Lot 308
Franz von Stuck (1863 Tettenweis – 1928 München)
Der Schwammerling I und II. 1882/83
2 Pastelle auf Papier, auf Leinwand aufgezogen. 65,2 × 45 cm bzw. 65,1 × 45 cm ( 25 ⅝ × 17 ¾ in. bzw. 25 ⅝ × 17 ¾ in.). Unten rechts mit Kreide signiert: F STUCK und F ST. Jeweils rückseitig oben beschriftet: Der Schwammerling I bzw. Der Schwammerling II. Jeweils darunter: Franz Stuck Theresienstr 148 München.
Mit einer Bestätigung der Witwe des Künstlers Mary von Stuck, München, vom 24. Mai 1929.–
[3589]
Provenienz: Privatsammlung, Sachsen
Literatur und Abbildung: 1000 Bilder. Eine Auswahl des Verlags. München, Franz Hanfstaengl (um 1920), S. 160, Nrn. 5162 u. 5163, jeweils mit Abbildung (erhältlich als Photogravuren, Kohlephotographien und Photographien)
Das Versteckspiel ist ein bevorzugtes Thema des großen Franz von Stuck – bevorzugt als „Neckerei“ inszeniert, also zwischen Faun und Nymphe, Mann und Frau. Aus seinem Frühwerk hat sich aber auch dieses faszinierende Pendant erhalten, in dem er zwischen Jugendstil und Symbolismus balanciert – und zugleich den Humor des jungen Kunststudenten aufblitzen läßt. So beliebt war das Motiv, daß im Verlag Hanfstaengl 1928 Postkarten der beiden Bilder erschienen, die weit verbreitet wurden.
Jetzt sind die beiden Originale nach Jahrzehnten wieder aus Privatbesitz aufgetaucht – Beispiele der virtuosen Pastelltechnik des neunzehnjährigen Stuck aus seiner Zeit an der Münchner Akademie. Es gibt aus dieser Zeit auch den kleinen Knaben, der eine Champagnerflasche öffnet und den Armor, der die Weltkugel trägt. Unser faszinierendes Bilderpaar gibt aber bereits die Richtung vor, in die sich Stuck entwickeln wird: Denn er hat die Bilder in einer Abfolge numeriert, die zunächst überrascht. „Der Schwammerling I“ ist der kleine Junge, der sein Geheimnis lüftet und den Betrachter anblickt (kleine Abbildung) – erst danach versteckt er sich und wendet sich ab (große Abbildung rechts). Man kann in diesem Bilderpaar also den „tipping point“ sehen, an dem sich Stuck vom Künstler, der seine Virtuosität erprobt, zum Maler wandelt, der die Kraft des Verborgenen entdeckt. Denn in dem Moment, in dem sich das Kind scheinbar in einen Pilz verwandelt, entsteht ein besonderes Kunstwerk, und die Flächigkeit des roten Hutes gewinnt eine besondere Kraft, weil sie den filigranen vertikalen hellgrünen Strichen des Grases entgegengesetzt wird. So kommt diesem frühen, jetzt wiederentdeckten Bilderpaar für Stucks Gesamtwerk eine zentrale Bedeutung zu. FI
Franz von Stuck (1863 Tettenweis – 1928 Munich)
Der Schwammerling I und II . 1882/83
Pastel on paper, laid down on canvas. 65,2 × 45 cm, 65,1 × 45 cm ( 25 ⅝ × 17 ¾ in. resp. 25 ⅝ × 17 ¾ in.). Signed in chalk lower right and monogrammed in chalk lower right respectively. Both works inscribed on the reverse: "Der Schwammerling I" and "Der Schwammerling II" respectively. Beneath each inscription: Franz Stuck Theresienstr 148 München.
Accompanied by a confirmation by the artist&apos s widow Mary von Stuck, Munich, dated 24 May 1929.–
Very good. [3589]
Provenienz: Private collection, Saxony
Literatur und Abbildung: 1000 Bilder. Eine Auswahl des Verlags. Munich, Franz Hanfstaengl (circa 1920), p. 160, nos. 5162 and 5163, each with illustration (available as photogravure, carbon photograph and photograph)
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