Lot 226
Franz von Stuck (Tettenweis 1863 – 1928 München) Tochter Mary als Spanierin. Um 1916 Öl auf Holz (achteckig). 36,5 × 36 cm ( 14 ⅜ × 14 ⅛ in.). Unten rechts signiert (übereinandergestellt): FRANZ VON STUCK. Rückseitig oben mit Bleistift (vom Künstler?) betitelt: MARY ALS SPANIERIN. Werkverzeichnis: Nicht bei Voss (vgl. Voss 473/585).– Kleine Retuschen. [3581] Provenienz: Privatsammlung, Schweiz Die reiche Kulturgeschichte Spaniens strahlte das ganze 19. Jahrhundert einen exotischen Reiz aus, der sich in Bauwerken genauso wie in Bildern niederschlug. Auch München, die Lebens- und Wirkungsstätte des Malerfürsten Franz von Stuck, hatte mit den orientalisierenden, auf andalusischen Vorbildern beruhenden Pavillonbauten von König Ludwig II. von Bayern (1845–1886) einen iberischen Touch erhalten. Verstärkt wurde diese romantische Sehnsucht durch den sensationellen europaweiten Erfolg von George Bizets Oper „Carmen“ (UA 1875), deren tragische Heldin das Symbol der temperamentvollen Spanierin schlechthin werden sollte. Von Stuck dürfte diese spanischen Einflüsse stark wahr- und aufgenommen haben, wie einerseits die geplante, aber nicht durchgeführte Spanienreise 1894 und andererseits die maltechnische und inhaltliche Bedeutung spanischer Kunst für den Münchner Symbolisten beweist. Aus der Beschäftigung mit Diego Velázquez (1599–1660) resultieren zahlreiche private Fotografien des Malers, die seine einzige Tochter Anna Marie-Louise, genannt Mary (1896–1961), im sogenannten Velázquez-Kostüm zeigen. Für Stuck müssen die farblichen und technischen Raffinessen des Barockkünstlers vorbildlich gewirkt haben. Die Hommage an seine Tochter, die durch die roten Nelken im Haar als „Spanierin“ ausgewiesen wird – die Nelke ist die Nationalblume des Landes –, hat kostbaren Charakter. Das oktogonale Bild wird eingefangen von einem aus mehreren goldbegrenzten Feldern bestehenden Prunkrahmen, der an Vertäfelungen der Renaissancezeit – die zweite wichtigste Inspirationsquelle für Stuck – denken lässt. Insgesamt wird das Schulterbild Marys in der Kombination von Materialreichtum und Farbigkeit (man beachte den Farbakkord Grün-Rot-Blau von Himmel, Blumen und Kleid) zur ästhetischen Pretiose, zu einer Feier der engsten Familie des Künstlers. Mary ist zu diesem Zeitpunkt 20 Jahre alt. Ihr selbstbewusster Blick über die rechte Schulter wird begleitet vom leicht angehobenen Kinn. Es ist ein persönliches Bild und hat nichts mit den lasziv-verführerischen Frauenbildern Stucks zu tun, für die er um 1900 eine Reputation in der deutschen Kunst hatte. Nein, Größe, Format und Ausschnitt lassen inhaltlich an die Freundschaftsbilder der Romantik und des Biedermeier denken, formal sind sie dem historisierenden Symbolismus verpflichtet. Die innige Beziehung von Vater und Tochter spricht uns deutlich aus diesem wunderbaren Porträt entgegen, aber auch die große Bedeutung, die Mary „Carmen“ Stuck für die malerischen Erfindungen ihres Vaters besaß. Oliver Sukrow Franz von Stuck (Tettenweis 1863 – 1928 Munich) Daughter Mary as Spaniard. Circa 1916 Oil on panel (octagonal). 36,5 × 36 cm ( 14 ⅜ × 14 ⅛ in.). Signed lower right (placed one above the other): FRANZ VON STUCK. On the reverse at the top in pencil (by the artist?) titled: MARY ALS SPANIERIN. Not in the catalogue raisonné by Voss (see Voss 473/585).– Minor retouchings. [3581] Provenienz: Private collection, Switzerland
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Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
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Art du XIXe siècle
10719 Berlin - Allemagne
29/11/2017
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0