Lot 27
Georg Kolbe (Waldheim/Sachsen 1877 – 1947 Berlin) „Auferstehung“. 1920 Bronze mit dunkelbrauner Patina. Höhe: 76,5 cm ( 30 ⅛ in.). Auf der Rückseite unter dem linken Fuß monogrammiert: GK. Auf dem Sockel hinten mit dem Gießerstempel: H.NOACK BERLIN FRIEDENAU. Mit einem Gutachten von Dr. Ursel Berger, Berlin, vom 26. Oktober 2006. Einer von 11 Güssen der ersten Auflage von 1920. Berlin, Paul Cassirer. [3645] Provenienz: Karl Schmidt-Rottluff, Berlin (Anfang der 1920er-Jahre von Georg Kolbe erworben) / Galerie Alex Vömel, Düseldorf (1953) / Privatsammlung, Schweiz / Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen Die seltene Bronzeplastik „Auferstehung“ von Georg Kolbe, einem der bedeutendsten Bildhauer der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, zeigt eine grazile und feinsinnig ausgeführte Frauengestalt, die die Arme wie schützend vor den Körper hält und im Begriff ist, sich von etwas zu erheben, das eine Wolke sein könnte. Die Introvertiertheit der Figur äußert sich nicht allein in ihrem Ausdruck, sondern wird zusätzlich von der geschlossenen, glatten Oberfläche des Lebenszeitgusses verstärkt. Sie entwickelt sich im Gegensatz zur „Tänzerin“, mit der Kolbe acht Jahre zuvor schlagartig berühmt geworden war, nicht in den Raum. Ihre ganze Kraft ist nach innen gerichtet und lässt die Figur emporstreben. Diese „Vergeistigung“ in Kolbes Werk setzt sich in der größeren „Assunta“ (1921), die der „Auferstehung“ eng verwandt ist, fort. „Diese Gestalten lassen sich nicht mehr treiben wie die Tänzerin, sie haben sich kraft eigenen Willens von der Erde erhoben“, schrieb der Kunsthistoriker Wilhelm R. Valentiner, der die erste Kolbe-Monografie veröffentlichte und sich als Direktor des Detroit Institute of Arts darum bemühte, Kolbes Werke schon früh in amerikanische Sammlungen zu vermitteln, 1922 über die „Auferstehung“ und ihre größere „Schwester“ (Wilhelm R. Valentiner: Georg Kolbe, München 1922, S. 15). Mit der Bronzeplastik „Auferstehung“, die nur in einer kleinen Auflage in der Bildgießerei Hermann Noack in Berlin gegossen wurde, bereitet der Künstler seine wohl schönste und mit der „Auferstehung“ eng verwandte Plastik vor: „Adagio“ von 1923. „Ich bin dem Wesen des Plastischen näher gekommen, kann der Form an sich mehr Ausdruck geben“, reflektiert der Bildhauer 1924 seine Entwicklung der vorangegangenen Jahre (Georg Kolbe, Begleit-Wort, in: Deutsche Kunst und Dekoration, Januar 1924, S. 196). Als Mitglied der Akademie der Künste und Präsident der Freien Secession Berlin förderte Kolbe bevorzugt avantgardistische Kunst, auch wenn seine eigenen Arbeiten nie solche künstlerischen Extrempunkte erreichten wie die der Zeitgenossen Archipenko oder Belling. Prominente Porträtaufträge, u.a. von Harry Graf Kessler (1916), Max J. Friedländer (1927) und Max Liebermann (1929), belegen jedoch die allgemeine Anerkennung, die der Bildhauer zu Lebzeiten erfuhr. Auch unsere Skulptur stammt aus der Sammlung eines berühmten Künstlers: Karl Schmidt-Rottluff hat sie Anfang der 1920er–Jahre direkt im Atelier Kolbes erworben. „Auch Kolbe hat sich von der Ausdruckskunst befreit, von der er herkam […]: er ist Poet geworden, lyrischer, asketischer. Seine Augen sehen nun tiefer als vorher […] Seine Werke zeigen nun nicht mehr nur zwei Dimensionen, sie streben in die Höhe“, schilderte Luigi Morandi 1924 nach einem Atelierbesuch bei Kolbe, dessen entscheidenden Gestaltungswandel (zit. nach Berger, S. 190). Gotisierend grazil entspricht das Frauenbild der „Auferstehung“ zugleich dem Frauentyp der neusachlichen Moderne. In dieser von größter innerer Ausdruckskraft zeugenden Bronzeplastik wird deutlich: „Die Bildhauer der Generation Kolbes zeigten Menschen um ihrer selbst willen: Existenz­figuren“ (Berger 1994, S. 158). GK Georg Kolbe (Waldheim, Saxony 1877 – 1947 Berlin) „Auferstehung“. 1920 Bronze with dark brown patina. Height: 76,5 cm ( 30 ⅛ in.). On the reverse under the left foot monogrammed: GK. On the base at the back with the foundry mark: H.NOACK BERLIN FRIEDENAU. Accompanied by a certificate by Dr. Ursel Berger, Berlin, dated 26 October 2006. One of 11 casts of the first edition from 1920. Berlin, Paul Cassirer. [3645] Provenienz: Karl Schmidt-Rottluff, Berlin (acquired from Georg Kolbe in the early 1920s) / Galerie Alex Vömel, Düseldorf (1953) / Private collection, Schweiz / Private collection, North Rhine-Westphalia
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Catalogue
Œuvres Choisies
10719 Berlin - Allemagne
01/12/2016
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0