Lot 276
Franz von Stuck (Tettenweis 1863 – 1928 München)
„NARZISS“. Um 1926
Öl und Tempera auf Pappe. 48,5 x 44,8 cm ( 19 ⅛ x 17 ⅝ in.). Unten rechts signiert: STUCK. Rückseitig oben mit Kreide signiert und betitelt: F. v Stuck „Narziss“ I.
Voss 582/271.–
Studie zum gleichnamigen Gemälde Voss 583/272. Im Originalrahmen mit der Inschrift: NARCISSUS. [3266]
Provenienz: Ehemals Albert und Mary Heilmann, geb. Stuck
Ausstellung: Franz von Stuck. Ausstellung zur Wiedereröffnung der Stuck-Villa am 9. März 1968. München, Stuck-Villa, 1968, Kat.-Nr. 29
Der Mythos vom schönen, stolzen Narcissus war schon in der Antike ein häufig wiederkehrendes Thema der Kunst. Weil er jeden zurückwies, der um seine Gunst warb, strafte Artemis den Sohn des Kephissos und der blauen Nymphe Leiriope für seinen Hochmut. In der Nähe des Ortes Donakon in Böotien nördlich von Attika führte sie ihn zu einer Quelle, die so rein war, daß er sich in sein eigenes Spiegelbild verliebte. Über Narcissus‘ Ende gibt es verschiedene Versionen: Eine besagt, daß er ertrank, nachdem er sich niederbeugte, um sein Ebenbild auf dem Wasser zu liebkosen. Eine andere läßt ihn sich aus Verzweiflung über seine vermeintliche plötzliche Häßlichkeit selbst töten, als ein Blatt auf die Wasseroberfläche fällt und so sein Spiegelbild verzerrt. Anschließend wird Narcissus in die weiße Blume verwandelt, die seitdem seinen Namen trägt.
Franz von Stuck hat sich dem Mythos von schönen Narziß mehrfach gewidmet. 1926 malte der Gründer der Münchner Secession diese Kompositionsstudie. Sie zeigt den Halbgott, wie er, so Robert von Ranke-Graves in seinem Kompendium griechischer Mythologie, in sich versunken „Stunde um Stunde verzückt auf das Wasser“ blickt. Obgleich es ihm ursprünglich nur als Vorbereitung auf ein später ebenfalls ausgeführtes Gemälde dienen sollte, schätzte Stuck das vorliegende Bild so sehr, daß er es als ein eigenständiges Werk erachtete und extra einen antikisierenden Prunkrahmen dafür anfertigen ließ.
Tatsächlich ist es gerade die expressive, „skizzenhafte“ Ausführung, durch die Stucks „Narzissus“ besonderen Reiz erlangt. Anhand der dynamischen, mit leichter Hand souverän gesetzten Pinselstriche kann man dem Maler noch heute buchstäblich bei der Arbeit zusehen, wie er die Bildkomposition anlegt, das Farbkonzept bestimmt und die Flächen füllt. Mit der Wertschätzung seiner Studie stand Stuck nicht allein: Der „Narcissus“ war in der ersten Ausstellung zu sehen, mit der die Villa Stuck, das ehemalige Wohn- und Atelierhaus des Künstlers, 1968 der Öffentlichkeit übergeben wurde. (UC)
Franz von Stuck (Tettenweis 1863 – 1928 Munich)
„NARZISS“. Circa 1926
Oil and tempera on cardboard. 48,5 x 44,8 cm ( 19 ⅛ x 17 ⅝ in.). Signed lower right: STUCK. On the reverse at the top signed and titled in chalk: F. V Stuck „Narziss“ I.
Voss 582/271.–
Study for the painting of the same name (Voss 583/272). In the original frame with the inscription: NARCISSUS. [3266]
Provenienz: Formerly Albert and Mary Heilmann, born Stuck
Ausstellung: Franz von Stuck. Ausstellung zur Wiedereröffnung der Stuck-Villa am 9. March 1968. Munich, Stuck-Villa, 1968, cat. no. 29
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