Lot 220
Hans Thoma (Bernau 1839 – 1924 Karlsruhe)
Glücklicher Sommertag in Marxzell. 1915
Öl auf Holz. 113 × 86 cm ( 44 ½ × 33 ⅞ in.). Unten links monogrammiert (ligiert) und datiert: 19 HTh 15.
[3376]
Provenienz: Privatsammlung, Österreich
Ausstellung: Kunstsalon Franke-Schenk, 100 Jahre. Jubiläumsausstellung. München, Kunstsalon Franke-Schenk, 2013. 2 Bde., hier Bd. II, S. 186-191, Kat.-Nr. 27, mit ganzseitiger Farbabbildung S. 187 und Farbabbildung (Detail) S. 191
Literatur und Abbildung: Fritz von Ostini: Hans Thoma. Eine Huldigung zu des Meisters 76. Geburtstag. In: Deutsche Kunst und Dekoration, XIX, Jg. H.1, Oktober 1915, S. 3-35, hier S. 17-18 und ganzseitige Farbabbildung S. 13 / Ein offener Brief von Hans Thoma an den Herausgeber [Alexander Koch]. In: Deutsche Kunst und Dekoration, XIX. Jg., H. 1, Oktober 1915, S. 38-40, hier S.40
In einem Beitrag für die Zeitschrift „Deutsche Kunst und Dekoration“ von 1915 schrieb Hans Thoma selbst über sein jüngstes Gemälde: „Mit dem Bilde [...] „Glücklicher Sommertag in Marxzell“ komme ich nun zum Schluß; es ist mein neuestes Bild und recht gut farbig reproduziert. – Ich möchte sagen, daß es ein ganz persönliches Bild ist, aus Liebhaberei aus meinem Sommerhäuschen und Gärtchen, in dem ein paar Kinder ihr Glück finden, entstanden. Es ist ein Bild tiefen Friedens, in dem mörderischen Kriegsjahr 1915 entstanden.“
Der Ausbruch des Krieges traf den Künstler „bis in den letzten Nerv“, wie Christa von Helmholt bereits anmerkte. Thoma lebte zu diesem Zeitpunkt als erfahrener, berühmter Maler und Philosoph „im Wartesaal der Zeit“ – und verbrachte die Sommermonate ganz physisch in seinem kleinen Waldhäuschen im ländlichen Marxcell nahe Karlsruhe zusammen mit seiner Schwester. Die Gemälde und Zeichnungen dieser letzten Lebensphase thematisieren den Frieden. Sie sind inspiriert von Momenten inniger Freude mit seinen Enkeltöchtern.
Unser Hochformat teilt sich knapp oberhalb der halben Bildhöhe in eine ländliche und eine himmlische Sphäre. Von einem erhöhten Standpunkt aus blicken wir über die hügelige Landschaft der Gegend um Karlsruhe mit ihren saftigen Wiesen und üppigen Wäldern bis hinüber zum Horizont, wo sich die roten Dächer einzelner Häuser mit dem Himmel verbinden. Der Spätsommer wird bald in den Herbst übergehen, wie die bereits bräunlich erscheinenden Laubbäume und die sorgsam geschnittene Hecke im Vordergrund verkünden. Es ist wohl die Hecke von Thoma´s Garten, der ihm diese grandiose Aussicht gewährt und das eigene Heim von der Weite der Welt sowohl abgrenzt als auch mit dieser verbindet. Indem Thoma ganz bewusst ein Stück seines eigenen Grundstückes zeigt (die Hecke und der vom linken Bildrand abgeschnittene Nadelbaum), verbindet er uns Betrachter mit einem ganz konkreten Ort - während seine wie unsere Blicke wie im Vogelflug über die vor uns liegende Landschaft dem Horizont entgegenschweben. Dabei entdecken wir Menschen, die in diesem „irdischen Garten“ leben. Doch die Größenverhältnisse irritieren: ein Kunstgriff, den schon Caspar David Friedrich und die Meister der Romantik gekonnt einzusetzen wussten. Denn es ist eine künsterlische, eine Bildwelt, durch die wir hier wandern. Auch die Bildregie der Gesamtkomposition und die starke Linearität weisen Thoma als einen Meister aus, der die revolutionären Ausdrucksformen eines frühromantischen Kunstverständisses mit großer Brillanz und viel Eigensinn in die Moderne hinüberführte. Anna Ahrens
Hans Thoma (Bernau 1839 – 1924 Karlsruhe)
Glücklicher Sommertag in Marxzell. 1915
Oil on panel. 113 × 86 cm ( 44 ½ × 33 ⅞ in.). Monogrammed (joined) and dated lower left: 19 HTh 15.
[3376]
Provenienz: Private collection, Austria
Ausstellung: Kunstsalon Franke-Schenk, 100 Jahre. Jubiläumsausstellung. Munich, Kunstsalon Franke-Schenk, 2013. 2 vols., here vol. II, p. 186-191, cat. no. 27, full-page colour illustration p. 187 and colour illustration p. 191 (detail)
Literatur und Abbildung: Fritz von Ostini: Hans Thoma. Eine Huldigung zu des Meisters 76. Geburtstag. Deutsche Kunst und Dekoration, XIX vol., issue 1, October 1915, p. 3-35, here p. 17-18 and full-page colour ill. p. 13 / Ein offener Brief von Hans Thoma an den Herausgeber [Alexander Koch]. Deutsche Kunst und Dekoration, XIX vol., issue 1, October 1915, p. 38-40, here p. 40
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