Lot 39
Hans Purrmann (Speyer 1880 – 1966 Basel)
„Selbstbildnis“. 1952
Öl auf Leinwand. 73 × 60 cm ( 28 ¾ × 23 ⅝ in.). Unten rechts signiert: H. Purrmann.
Billeter 1952/30.–
[3388]
Provenienz: Nachlass Barbara Göpel, München (vom Künstler erworben)
Ausstellung: Hans Purrmann (1880–1966) zum 100. Geburtstag. Langenargen, Museum, 1980, Kat.-Nr. 70 / Hans Purrmann. Im Licht der Farbe. Stilleben, Akte, Interieurs. Bremen, Gerhard-Marcks-Haus, 1995/96, Abb. S. 145 / Hans Purrmann in Langenargen. Langenargen, Museum, 2001 (ohne Kat.)
Auf den ersten Blick mag es verwundern, dass der abstrakt arbeitende Maler, Grafiker und Glaskünstler Georg Meistermann die vielleicht prägnanteste Einschätzung des gegenständlichen Malstils Purrmanns formulierte: „Er hat nicht parallel zur Natur gemalt, er hat der Natur die Farbe entgegengesetzt. Auf seinen Bildern ist alles anders als in der Natur, die vom Licht lebt, vom weißen Glanz der Sonne und aus der Dunkelheit der Schatten. Dieses hat er in Materie verwandelt, in eine Farbmaterie, die außerhalb seiner Bilder nirgendwo existiert“ (Carla Schulz-Hoffmann: Hans Purrmann: Entschleunigung und Permanenz, in: Felix Billeter und Christoph Wagner (Hg.): Neue Wege zu Hans Purrmann. Berlin 2016, S. 262).
Diese Verwandlung ist es, die Purrmanns Arbeiten nie unzeitgemäß wirken lassen. Es sind Stücke reiner Malerei. Die reichen Farbklänge, die Purrmann erzeugen konnte, sind so komplex und nuanciert, dass auch der hundertste Blick auf eines seiner Stillleben, Landschaften und Porträts zu neuen Entdeckungen führt. Die entscheidende Prägung erhielt Purrmann in Paris, wo er ab 1906 für sechs Jahre lebte. Henri Matisse wurde sein Lehrer. Die Farbkraft des Meisters übernahm der Schüler und entwickelte daraus eine eigene, ganz unverkennbare Bildsprache. Vor allem intensive Blau-Grün-Türkis-Akkorde lassen den Betrachter einen Purrmann sofort erkennen.
In seinem Selbstporträt aus dem Jahre 1952 gedenkt der Maler der lebenslangen Freundschaft zu Matisse. Die farbigen, gestreiften und geblümten Stoffe des Hintergrundes erinnern zweifellos an Matisse. Etwas abgedunkelt freilich, doch immer noch als ehrende Reminiszenz an den Freund gedacht. Purrmann malte sein Selbstporträt mit über siebzig Jahren, und schon der dem Betrachter abgewandte Blick spricht von einer gewissen Zurückhaltung und Distanz.
In den 1950er- und 1960er-Jahren entstanden mehrere Selbstbildnisse aus ähnlichem Blickwinkel. Jedes Selbstporträt ist auch ein Akt der Selbstbefragung, und doch gilt Purrmanns Aufmerksamkeit bei unserem Bild in erster Linie der Bewältigung von Motiv und Farbe. Wie schön ist der Kontrast zwischen der satten Farbigkeit und der aus zarten, suchenden Strichen gegebenen Jacke. Purrmann formuliert hier nichts Endgültiges, er arbeitet an seiner Idee von Malerei. OH
Hans Purrmann (Speyer 1880 – 1966 Basel)
„Selbstbildnis“. 1952
Oil on canvas. 73 × 60 cm ( 28 ¾ × 23 ⅝ in.). Signed lower right: H. Purrmann.
Billeter 1952/30.–
[3388]
Provenienz: Estate of Barbara Göpel, Munich (acquired from the artist)
Ausstellung: Hans Purrmann (1880–1966) zum 100. Geburtstag. Langenargen, Museum, 1980, cat. no. 70 / Hans Purrmann. Im Licht der Farbe. Stilleben, Akte, Interieurs. Bremen, Gerhard-Marcks-Haus, 1995/96, illustration p. 145 / Hans Purrmann in Langenargen. Langenargen, Museum, 2001 (without catalogue)
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