Lot 12
Gabriele Münter (Berlin 1877 – 1962 Murnau)
„Flieder mit Apfelsinen 2“. 1909
Öl auf Pappe. 38,3 × 51 cm ( 15 ⅛ × 20 ⅛ in.). Unten rechts signiert: Münter. Rückseitig mit Bleistift signiert, betitelt und datiert: G. Münter Flieder m Apfelsinen 2 1909. Ebenda mit dem Stempel in Schwarz: GABRIELE MÜNTER NACHLASS sowie dem Nachlassetikett, beschriftet S [d. i. Stillleben] 45.
[3650]
Provenienz: Nachlass der Künstlerin / Privatsammlung, Süddeutschland
Ausstellung: Gabriele Münter 1877-1962. München, Lenbachhaus, und Frankfurt a. M., Schirn Kunsthalle, 1992-93, Kat.-Nr. 62 mit ganzs. Farbabb
In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg nahm Gabriele Münter regen Anteil an den Diskussionen um die Erneuerung der Künste. Die quirlige Kunststadt München, wo Münter in den Jahren 1908 und 1909 wohnte, bot Malern und Bildhauern reichlich Gelegenheit zum Austausch, etwa im Kreis um Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky, die ihren Salon in der Schwabinger Giselastraße führten. 1909 gehörte Gabriele Münter mit ihrem Lebensgefährten Wassily Kandinsky, Werefkin, Jawlensky, Adolf Erbslöh und Alexander Kanoldt zu den Gründern der Neuen Künstlervereinigung München, für deren erste Ausstellung die Malerin das Bild „Flieder mit Apfelsinen 2“ laut ihrer eigenen Bilderliste vorgesehen hatte.
Gabriele Münters Fähigkeit, in reinen Form- und Farbstrukturen zu denken, und ihr Gespür für eine reduzierte Bildsprache führten sie insbesondere in ihren intimen Interieurs und Stillleben zu ganz außergewöhnlichen Ergebnissen. In ihrem kraftvollen Bild „Flieder mit Apfelsinen 2“ gelingt es Münter, einen tiefen, nahezu mystischen Farbklang zu erzielen. Meisterhaft setzt sie bewegte und ruhige Farbformationen gegeneinander, lässt die violett-blauen Blütendolden des Flieders schwer über den Rand eines Tellers herabhängen, während die Apfelsinen in warmen Goldtönen davor zu schweben scheinen. Ein festes Liniengerüst und die großzügige Flächigkeit geben der Komposition Halt. Mit der bewusst unklar gehaltenen räumlichen Situation und der Intensität des türkisfarbenen Lichts verleiht Gabriele Münter ihrem Stillleben große Ausdruckskraft und umgibt es zugleich mit einem Geheimnis. Das „Geistige in der Kunst“, wie es der Blaue Reiter zwei Jahre später fordern sollte, scheint in diesem Bild bereits Wirklichkeit geworden zu sein.
SCH
Gabriele Münter (Berlin 1877 – 1962 Murnau)
Flieder mit Apfelsinen 2. 1909
Oil on cardboard. 38,3 × 51 cm ( 15 ⅛ × 20 ⅛ in.). Signed lower right: Münter. Signed, titled and dated in pencil on the reverse: G. Münter Flieder m Apfelsinen 2 1909. Same place with the stamp in black: GABRIELE MÜNTER NACHLASS there too the estate label, inscribed S [for still life] 45.
[3650]
Provenienz: Estate of the artist / Private collection, Southern Germany
Ausstellung: Gabriele Münter 1877-1962. Munich, Lenbachhaus, and Frankfurt a. M., Schirn Kunsthalle, 1992-93, cat. no. 62 with full-page colour ill
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