Lot 420
Franz Werner von Tamm (1658 Hamburg – 1724 Wien) Stilleben mit Kaninchen, Blumen und Früchten vor Arkaden. 1690/1700 Öl auf Leinwand. 135 × 98 cm ( 53 ⅛ × 38 ⅝ in.). Doubliert. [3613] Provenienz: 2011 Kunsthandlung Röbbig, München / Privatsammlung, Hamburg Franz Werner Tamm spezialisierte sich im Laufe seines Lebens auf Blumen-, Früchte- und Jagdstillleben. Nach einer ersten Lehrzeit in Hamburg erlangte er Bekanntheit, als er in Rom mit einem der damals berühmtesten Maler, Carlo Maratta (1625–1713), zusammenarbeitete. 1895 berief ihn Leopold I. nach Wien, um ihn nur wenige Jahre später zum kaiserlichen Hofmaler zu ernennen. Dort nahm Tamm ebenfalls Aufträge von den adligen Familien Schwarzenberg und Liechtenstein entgegen. Deine Bilder zierten die Suppraporten der residenzen des Prinzen Eugen von Savoyen in Wien. Auch erzielten seine Arbeiten für den freien Verkauf recht hohe Preise. Unser Stilleben mit Kaninchen, Blumen in einer skulptural geformten Vase und Früchten vor einer antikischen Arkadenarchitektur ist ein besonders Großes Werk des Meisters und war als Solitärkunstwerk gedacht. Tamm knüpfte in seinen Stillleben an die flämische Darstellungstradition an, verband sie aber bravourös mit der leuchtenden Farbigkeit der Italiener. Von ihnen stammt desgleichen seine Vorliebe, Früchte und Blumen in freier Landschaft zu arrangieren. Auf dem hier vorliegenden Bild erhebt sich vor der Abendstimmung im Hintergrund zusätzlich noch eine figurengeschmückte Renaissancearchitektur und umfängt auf der rechten Seite den üppigen Blumenstrauß. Sonnenblumen, Stockrosen, gestreifte Gartentulpen, Schneebälle, eine Narzisse und die blauen Winden, um nur einige aus der blühenden Pracht zu nennen, verweisen ebenso auf die faszinierende. Vielfalt der Natur wie auf den von Werden und Vergehen bestimmten Lebenskreis. Unterstützt wird die Aussage durch die aufgebrochenen oder überreifen Früchte im Bildvordergrund: Pfirsiche, Pflaumen, Granatäpfel und Feigen. Diese letzteren können ferner als Symbol der Sinnlichkeit gewertet werden. Stärker erotisch konnotiert sind hingegen die beiden erdfarbenen Satyren am Vasenfuß, die ihre begehrlichen Blicke auf die von ihnen getragene Frau richten. Prominent werden sie durch das an einem Blatt knabbernde, dabei den Betrachter fixierende Kaninchen überschnitten, das seinerseits in diesem Kontext für Fruchtbarkeit steht. Es ist ein Motiv, das Tamm vor allem in seinem Frühwerk verwendete, aber niemals ganz aufgab. SE Wie der berühmte Tamm / Der seines Hamburgs Ehre / So wie der Wiener Zier der Blumen, Laub und Kraut / Mit Farb’ und Pinsel pflanzt und, wo es möglich wäre / Sie riechend machen würd’ / ob seiner Blumen Pracht. (Barthold Hinrich Brockes: Irdisches Vergnügen in Gott, Hamburg 1724) Vergleichswerke: Tamms Stilleben mit Blumen und Gams, um 1720/24, Belvedere Wien, Inv.-Nr. Lg 1611 (Dauerleihgabe des Kunsthistorischen Museum, Wien) / Großes Blumenstilleben , 1707, Alte Galerie am Universalmuseum Joanneum, Graz, Inv.-Nr. 585 Vergleichsliteratur: Martina Sitt: Hanseaten in Rom. Die Stilllebenmaler Berentz und Tamm; in: Volker Plagemann (Hrsg.): Die Kunst des protestantischen Barock in Hamburg, Hamburg 2001, S. 188–195 / Dariusz Kacprzak: Franz Werner von Tamm. Ein deutscher Tier- und Blumenstilllebenspezialist; in: Kevin E. Kandt (Hrsg.): Aus Hippocrenes Quell’. Ein Album amicorum kunsthistorischer Beiträge zum 60. Geburtstag von Gerd-Helge Vogel, Berlin 2011, S. 17–39 Franz Werner von Tamm (1658 Hamburg – 1724 Vienna) Still life with rabbit, flowers and fruits, before an arcade. 1690/1700 Oil on canvas. 135 × 98 cm ( 53 ⅛ × 38 ⅝ in.). Relined. [3613] Provenienz: 2011 art dealership Röbbig, Munich / private collection, Hamburg Comparable work: Tamm’s “Stilleben mit Blumen und Gams“, circa 1720/24, Belvedere Vienna, inv. no. Lg 1611 (long-term loan to the Kunsthistorisches Museum in Vienna) / Großes Blumenstilleben, 1707, Alte Galerie am Universalmuseum Joanneum, Graz, inv. no. 585 Related literature: Martina Sitt: Hanseaten in Rom. Die Stilllebenmaler Berentz und Tamm; in: Volker Plagemann (ed.): Die Kunst des protestantischen Barock in Hamburg, Hamburg 2001, p. 188–195 / Dariusz Kacprzak: Franz Werner von Tamm. Ein deutscher Tier- und Blumenstilllebenspezialist; in: Kevin E. Kandt (ed.): Aus Hippocrenes Quell’. Ein Album amicorum kunsthistorischer Beiträge zum 60. Geburtstag von Gerd-Helge Vogel, Berlin 2011, p. 17–39
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Dessins, aquarelles et pastels
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Catalogue
Orangerie. Objets Choisies
10719 Berlin - Allemagne
26/11/2015
Proposé par Grisebach
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