Lot 192
George Grosz (1893 – Berlin – 1959)
Schlägerei. 1913
Tuschfeder in Schwarz und Braun auf dünnem Papier. 26,5 × 23 cm ( 10 ⅜ × 9 in.). Unten rechts mit Bleistift signiert: GROSZ. Rückseitig unten links mit dem Nachlassstempel [stark verblasst] und der mit Tuschfeder in Schwarz eingetragenen Registriernummer: 3 32 10.
Die Zeichnung wird aufgenommen in das Werkverzeichnis der Arbeiten auf Papier von George Grosz von Ralph Jentsch, Rom (in Vorbereitung).–
[3409]
Provenienz: Nachlass des Künstlers / Galerie Pels-Leusden, Berlin (bis 2002) / Privatsammlung, Baden-Württemberg / Privatsammlung, Berlin (bis 2012)
Ausstellung: Deutsche Meisterzeichnungen der letzten hundert Jahre. Berlin, Graphisches Kabinett der Galerie Pels-Leusden, 1973, Kat.-Nr. 16, S. 4, Abbildung S. 24 (hier betitelt: Prügelei in der Kneipe) / Europäische Meisterzeichnungen und Aquarelle. Berlin, Galerie Pels-Leusden, 1978/79, Kat.-Nr. 41, S. 4, Abbildung
S. 26 (hier betitelt: Prügelei in der Kneipe) / The Berlin of George Grosz: Drawings, Watercolours and Prints 1912–1930. London, Royal Academy of Arts, 1997, Kat.-Nr. 10, S. 49, mit Abbildung / George Grosz. Der große Zeitvertreib. Düsseldorf, Stiftung Museum Kunstpalast, 2014, S. 178, zusätzliche Abbildung S. 22
Literatur und Abbildung: Auktion 99: Villa Grisebach Auktionen, 7. Juni 2002, Kat.-Nr. 1641 / Auktion 196: Villa Grisebach Auktionen, Berlin, 1. Juni 2012, Kat.-Nr. 358
Mein Großvater Ernst Basch, Jude, geboren 1909 und aufgewachsen in München, „Assessor Jur.“, hatte früh erkannt, was die Nazis im Schilde führten. Schon 1933 emigrierte er in die USA. Seine Eltern lehnten es trotz seiner dringenden Bitten ab, ihre Heimat zu verlassen. Sie starben beide in Nazi-Deutschland, der Vater 1940, krank und entkräftet nach der Vertreibung aus der Wohnung, die Mutter wurde am 18. Juni 1942 im KZ Theresienstadt ermordet.
1937 erschien in den USA das Buch meines Großvaters, der sich im Exil in „E.B. Ashton“ umbenannt hatte: „The Fascist: His State and His Mind“. Scharfsichtig beschrieb er darin, wes Geistes Kind die Nazis waren. Nicht zuletzt dieses Buch verhalf ihm dazu, in die ehrenvolle Liste der im Dritten Reich verfemten und verbotenen Autoren aufgenommen zu werden.
Nach dem Ende des Krieges kehrte mein Großvater nie mehr nach Deutschland zurück. Zunächst lebte er in New York. Dann zog er nach Huntington, N.Y. Dort arbeitete er fortan als Übersetzer von Adorno, Kant und Jaspers.
1947 zog ebenfalls von New York nach Huntington, N.Y., ein gewisser Georg Ehrenfried Groß, geboren 1893 in Berlin. Auch er war Anfang 1933 in die USA emigriert, auch er hatte sich umbenannt, allerdings schon 1916, aus Protest gegen das Grauen des Ersten Weltkrieges, das er als Infanterist selbst erlebt hatte. So wurde aus Georg Ehrenfried Groß „George Grosz“. So wie im gleichen Jahr und aus dem gleichen Grund aus seinem Freund Helmut Herzfeld „John Heartfield“ wurde.
E.B. Ashton und George Grosz wurden in den USA nicht nur Nachbarn, sondern enge Freunde, wie sich aus vielen Briefen und aus kleinen Zeichnungen ergibt, die unter anderem mit „To My Dearest Friend Ernest“ meinem Großvater gewidmet sind. So begleitet mich George Grosz schon ein Leben lang in Erzählungen als Freund meines Großvaters.
Nun stellt mein so sehr geschätzter Freund Bernd Schultz seine gesamte Sammlung, darunter zwei Zeichnungen des Exilanten George Grosz, zur Gründung eines ExilMuseums zur Verfügung, die ich als Enkel meines ins Exil geflohenen und mit Grosz eng verbundenen Großvaters, kommentieren darf. So schließen sich ebenso unerwartet wie glücklich Kreise. „Schlägerei“ entstand im Jahr 1913. Grosz lebte in diesem Jahr für acht Monate in Paris. Berlin und Paris waren damals die beiden großen Weltmetropolen. Die Schrecken des Krieges schienen zu der Zeit noch fern. Mit leichter Hand gezeichnet, zeigt sich ein feuchtfröhliches Gelage, eine Kneipenschlägerei, Ausdruck von Sorglosigkeit und einer gewissen Lebensfreude. Grosz heißt damals noch Groß, im nächsten Jahr wird er den 2. Preis der Unterrichtsanstalt der Königlichen Museen in Berlin erhalten. Alles scheint gut. Aber es ist ein Tanz auf dem Vulkan.
Robert Unger, Berlin
George Grosz (1893 – Berlin – 1959)
Schlägerei. 1913
Pen and black and brown India ink on thin paper. 26,5 × 23 cm ( 10 ⅜ × 9 in.). Signed in pencil lower right: GROSZ. Estate stamp [heavily faded] and registry number inscribed with pen and black India ink on the reverse lower left: 3 32 10.
The drawing will be included in the catalogue raisonné of Works on Paper of George Grosz by Ralph Jentsch, Rome (in preparation).–
[3409]
Provenienz: Estate of the artist / Galerie Pels-Leusden, Berlin (until 2002) / Private Collection, Baden-Wuerttemberg / Private Collection, Berlin (until 2012)
Ausstellung: Deutsche Meisterzeichnungen der letzten hundert Jahre. Berlin, Graphisches Kabinett der Galerie Pels-Leusden, 1973, cat. no. 16, p. 4, Illustration p. 24 (here titled: Prügelei in der Kneipe) / Europäische Meisterzeichnungen und Aquarelle. Berlin, Galerie Pels-Leusden, 1978/79, cat. no. 41, p. 4, Illustration
p. 26 (here titled: Prügelei in der Kneipe) / The Berlin of George Grosz: Drawings, Watercolours and Prints 1912–1930. London, Royal Academy of Arts, 1997, cat. no. 10, p. 49, with illustration / George Grosz. Der große Zeitvertreib. Düsseldorf, Stiftung Museum Kunstpalast, 2014, p. 178, additional illustration p. 22
Literatur und Abbildung: Auction 99: Villa Grisebach Auktionen, 7 June 2002, cat. no. 1641 / Auction 196: Villa Grisebach Auktionen, Berlin, 1 June 2012, cat. no. 358
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