Lot 319
Giovanni Paolo Panini und Werkstatt (Piacenza 1691 – 1765 Rom) Predigt eines Apostels vor den „Monumenti Romani“ – Capriccio von Medici-Vase aus den Uffizien, Maison Carrée in Nîmes, Tempel der Minerva Medica, der Trajanssäule, des Septimius-Severus-Bogens und des Vestatempels auf dem Forum Romanum. Um 1755 Öl auf Leinwand. 78,8 × 111 cm ( 31 × 43 ¾ in.). Mit einem Gutachten von Ferdinando Arisi vom 23. Januar 1973 sowie einer schriftlichen Bestätigung vom 31. Juli 2008 (jeweils in Kopie).– [3376] Provenienz: Privatsammlung, England / Privatsammlung, Bayern (seit 1999) Literatur und Abbildung: Ferdinando Arisi: Gian Paolo Panini e i fasti della Roma del' 700. Rom, 1986, Kat.-Nr. 358 (175), Abb. S. 410 / Auktion: Old Master Pictures. London, Christie's, 27. Oktober 1999, Kat.-Nr. 106 (als Nachfolger Panini) / Auktion: A146 – Gemälde Alter Meister. Zürich, Koller, 19. September 2008, Kat.-Nr. 30 In einem englischen Rahmen des 18. Jahrhunderts Mit zwanzig Jahren verließ Panini 1711 seine Heimatstadt Piacenza, wo er für den geistlichen Stand vorbereitet worden war, und zog nach Rom. Hier führte er seine bereits begonnenen Studien in Perspektiv- und Architekturmalerei fort und avancierte rasch zu einem bekannten Maler von Landschaften und Veduten. Zunächst betätigte sich Panini als Freskomaler für kirchliche und aristokratische Auftraggeber und suchte dann vor allem die Nähe zu Franzosen in Rom. 1718 wurde er in die Congregazione dei Virtuosi al Pantheon, 1719 in die Accademia di San Luca aufgenommen und machte auch weiterhin alles richtig: 1724 heiratete er die Schwägerin von Nicolas Vleughels, Direktor der Académie de France in Rom. 1732 wurde ihm sogar die seltene Ehre zuteil, Mitglied der Académie royale de peinture et de sculpture in Paris zu werden. Die wichtigsten Franzosen, die zu seinen Lebzeiten in der „ewigen Stadt“ anzutreffen waren, förderten ihn, so etwa Kardinal Melchior de Polignac, Gesandter von König Ludwig XV., oder Étienne-François de Choiseul, seit 1753 Französischer Botschafter in Rom. Auch in Paninis Werkstatt fanden viele französische Künstler Aufnahme auf ihren Wanderschaften und Kontakte für ihre weitere Ausbildung. So beeinflusste Panini unter anderem das Werk von Claude Joseph Vernet, Hubert Robert und Jean-Nicolas Servandoni. Panini präsentierte sich seinen Zeitgenossen als lebendiges Gesamtkunstwerk und wusste die Neugier der Grand Tour-Reisenden aufs Beste zu bedienen. Er arbeitete als Architekt, stattete Kardinalsvillen und Kapellen aus, erdachte Feuerwerke und konzipierte Architekturstaffagen und Apparaturen für große Festivitäten, die er dann gleich selbst im Gemälde festhielt. Der Lust des lebensfrohen Rokokos vermochte er in jeder Hinsicht zu entsprechen. Paninis Werkstatt wiederholte unentwegt beliebte Motive von Stadtansichten und einzelnen Monumenten und produzierte auf diese Weise hochklassige Souvenirs für reisende Europäer. Im Kanon der Kunstgeschichte sicherte er sich seinen Platz so vor allem durch Ansichten Roms und seiner Sehenswürdigkeiten. Der Allrounder Panini verstand es, neben realistischen Veduten, die vor allem britische Reisende in großer Zahl mitnahmen, überraschende vedute ideate zu komponieren, bei denen er verschiedene Altertümer zusammenführte. In unserem Bild – das einer Erstversion in einer Privatsammlung in Rom folgt – trieb er es auf die Spitze: Nicht nur römische Sehenswürdigkeiten wurden collagiert, sondern geradezu ein europäisches Bilderbuch der Antike zusammengezaubert. Wir dürfen also mit Recht behaupten, dass die Verrücktheit des erfolgreichen Künstlers und sein merkantiles Geschäftsmodell in diesem Bild eine ganz besondere Liaison eingehen. Paninis Gemälde zeugt aber auch von der schöpferischen Kraft und von dem großen Wunsch der Künstler, die künstlerische Allianz der „Monumenti Romani“ mit christlicher Ansprache zu verbinden. Denn durch die antiken Ruinen des Bildes wandelt der Apostel, der die neue Botschaft ausruft und der damit die antiken Überreste ins christliche Zeitalter transponiert. RE In einem englischen Rahmen des 18. Jahrhunderts. Giovanni Paolo Panini and workshop (Piacenza 1691 – 1765 Rome) Apostle's sermon in front of “Monumenti Romani“. Circa 1755 Oil on canvas. 78,8 × 111 cm ( 31 × 43 ¾ in.). Accompanied by a certificate by Ferdinando Arisi dated 23 January 1973 as well as a written confirmation dated 31 July 2008 (each in copy).– [3376] Provenienz: Private collection, England / private collection, Bavaria (since 1999) Literatur und Abbildung: Ferdinando Arisi: Gian Paolo Panini e i fasti della Roma del' 700. Rome, 1986, cat.-no. 358 (175), ill. p. 410 / Auction: Old Master Pictures. London, Christie's, 27 Oktober 1999, cat.-no. 106 (as follower of Panini) / Auction: A146 – Gemälde Alter Meister. Zurich, Koller, 19 September 2008, cat.-no. 30. In an English frame of the 18th century. In an English frame of the 18th century.
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30/11/2017
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