Lot 42
Fritz Winter (Altenbögge 1905 – 1976 Herrsching am Ammersee)
Triebkräfte der Erde. 1944
Öl auf Papier. 29,8 × 21 cm ( 11 ¾ × 8 ¼ in.). Unten rechts mit Bleistift monogrammiert und datiert: FW 44.
Nicht bei Lohberg. Mit einer Expertise von Gabriele Lohberg, Trier, vom Oktober 2018.–
[3093]
Provenienz: Privatsammlung, Süddeutschland
Welch unbändigen Schaffenswillen muss Fritz Winter aufgebracht haben, als er 1944 die „Triebkräfte der Erde“ malte. Die Folge von 46 Bildern entstand, während sich der in Russland verwundete Winter zur Genesung am Ammersee aufhielt. Hier lag seit 1935 – und während der Zeit des Malverbots und der Diffamierung als „entarteter“ Künstler – sein Rückzugsort. Und hier schuf Fritz Winter diese kleinformatigen Ölblätter, in denen sich so vieles verbindet, was in seinem Werk maßgeblich ist: die Auseinandersetzung mit Form und Fläche, mit kristallinen Lichtstrukturen und vor allem mit der Natur als schöpferische Kraft.
Sein kontemplatives Verständnis von Natur und Kosmos sowie die abstrakte Formensprache verbanden Fitz Winter mit seinen Lehrern am Dessauer Bauhaus, Wassily Kandinsky und besonders Paul Klee, bei dem er bis 1930 studierte. Nach seiner Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft knüpfte er daran an. Zusammen mit Willi Baumeister, Rupprecht Geiger, Rolf Cavael und weiteren Künstlern gründete er die Gruppe ZEN 49, die sich an Ideen des Blauen Reiters anlehnte und einen wichtigen Impuls für die abstrakte Malerei nach 1945 darstellte.
Doch ist es die Reihe der „Triebkräfte“, die als Winters Schlüsselwerk gilt. In ihr verbildlicht der Künstler auf eindrucksvoll zarte Weise die lebensspendende Energie der Natur und ihr Wachstum – so auch in unserem Blatt.
Schicht um Schicht, vom Dunklen ins Helle, entfalten sich hier die „Triebkräfte der Erde“ in einer Komposition von sich durchdringenden Formen und Farben. Erdhafte Strukturen umrahmen das mit feinen Lasuren überzogene Bild-innere, in dessen Zentrum ein warmes Gelb – noch verhalten – aus einer Kreisform hervorleuchtet. Es scheint, als erwache die Natur aus einem langen Winterschlaf, als fielen die ersten wärmenden Sonnenstrahlen auf das von Schnee bedeckte Unterholz. Und mit dem Licht kehrt allmählich auch das Leben zurück. ST
Fritz Winter (Altenbögge 1905 – 1976 Herrsching am Ammersee)
Triebkräfte der Erde. 1944
Oil on paper. 29,8 × 21 cm ( 11 ¾ × 8 ¼ in.). Monogrammed and dated in pencil lower right: FW 44.
Not in the catalogue raisonné by Lohberg. Accompanied by a certificate from Gabriele Lohberg, Trier, dated October 2018.–
[3093]
Provenienz: Private Collection, Southern Germany
Crédits photos : Contacter la maison de vente
Dessins, aquarelles et pastels
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