Lot 40
Friedrich Vordemberge-Gildewart (1899 Osnabrück – 1962 Ulm)
„Composition No. 42“. 1928
Öl auf Leinwand, mit Leinwand hinterspannt, dabei um 180° gedreht. 80 × 80 cm ( 31 ½ × 31 ½ in.). Auf dem Keilrahmen stempelsigniert und in Grün signiert und betitelt: VORDEMBERGE- GILDEWART No 42.
Rückseitig ein Etikett zur Ausstellung Mannheim, 1970 (s.u.). Helms/ Valstar-Verhoff K42.–
Retusche. [3249]
Provenienz: Dr. Jos. Zuckmayer, Hannover / Privatsammlung, Norddeutschland
Ausstellung: Friedrich Vordemberge-Gildewart. Rapperswil, Galerie 58, 1966 / Friedrich Vordemberge-Gildewart. Mannheim, Städtische Kunsthalle, 1970, Kat.-Nr. 13 (laut rückseitigem Etikett) / Friedrich Vordemberge-Gildewart. Paris, Galerie Jean Chauvelin, 1974 / Friedrich Vordemberge-Gildewart. London, Annely Juda Fine Art, 1974 / Friedrich Vordemberge-Gildewart. Ulm, Ulmer Museum, 1975 / Friedrich Vordemberge-Gildewart. Münster, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, 1975, Kat.-Nr. 19, ganzs. Abb. S. 40 / die abstrakten hannover. Internationale Avant-Garde 1927-35. Hannover, Sprengel Museum/Ludwigshafen, Wilhelm-Hack-Museum,1987-1988, Kat.-Nr. 120
Literatur und Abbildung: Hans L.C. Jaffé: Vordemberge-Gildewart. Mensch und Werk. Köln, Verlag M. DuMont Schauberg, 1971, Abb. Nr. 46
Friedrich Vordemberge-Gildewart gehört zu den wichtigsten Vertretern konstruktivistischer Tendenzen in Deutschland, der jetzt endlich in gebührendem Maße wiederentdeckt wird. Nach einer Schreinerlehre vollzog er, dessen ursprüngliche Berufsplanung die Laufbahn eines Architekten war, den Schritt zum freien Künstler. Hier verband sich die Geometrie seiner Formensprache mit handwerklicher Sorgfalt. Vordemberge-Gildewart gründete in Hannover die „Gruppe k“, traf auf Kurt Schwitters, Hans Arp und Theo van Doesburg und wurde Mitglied des „Sturm“ in Berlin wie auch von De Stijl in Leiden. Damit waren die Weichen für ein Leben im Geiste des Konstruktivismus gestellt, das sich in verschiedenen Künstlervereinigungen, darunter abstraction-création (1932) fortsetzte. Das Schaffen Vordemberge-Gildewarts verbindet die Grundprinzipien der Konstruktivisten mit weitergehenden Formationen, etwa stereometrischen Körpern oder der Diagonale. Auch im Umgang mit der Farbe ging Vordemberge-Gildewart eigene Wege. Während Mondrian und van Doesburg sich auf die Primärfarben beschränkten, entwickelte er ein anderes Farbempfinden und setzte gemischte Töne, ja sogar Grün oder Violett für seine Kompositionen ein. 1927 war der Künstler in der von El Lissitzky organisierten Ausstellung „Kabinett der Abstrakten“ in Hannover vertreten, im selben Jahr hatte er eine erste Einzelausstellung in Paris.
Ein Jahr später, im Entstehungsjahr von „Composition No. 42“, setzt er die Erkundigung des Raumes durch die Integration dynamischer Elemente in seinen Bildern fort. Wie gekippt durchziehen jetzt diagonale Bahnen die Bilder. Auf die Spitze gestellte Rechtecke oder gestaffelt angeschnittene Linien und Körper halten die Balance. Unser Bild läßt größere Flächen weitgehend frei. Dennoch wirken sie nicht leer, sondern erscheinen durch präzise gezogene Linien in Rot und Gelb klar definiert – eine Gegenposition zum Schwarz und Weiß. 1938 als „entartet“ verfemt, emigrierte der Künstler über die Schweiz in die Niederlande und wurde Autor und Herausgeber kunsttheoretischer Texte. Dem ersten Lehrauftrag 1952 in Rotterdam folgte 1954 die Berufung an die Hochschule für Gestaltung in Ulm, das „Nachkriegs-Bauhaus“ in Deutschland. Die Bedeutung von Farbe als raumbildendem Element war auch dort Vordemberge- Gildewarts oberstes Prinzip. 1955 und 1959 war er Teilnehmer der ersten und zweiten documenta in Kassel. EO
Friedrich Vordemberge-Gildewart (1899 Osnabrück – 1962 Ulm)
„Composition No. 42“. 1928
Oil on canvas, with canvas mounted to the reverse, turned 180°. 80 × 80 cm ( 31 ½ × 31 ½ in.). On the stretcher the stamped signature, and signed and titled in green: VORDEMBERGE- GILDEWART No 42.
On the reverse a label of of the exhibition Mannheim, 1970 (see below). Helms/ Valstar-Verhoff K42.–
Retouching. [3249]
Provenienz: Dr. Jos. Zuckmayer, Hanover / private collection, northern Germany
Ausstellung: Friedrich Vordemberge-Gildewart. Rapperswil, Galerie 58, 1966 / Friedrich Vordemberge-Gildewart. Mannheim, Städtische Kunsthalle, 1970, cat. no. 13 (according to label on the reverse) / Friedrich Vordemberge-Gildewart. Paris, Galerie Jean Chauvelin, 1974 / Friedrich Vordemberge-Gildewart. London, Annely Juda Fine Art, 1974 / Friedrich Vordemberge-Gildewart. Ulm, Ulmer Museum, 1975 / Friedrich Vordemberge-Gildewart. Münster, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, 1975, ca. no. 19, full-page ill. p. 40 / die abstrakten hannover. Internationale Avant-Garde 1927-35. Hannover, Sprengel Museum/Ludwigshafen, Wilhelm-Hack-Museum,1987-1988, cat. no. 120
Literatur und Abbildung: Hans L.C. Jaffé: Vordemberge-Gildewart. Mensch und Werk. Cologne, Verlag M. DuMont Schauberg, 1971, ill. no. 46
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