Lot 311
Hans Hartung (Leipzig 1904 – 1989 Antibes)
„T–1960–7“. 1960
Acryl und Ölkreide auf Leinwand. 40 x 105 cm ( 15 ¾ x 41 ⅜ in.). Unten links mit Tuschfeder signiert und datiert: Hartung 60. Rückseitig mit Filzstift in Schwarz signiert und datiert: Hartung 60. Auf dem Keilrahmen betitelt und bezeichnet: T1960-7 Photo 9x12 9/XI/60.
Das Gemälde ist registriert unter der Nummer T-1960-7 in der Fondation Hartung et Anna-Eva Bergman, Antibes. – Das Gemälde wird aufgenommen in das Werkverzeichnis des Künstlers von der Fondation Hartung et Anna-Eva Bergman, Antibes (in Vorbereitung).–
[3334]
Provenienz: Galerie Daniel Gervis, Paris (1985) / Galerie 5 Haus Geiselhart, Reutlingen
Ausstellung: Hans Hartung. Reutlingen, Galerie 5 Haus Geiselhart, 1987 / Die Intimität des Sammelns. Reutlingen, Stiftung für konkrete Kunst, 1993 / Die konkrete Zeit – Gegenstände eines Jahrhunderts. Reutlingen, Stiftung für konkrete Kunst, 1996 / Stiftung – ganz konkret 1988-1998. Reutlingen, Stiftung für konkrete Kunst, 1998/99 / Umbruch 2013 – Module im Wandel. Reutlingen, Stiftung für konkrete Kunst, 2013
„Meiner Meinung nach ist die Malerei, die man die abstrakte nennt, kein Ismus, wie es deren in letzter Zeit viele gegeben hat, sie ist weder ein ,Stil‘ noch eine ,Epoche‘ in der Geschichte der Kunst, sondern einfach ein neues Ausdrucksmittel, eine andere menschliche Sprache - und zwar direkter als die frühere Malerei.“ (Hans Hartung, Fait le 29.7.1989, S. 2)
Mit dem dynamischen Schwung der schwarzgrauen Pinselstriche ist „T-1960-7“ ein eindrucksvolles Beispiel für Hans Hartungs gestisch abstrakten Stil, den der Künstler nach der Übersiedelung nach Menorca bereits 1932 entwickelt hat. Auf einem silbrig-blaugrauen Hintergrund zeigt das Bild Hartungs originäre Formensprache: Aus rhythmischen Pinselstrichen
formieren sich informelle Lineamente zu Schwüngen, Spiralen und Kreisen. T-1960-7 beeindruckt durch den expressiven und zugleich lyrischen Duktus dieser Pinselbewegung, die in ihrer verspielten Linearität wie eine unmittelbare Niederschrift einer spontanen Idee wirkt oder wie zeichnerische Improvisationen, die sich durch wiederholte Pinselführung bündeln und durchkreuzen. Wie die Surrealisten war Hartung an automatischer Zeichnung interessiert, an einem Prozess der frei improvisierten Pinselführung. Im Wissen um Hartungs Faszination für das Unvorhersehbare zeugt die vorliegende Arbeit mit seinem gestischen Schwung und der filigranen Körperhaftigkeit der Linien auch von ungekünstelter Spontanität und malerischer Authentizität.
„T-1960-7", aus dem Jahr 1960, gehört zu einer künstlerischen Phase, in der sich Hartungs Malerei veränderte. Das war vor allem durch einen technischen Aspekt bedingt: Hartung nutzte die neuen chemischen Farben und malte nun nicht mehr mit Ölfarben, sondern mit Vinyl- und Acrylfarben, die schneller trockneten und die es ihm erlaubten, direkt im Anschluß an die Malerei die Ölkreide einzusetzen, wie in unserem Bild. Nach der Flucht vor dem NS-Regime aus seinem Heimatland Deutschland hatte Hartung sich in Frankreich der Fremdenlegion angeschlossen und konnte erst nach einer sechsjährigen künstlerischen Pause im Jahr 1945 wieder arbeiten. Ab Mitte der 1950er Jahre wurde ihm internationale Anerkennung zuteil. Als seine Bilder 1959 auf der documenta 6 in Kassel präsentiert wurden, waren sie bereits bekannte Ikonen zeitgenössischer Kunst. Hartung war nicht nur der deutsche Künstlerstar dieser documenta, er wurde 1960 mit dem Großen Internationalen Preis der Malerei auf der Biennale in Venedig ausgezeichnet. Hartungs Erweiterung und Befreiung bildnerischer Sprachmittel ebnete den Weg für einige der wichtigsten nicht-figurativen künstlerischen Bewegungen in Europa und in den USA.
Hans Hartung (Leipzig 1904 – 1989 Antibes)
„T–1960–7“. 1960
Acrylic and oil crayon on canvas. 40 x 105 cm ( 15 ¾ x 41 ⅜ in.). Signed and dated in pen and India ink lower left: Hartung 60. On the reverse signed and dated in black felt-tip pen: Hartung 60. Titled and inscribed on the stretcher: T1960-7 Photo 9x12 9/XI/60.
The painting is recorded as number T-1960-7 in the Fondation Hartung et Anna-Eva Bergman, Antibes. The painting will be included in the artist's catalogue raisonné, Fondation Hartung et Anna-Eva Bergman, Antibes (in preparation).–
[3334]
Provenienz: Galerie Daniel Gervis, Paris (1985) / Galerie 5 Haus Geiselhart, Reutlingen
Ausstellung: Hans Hartung. Reutlingen, Galerie 5 Haus Geiselhart, 1987 / Die Intimität des Sammelns. Reutlingen, Stiftung für konkrete Kunst, 1993 / Die konkrete Zeit – Gegenstände eines Jahrhunderts. Reutlingen, Stiftung für konkrete Kunst, 1996 / Stiftung – ganz konkret 1988-1998. Reutlingen, Stiftung für konkrete Kunst, 1998/99 / Umbruch 2013 – Module im Wandel. Reutlingen, Stiftung für konkrete Kunst, 2013
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