Lot 928
Günther Förg (Füssen 1952 – 2013 Freiburg)
Ohne Titel. 1989
Acryl auf Holz. 159 × 140 cm ( 62 ⅝ × 55 ⅛ in.). Rückseitig mit Wachskreide signiert und datiert: Förg 89.
[3377]
Provenienz: Privatsammlung, Hessen
Ab Ende der 1940er-Jahre begann Barnett Newman in New York - nach Veröffentlichung des wegweisenden Essays „The Sublime is now“ - sich ganz der radikalen Abstraktion zu widmen. Aus „Untitled“ wurden poetische Titel wie „Joshua“, „Onement“, „End of Silence“ oder auch schon wegweisend: „Concord“.
Newman beschritt sehr sensibel und langsam den Weg der Unendlichkeit der Malerei und lies sich nicht durch äußere Dinge beeinflussen oder gar unter Druck setzen. So entstand fast schon im Stillen ein gewaltiges Werk an abstrakter Malerei, an dem sich heute noch junge Künstler abarbeiten und das sie versuchen zu verstehen.
1979 beendete ein noch gänzlich unbekannter Maler mit dem oberbayrischen Namen Förg in München die Akademie, und nachdem er sich kurzzeitig mit Cy Twombly und Gerhard Richter auseinandergesetzt hatte, stürzte er sich auf die sublimen Malereien von Barnett Newman. Er sog alles, was er finden konnte, in sich auf und spuckte es im Lauf seiner langen Karriere immer und immer wieder aus. Plünderte Farben und Konstruktionen, quetschte Formate und Materialen und betrieb eine Piraterie an Newman, wie es vor und nach ihm keiner mehr gewagt hätte – und schuf ein völlig neues Bild von Newman und der abstrakten Malerei international.
Die Vorraussetzungen zu Beginn waren für beide Künstler sehr ähnlich. In Newmans New Yorker Kosmos herrschten die wilden Abstrakten vor, allen voran Jackson Pollock, der, wo es nur ging, all seine „drip paintings“ hinterließ. Clyfford Still löste die monochrome Malerei nicht auf, er versuchte sie erst gar nicht zu konstruieren, sondern elegant zu umschiffen, und De Kooning kämpfte mit der gewaltigen Abarbeitung an Frauenakten.
Eine ähnliche Zeit erlebte Förg zu Beginn der 80er-Jahre in München, erst recht in Köln. Die jungen Wilden aus Berlin schwappten quer durch die Bundesrepublik, machten auch vor Köln nicht halt und nannten sich dort „Mül-heimer Freiheit“.
Förg war der Bilderkampf und Zeitgeist zuwider, und er fand in Newman den perfekten „partner in crime“ im Wissen um den malerischen Widerstand.
Nun wollte Förg sich Newman gänzlich zu eigen machen, und was bei Newman sensibel aufgebaut und konstruiert war, übersetzte Förg in serielle Abarbeitung und fast schon maschinelle Produktion. Berühmt wurde Förg Ende der 80er-Jahre dann endgültig mit seinen großformatigen Arbeiten auf Blei, die den Höhepunkt der Auseinandersetzung mit dem großen Barnett Newman bildeten. Dann gab es kein Halten mehr. Leinwände, Holz, aber auch Kupfer und Alutafeln wurden zu Grundelementen von Förgs Malerei und behaupteten sich alle in gleicher Wertigkeit nebeneinander. So konnte sich Förg auch sicher sein, dass er Newman nicht einfach nur adaptierte oder kopierte, sondern letztendlich weiterentwickelte und somit ins 21. Jahrhundert übernommen hat.
Michael Neff
Wir danken Michael Neff, Estate Günther Förg, für freundliche Hinweise
Günther Förg (Füssen 1952 – 2013 Freiburg)
Untitled. 1989
Acrylic on panel. 159 × 140 cm ( 62 ⅝ × 55 ⅛ in.). On the reverse signed and dated with wax crayon: Förg 89.
[3377]
Provenienz: Private collection, Hesse
We would like to thank Michael Neff, Estate of Günther Förg, for kindly providing additional information
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Dessins, aquarelles et pastels
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