Lot 210
George Grosz (1893 – Berlin – 1959) Portrait Max Herrmann-Neiße. 1925/26 Kreide auf Papier (aus einem Skizzenblock). 38,1 × 31 cm ( 15 × 12 ¼ in.). [3410] Provenienz: Nachlass des Künstlers / Privatsammlung, Berlin (bis 2010) Hinweis zur Die Zeichnung stammt aus einem Konvolut von Papierarbeiten von George Grosz, die in den 1980er-Jahren von der Großnichte des Künstlers in einer Kiste im Keller des ehemaligen Berliner Wohnhauses von Grosz gefunden wurden. Zu diesem Konvolut gehörten auch 24 Portraitskizzen von Max Herrmann-Neiße, von denen sich heute 23 im Eigentum der Akademie der Künste, Berlin, befinden. Dieses Portrait, das die Finderin als Geschenk von Peter Grosz, dem Sohn des Künstlers, erhalten hat, ist das letzte aus dieser Gruppe, das in Privatbesitz geblieben ist Ausstellung: George Grosz – Gegen den Strich. Aquarelle, Zeichnungen, Grafiken. Heilbronn, Städtische Museen, 2008, Abbildung S. 93 Literatur und Abbildung: Auktion 179: Villa Grisebach Auktionen, Berlin, 26. November 2010, Kat.-Nr. 41 In unserer Arbeit offenbart Grosz seine große Zeichenkunst. Mit sicherem, festem Kreidestrich umreißt er sein Gegenüber. Das Revers eines Jacketts bleibt Andeutung, Grosz konzentriert sich auf den Kopf und die Physiognomie. Die Binnenstruktur ist von einem weicheren Strich gekennzeichnet. Grosz tastet unnachgiebig und doch mitfühlend die charakteristischen Züge des knapp vierzigjährigen Schriftstellers ab, der körperlich angegriffen war. Mit dem Portrait von Herrmann-Neiße aus dem Jahr 1925 (Kunsthalle Mannheim) wandte sich Grosz wieder der Malerei zu, nachdem er in den Jahren zuvor fast ausschließlich gezeichnet hatte. Der Dichter wirkt hier wie gefangen in seinem Sessel und im kahlen Raum. Selbstkritisch bemerkte Grosz, das Bild sei ihm „zu trocken“ geraten. Im zweiten Portrait von 1927 (Museum of Modern Art, New York) löst er den Dargestellten aus der Isolation, indem er ihn im Ausschnitt ganz nah zeigt und das Umfeld mit Attributen des Bohemiens belebt. Unsere Arbeit ist ein entscheidender Schritt in Vorbereitung dieses zweiten Gemäldes, da hier die Neigung des Kopfes festgelegt wird. Diese Kopfhaltung offenbart das Wesen des Schriftstellers als eines konzentriert aufnehmenden und dabei skeptischen Menschen. Oliver Hell, Berlin Der aus der schlesischen Kleinstadt Neiße stammende frühexpressionistische Dichter, Schriftsteller und Theaterkritiker Max Herrmann (1886–1941) zog 1917 nach Berlin. Als Mitarbeiter von Franz Pfemferts Zeitschrift „Die Aktion“ hatte er schon seit 1911 Kontakte zur Avantgarde in der Reichshauptstadt. Grosz kannte er seit Herbst 1917. Die Duzfreunde waren leidenschaftliche Kneipengänger und beide Sammler erotischer Bildpostkarten. „Ganz zu Hause“, schrieb Herrmann-Neiße 1929, „fühlte ich mich stets auch bei George Grosz. Wir hatten ungefähr dieselbe Gesinnung und Stimmung, dieselbe Sammlerneigung. [..] Wir waren beide sowohl Lyriker als Zyniker, korrekt und anarchisch! Ich saß ihm unzählige Male herzlich gerne, war in seinem Atelier selig geborgen. [...] Er arbeitete an meinem Portrait mit einer Sorgfalt, die das Schaffen ganz ernst nahm.“ (Max Herrmann-Neiße: Meine Erlebnisse mit der bildenden Kunst. In: Das Kunstblatt, 1929, S. 80, zitiert nach: George Grosz. Berlin – New York. Neue Nationalgalerie, Berlin, 1994, S. 65 und S. 339/340) George Grosz (1893 – Berlin – 1959) Portrait Max Herrmann-Neiße. 1925/26 Chalk on paper (from a sketch book). 38,1 × 31 cm ( 15 × 12 ¼ in.). [3410] Provenienz: Estate of the artist / Private Collection, Berlin (until 2010) This drawing was one of a selection of works on paper by George Grosz which was found in a box in the cellar of Grosz's former Berlin home by his grandniece in the 1980s. 24 portrait sketches of Max Hermann-Neiße were found in this bundle of papers, 23 of which are currently in the possession of the Akademie der Künste, Berlin. This portrait, which the finder kept as a gift from Peter Grosz, the artist's son, is the last of the group to have remained in private hands. Ausstellung: George Grosz – Gegen den Strich. Aquarelle, Zeichnungen, Grafiken. Heilbronn, Städtische Museen, 2008, Illustration p. 93 Literatur und Abbildung: Auction 179: Villa Grisebach Auktionen, Berlin, 26 November 2010, cat. no. 41
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Dessins, aquarelles et pastels
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26/10/2018
Proposé par Grisebach
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