Lot 23
Georg Kolbe (Waldheim/Sachsen 1877 – 1947 Berlin)
„Kauernde“. 1917
Bronze mit brauner Patina. 23,5 × 19 × 12,5 cm ( 9 ¼ × 7 ½ × 4 ⅞ in.). Auf der Plinthe hinten rechts monogrammiert: GK. Auf der hinteren Schmalseite der Plinthe der Gießerstempel: H.NOACK BERLIN.
Werkverzeichnis: Berger 31.–
Wohl posthumer Guss. [3505]
Provenienz: Ehemals Privatsammlung, Berlin
Wie kaum ein anderer Bildhauer seiner Zeit verstand es Georg Kolbe, in seinen plastischen Arbeiten zwei Gegensätze zu vereinen. An unserer „Kauernden“ kann man gut beobachten, wie es dem Künstler einerseits gelingt, auch im kleinen Format eine überaus präsente, belebte, individuelle Körperlichkeit darzustellen. Um dann diese körperliche Präsenz andererseits mit dem Über-Individuellen, dem Zeichenhaften, dem Symbol zu verbinden. Fünf Jahre zuvor hatte Kolbe mit der „Tänzerin“ einen rauschenden Erfolg gefeiert. Die Figur war nach ihrer Ausstellung in der Berliner Secession umgehend von Ludwig Justi für die Sammlung der Nationalgalerie erworben worden. Nun aber war die Situation eine völlig andere. Der Erste Weltkrieg tobte in seinem vierten Jahr, und sollte Kolbe anfänglich die damals weit verbreitete Begeisterung dafür empfunden haben, so war sie 1917 verflogen.
Mit knapp vierzig Jahren war er gemustert und zum Militär eingezogen worden. Nur die Fürsprache eines seiner Freunde, des deutschen Botschafters in der Türkei, Richard von Kühlmann, verhinderte, dass man ihn an die Front schickte. „Der Stein ist ins Rollen gekommen, aber er rollt in die entgegengesetzte Richtung“, klagte er Annette Kolb in einem Brief vom Januar (zit. nach: Maria Frfr. von Thiesenhausen (Hg.): Georg Kolbe – Briefe und Aufzeichnungen, Tübingen 1987, S. 88). Immerhin gelang es Kühlmann, ihn statt in den Stellungskrieg nach Istanbul zu beordern, wo Kolbe die nächsten Monate überwiegend als Porträtist wirkte.
In diesen Monaten und mit dem Gefühl, noch einmal vom Schlimmsten verschont geblieben zu sein, muss Kolbe diese Figur einer unbekleideten, am Boden sitzenden jungen Frau geschaffen haben. Obgleich ihre kauernde Körperhaltung nicht automatisch zum Repertoire triumphaler Gesten zählt, strahlt die Figur Selbstbewusstsein und innerliche Stärke aus. Die Arme (im Sitzen!) in die Seiten gestemmt, den Kopf gereckt, scheint sie uns als Betrachter an ihrem Behauptungswillen teilhaben zu lassen. Gleichzeitig liegt in ihrem Antlitz der Ausdruck großer Ruhe und Gelassenheit. Mit der „Kauernden“ hat Georg Kolbe eine Seelenlage wiedergegeben, aus der tiefe Erleichterung spricht. Im Jahr 1917 musste das für ihn bedeuten, dass er sich in dieser Figur im übertragenen Sinn auch selbst darstellte. UC
Georg Kolbe (Waldheim, Saxony 1877 – 1947 Berlin)
„Kauernde“. 1917
Bronze with brown patina. 23,5 × 19 × 12,5 cm ( 9 ¼ × 7 ½ × 4 ⅞ in.). Monogrammed on the plinth at the back right: GK. On the rear short side of the plinth the foundry mark: H.NOACK BERLIN.
Catalogue raisonné: Berger 31.–
Presumably posthumous cast. [3505]
Provenienz: Formerly Private collection, Berlin
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Sculptures et bronzes
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