De quoi écrire“.
[3408]
Ausstellung: II. exhibition of the „Vereinigung der XI“. Berlin, Kunsthandlung Eduard Schulte, 1893, cat. no. 67
Literatur und Abbildung: Deutsche und Österreichische Malerei und Zeichnungen nach 1800. Munich, Sotheby's, 22.6.1999, cat. no. 146, ill. / Sabine Meister: Die Vereinigung der XI. Die Künstlergruppe als Keimzelle der organisierten Moderne in Berlin. Freiburg i. Br., Univ., Diss., 2005 (http://www.Freidok.Uni-freiburg.De/volltexte/2769; as of 29.3.2019), p. 157, p. 340 and p. 375
Crédits photos : Contacter la maison de vente
Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente