Lot 155
Friedrich Nerly (Erfurt 1807 – 1878 Venedig) Blick auf Seeshaupt am Starnberger See. 1828 Öl auf Bütten auf Karton. 16,2 × 25 cm ( 6 ⅜ × 9 ⅞ in.). Unten rechts signiert: N. fec. [3256] Wir wissen, dass es Carl Friedrich von Rumohr war, der das junge malerische Genie Friedrich Nerly im Jahr 1828 erst Goethe in Weimar vorstellte und ihn dann auf seiner Reise nach Italien begleitete. Ansonsten aber ist über den Verlauf dieser Reise, vor allem aber über Werke, die auf dem Weg nach Italien entstanden sind, so gut wie nichts bekannt. In Italien wurde er dann zu einem der bekanntesten deutschen Maler seiner Zeit, direkt nach der Ankunft in Rom entstanden Stadtveduten von großer Könnerschaft, legendär aber sind vor allem seine Ansichten aus Venedig, wo er sich für den Rest seines Lebens niederließ. Wo aber liegen die malerischen Anfänge Friedrich Nerlys? Laut Franz Meyers biografischer Studie aus dem Jahr 1907 war Nerly 1828 nach einem „längeren Aufenthalt in München“ und Studienausflügen in die nähere Umgebung der Stadt „einige Wochen nach den Osterfeiertagen“ nach Italien gereist. Diese Angaben basieren, wie Meyer schreibt, auf handschriftlichen Notizen Nerlys selbst, die inzwischen verschollen sind. Das charakteristische, geschlungene „N“ am rechten Bildrand und der Zusatz „fec.“ weisen eindeutig in die Richtung von Nerly, der seinen Anfangsbuchstaben zu seinem Markenzeichen machte. Und doch überrascht die große Souveränität und kompositorische Raffinesse dieser Studie zu einem solch frühen Zeitpunkt in Nerlys Œuvre. Das mag aber auch daran liegen, dass keinerlei Studien aus seiner voritalienischen Zeit bekannt sind. Der Bestand des Angermuseums in seiner Heimatstadt Erfurt, das den Nachlass bewahren darf, beginnt ebenfalls erst mit Ölstudien, die in Italien selbst entstanden sind, aber die auffälligerweise sofort auf einem sehr hohen Qualitätsniveau ansetzen. Insofern könnte es sich bei unserer kleinen Studie um einen Missing Link zu den Lehrjahren Nerlys in Deutschland handeln. Denn der fließende Strich, die Vorliebe für Spiegelungen und dunkle Töne prägen ja die Studien seiner kommenden Jahre. In unserer Studie hat er also im Frühjahr 1828, das Grün auf den Wiese auf der anderen Seeseite wird langsam sichtbar, den Blick über den Starnberger See gemalt. Er stellt die Kirche St. Michael ins Zentrum, er selbst war wohl auf einem Boot, oder er malte von Bernried am anderen Ufer. Es dürfte wohl vor allem die massive Wolke am Himmel gewesen sein, die Nerly zu dieser spontanen Komposition anregte, da sie einen nahezu symmetrischen Bildaufbau ermöglichte. Der graue Streifen oben findet seine Entsprechung im See unten – und im See wiederum spiegeln sich dann die charakteristischen Bergketten hinter Seeshaupt. Auf kleinstem Raum gelingt Nerly hier eine frühe, federleichte Probe seines Könnens, und wir sehen ein erstes Sehnsuchtsbild, das erklärt, warum es später die Symmetrien und die Spiegelungen Venedigs sein werden, die ihn bis zu seinem Lebensende in seinen Bann ziehen. FI Friedrich Nerly (Erfurt 1807 – 1878 Venice) Blick auf Seeshaupt am Starnberger See. 1828 Oil on laid paper on cardboard. 16,2 × 25 cm ( 6 ⅜ × 9 ⅞ in.). Signed lower right: N. Fec. [3256]
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19th Century Art
10719 Berlin - Allemagne
30/05/2018
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