Lot 186
Friedrich Wilhelm Klose (seit 1839: Kloss) (1805 – Berlin – 1875) Das Kronprinzenpalais in Berlin. Um 1857/60 Öl auf Leinwand. 30 × 39 cm ( 11 ¾ × 15 ⅜ in.). Unten links signiert: F. W. Kloss. Auf dem Keilrahmen oben links auf einem Aufkleber mit Feder in Braun betitelt und signiert: Palais S[einer]r H[oheit] des Kronprinzen / FW. Kloss. [3302] Provenienz: Privatsammlung, Sachsen Ausstellung: Verzeichniß der Werke lebender Künstler [...]. XLII. Kunstausstellung. Berlin, Königliche Akademie der Künste, 1860, Kat.-Nr. 499 („Palais Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Friedrich Wilhelm“) „Der Platz vom Ausgange der Linden-Prommenade bis zum Königl. Schlosse ist ohne Zweifel einer der schönsten in Europa“, schrieb A. von Schaden 1822 über das Zentrum Berlins. Das jüngste Gebäude der Prachtstraße Unter den Linden war die 1816 fertig gestellte Neue Wache von Karl Friedrich Schinkel. Im Jahr 1822 wurden hier die beiden schon von Schinkel geplanten Standbilder der Feldherren Scharnhorst und Bülow aufgestellt, womit die denkmalhaft konzipierte Platzanlage als Erinnerungsort an die Befreiungskriege ihre Bestimmung und ihren Abschluß fand: zusammen mit dem Zeughaus als unmittelbaren Nachbarn (hier waren die Trophäen der Befreiungskriege ausgestellt), gegenüber des Palais des Königs (oberster preußischer Heerführer) und der Kommandantur (Dienstgebäude des Befehlshabers der Berliner Garnison). Die Platzanlage vor der Neuen Wache gehörte seitdem zu den beliebtesten und wichtigsten Themen der Berliner Ansichten des 19. Jahrhunderts. Carl Gropius und Wilhelm Brücke hielten das bedeutende Ensemble noch in den 1820er Jahren erstmals in Öl fest. Auch Eduard Gaertner malte den Platz schon in den 1830er Jahren. Im Jahr der Fertigstellung der Schlosskuppel 1849 schuf er schließlich eine Ansicht (Hamburger Kunsthalle), die mit der unseren von Friedrich Wilhelm Klose eine nahe Verwandtschaft aufweist - und zugleich eine Besonderheit der Berliner Architekturmaler vorführt, deren „Engagement für die Darstellung von Stadtansichten und einzelner Bauten“ auf „ähnlich hohem Niveau, wie es die Berliner Bilder auszeichnet“ bis auf München seinerzeit „kaum sonst in Deutschland“ zu finden war, wie Sybille Gramlich konstatiert (Ausst.-Kat. „Stadtbilder“, Berlin 1987, S. 106). Die Berliner Besonderheit lag in dem bewussten Betonen des „zumeist niedrig gelegenen und nachsichtigen Standortes“, was auf eine „enge künstlerische Verwandtschaft“ mit den Dioramen und Panoramen jener Zeit hindeutet (ebd., S. 109). Tatsächlich waren die wichtigsten Berliner Ansichtenmaler auch für Gropius Diorama und in dessen Atelier tätig: Gaertner, Brücke, Blechen – Klose war sogar ein eigentlicher Schüler. Der niedrige Betrachterstandpunkt etwa auf Augenhöhe eines Passanten vermittelt ein „möglichst realitätsgetreues Bild des dargestellten Ortes“ (ebd., S. 110). Oft sind die Gebäude, insbesondere im Vordergrund (was hier nicht zu beobachten ist) aber auch tiefer im Bildraum an- und überschnitten, was der Seherfahrung eines Spaziergängers im begrenzten Stadtraum entspricht und diesen so mit in den Bildraum einbezieht. Hinzu kommen die Staffagefiguren, die der genauen Schilderung dienen und zugleich wie zufällig aufgenommen erscheinen. Gaertner wiederholte seine Ansicht von 1849 im Jahr 1853 noch einmal. Klose, dem wir kaum minder viele bedeutende Berliner Stadtbilder verdanken, schuf seinen Blick auf den Platz der Neuen Wache bis hinüber zur Schlosskuppel erst nach 1857. Das Kronprinzenpalais war 1856/57 von Johann Heinrich Strack für den König umgebaut worden: eine zentrale Veränderung der vertrauten Fassadenfolge der Prachtstraße, die Klose zu unserer Ansicht inspiriert haben mag. AA Wir danken Prof. Dr. Helmut Börsch-Supan, Berlin, für die Bestätigung der Authentizität und für freundliche Hinweise Friedrich Wilhelm Klose (from 1839: Kloss) (1805 – Berlin – 1875) Das Kronprinzenpalais in Berlin. Circa 1857/60 Oil on canvas. 30 × 39 cm ( 11 ¾ × 15 ⅜ in.). Signed lower left: F. W. Kloss. On the upper stretcher bar left on a label titled and signed in pen and brown ink: Palais S[einer]r H[oheit] des Kronprinzen / FW. Kloss. [3302] Provenienz: Private collection, Saxony Ausstellung: Verzeichniß der Werke lebender Künstler [...]. XLII. Kunstausstellung. Berlin, Königliche Akademie der Künste, 1860, cat. no. 499 („Palais Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Friedrich Wilhelm“)
Crédits photos : Contacter la maison de vente
Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
Catalogue
Art du 19e siècle
10719 Berlin - Allemagne
30/11/2016
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0