Lot 152
Glöckner, Hermann (Dresden 1889 - 1987 Berlin)Die Zitrone (Stilleben mit Zitrone). Tempera auf Holz. 1927. 405 x 325 mm. Unter Glas gerahmt. Verso signiert, betitelt u. eigenhändig mit der Adresse des Künstlers versehen.Dittrich G 48 - Provenienz: Galerie Kühl, Dresden; Privatsammlung Berlin; Privatsammlung Süddeutschland. - Glöckner begann 1904 eine Lehre zum Musterzeichner, wobei ihn das Entwickeln von konstruktiven Gesetzmäßigkeiten besonders fesselte. Malerisch beeinflussten ihn in jenen Jahren Van Gogh, der Fauvismus und die Künstler der "Nabis", so dass seine Werke mit kräftigen, bewegten Pinselstrichen in hellen Rosa- und Grüntönen erstrahlten. Hier blitzt bereits das ungeheure Farbgefühl des Künstlers auf. 1923 wurde Glöckner an der Akademie aufgenommen, aber zwei Semester reichten aus, um dem Eigenbrötler klar zu machen, dass er dort seinen Weg nicht finden konnte. Glöckner erforschte fortan autodidaktisch seine neuen geometrischen Ordnungsprinzipien. - Entscheidende Veränderungen erfuhr sein Werk ab 1926 mit den ersten Versuchen der Reduktion von Zeichnungen auf ein lineares System. Darin erkannte Glöckner seinen eigenen künstlerischen Weg, den er fortan konsequent beschritt. 1927 konnte er zudem in eine Atelier-Wohnung umziehen, was zu einer deutlichen Verbesserung seiner Arbeitsmöglichkeiten führte. - Aus diesem frühen, entscheidenden Schaffensjahr stammt vorliegendes Stilleben. Es ist Teil einer kleinen Werkgruppe von fünf Stilleben mit Früchten und Blumen, von denen "Die Zitrone" in ihrer Ausschnitthaftigkeit und Konzentration herausragt. Während die anderen Arbeiten auf einem klassischen Aufbau basieren, sticht vorliegendes Bild durch seine angeschnittenen, flächigen Objekte hervor. Kein Gegenstand ist vollkommen zu sehen außer der zentral positionierten, hellgelben Zitrone. So besitzt das Bild Tiefe, die ihm aber gleichzeitig durch die einheitlich gestalteten, kantig geometrischen Farbflächen wieder genommen wird. Mit sinnlichem Farbempfinden ausgestattet, vermag es Glöckner in nuancierter Feinfühligkeit, das scheinbar Einfache farblich zu gestalten, indem er zarte Grün-, Rot- und Gelbtöne zueinander auf einen blauen Grund setzt. Dynamik entsteht zudem durch einen nicht deckenden Farbauftrag, der Konstruktionslinien und Pinselstriche in der linken, unteren Hälfte des Bildes zulässt, aber durch großflächige Ockertöne am rechten Rand ausbalanciert wird. Das ist Glöckners besondere Leistung: Vorgetragen wird keine kalte, zerebral-abstrakte Konstruktionskunst, sondern es sind seine geometrisch angelegten, gefühlvollen Farbharmonien, die seine Kunst so einzigartig machen. - Erst 1969 wurde Glöckner durch Werner Schmidt eine erste Einzelausstellung im Dresdner Kupferstichkabinett ermöglicht. Schmidt schrieb später zu dessen Schaffen: "Glöckners Werke verkörpern ästhetische Kategorien in ihrer Gegensätzlichkeit. Realismus und Abstraktion, Zartheit und Schärfe, Intimität und Dramatik, Statik und Rhythmus, Gesetz und Zufall, Ordnung und Freiheit kommen gleich deutlich zum Ausdruck. Glöckner liebte die reinen Lösungen, das Vordringen bis zu den Elementen. Aber hatte er diese gefunden und dargestellt, verband er sie durch Abwandlungen, durch Doppelung, Spiegelung oder Reihung, durch Überlagerung, Schichtung, Geflecht und Durchdringung. Zu den elementaren Formen gesellen sich die gemischten Verfahren, die Kombinationen, Collagen und Assemblagen. Der Analytiker Glöckner wußte um die Notwendigkeit der Synthese. Er vermochte tiefer liegende Schichten zu erreichen und auf Geheimnisse zu deuten. Deshalb sind in seiner Kunst die einfachen Dinge nicht simpel, deshalb leben im Ein-Fältigen Spuren unendlicher Vielfalt, walten im Strudel der Zufälle Gesetz und innere Ordnung." (Schmidt 1988)
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Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
Catalogue
Beaux Arts
10623 Berlin - Allemagne
29/04/2017
Proposé par Dr. Lehr Kunstauktionen GmbH
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