Lot 129
Heinrich Reinhold (Gera 1788 – 1825 Rom)
Landschaft oberhalb von Subiaco.
Öl auf Papier auf Karton. 15,1 × 20,8 cm ( 6 × 8 ¼ in.).
Kleine Retuschen. [3110]
Provenienz: Nachlaß des Künstlers / Friedrich Philipp Reinhold (Bruder des Künstlers) / Franz Xaver Reinhold (seitdem in Familienbesitz)
Der besondere Rang, der Heinrich Reinhold in der Entwicklung der deutschen Kunst des 19. Jahrhunderts zukommt, knüpft sich in besonderem Maße an seine auf italienischem Boden entstandenen Ölstudien. 1788 in Gera geboren, erhielt der Künstler seine akademische Ausbildung zunächst 1804 in Dresden und dann ab 1807 in Wien. Die Jahre von 1809 bis 1814 verbrachte Reinhold in Paris, um sich im Anschluss daran erneut in der Donaumetropole niederzulassen. 1819 erreichte er Rom, erschloss sich in den Folgejahren diverse Regionen Italiens und verbrachte die Sommermonate, wie viele seiner deutschen Künstlerfreunde, bevorzugt in Olevano. 1825 erlag er 36-jährig in Rom der Luftröhrenschwindsucht. Wenige Monate vor seinem Tod hatte kein Geringerer als Karl Friedrich Schinkel Reinhold besucht und, beeindruckt von dem Gesehenen, mehrere Öl- und Bleistiftstudien des Künstlers erworben.
Die vorliegende, der Forschung bislang noch unbekannt gebliebene Ölstudie stammt aus reinholdschem Familienbesitz. Ein auf der Malpappe befindliches Etikett lässt sich mit dem Neffen des Künstlers, dem Veduten- und Landschaftsmaler Franz Xaver Reinhold, verbinden. Der Großteil des künstlerischen Nachlasses von Heinrich Reinhold gelangte zunächst an seinen älteren Bruder Friedrich Philipp und über diesen an Franz Xaver.
Die ausschnitthaft konzipierte Studie zeigt den Blick in eine mediterrane Berglandschaft. Das Zentrum der Komposition wird von einem schroffen Felsabbruch besetzt. Topografisch befinden wir uns aller Wahrscheinlichkeit nach in der Nähe von Subiaco. Der cirka 70 Kilometer östlich von Rom gelegene Ort war wegen seiner landschaftlichen Reize bei Künstlern im 19. Jahrhundert ausnehmend beliebt. Obgleich die Studie – dies ist dem malerischen Ausarbeitungsgrad in der linken unteren Ecke zu entnehmen – unvollendet geblieben ist, offenbart sie dennoch Reinholds ausnehmendes kompositorisches Geschick. Über die Terrainverläufe staffelt sich die Landschaft, ausgehend von der Vordergrundzone rechts unten, über einen breit gelagerten Mittelgrund bis in den Hintergrund auf der linken Seite. Zwei architektonische Elemente, die sich der von rechts oben nach links unten verlaufenden Diagonale einschreiben lassen, setzen Akzente innerhalb des Bildgefüges. Während der den Berg bekrönende Befestigungsturm noch keine eindeutige Verortung des Motivs gestattet, ist angesichts der Klosteranlage unterhalb der Abbruchkante eine Annäherung möglich. Bei dieser handelt es sich vermutlich um das oberhalb von Subiaco gelegene, teilweise in den Berg gebaute Benediktinerkloster San Benedetto. Unterhalb davon, in der Talsohle gelegen, haben wir uns das Kloster Santa Scolstica vorzustellen, welches seit dem 10. Jahrhundert als Hauptkloster der Benediktiner in Subiaco fungierte.
Wie Reinholds Ölstudie vor Augen führt, hat sich der Künstler von der darstellerischen Tradition dieser Motive emanzipiert. Üblicherweise wurden nämlich die pittoresk gelegenen Klosteranlagen in starker Untersicht eingefangen. Hingegen entschied sich Reinhold für einen ungewöhnlichen Blickwinkel, von dem aus nur ein Teil der Klosteranlage zu sehen ist. Mit seinem untrüglichen Gespür für das dem momentanen Eindruck unterworfene Weben des Lichts hat der Maler die kontrastiven, aus der tief stehenden Sonne resultierenden Licht-Schatten-Wirkungen ins Bild gesetzt. Während die vordergrundnahen Baumkronen noch von den Sonnenstrahlen getroffen werden, liegt das Baum- und Buschwerk unterhalb der Felswände bereits komplett im Schatten. Besonders abrupt mutet der Sprung vom Dunkeln ins Helle unmittelbar oberhalb der Klosteranlage an, wo auf der Bildfläche der verschattete Abbruch unvermittelt in die besonnten Hügelflanken des Hintergrunds umschlägt.
Reinholds sensibler Vortrag offenbart ein weiteres Mal sein besonderes Talent, das vermeintlich unprätentiöse Naturmotiv durch eine subtile stimmungsmäßige Einkleidung zum Klingen zu bringen. Schinkel scheint dies gespürt zu haben, als er sich 1824 für den Ankauf mehrerer seiner Werke entschied.
Markus Bertsch
Für die Ölstudie liegt eine Leihanfrage vor für die Heinrich-Reinhold-Retrospektive, die 2018 in der Klassik Stiftung Weimar und in der Hamburger Kunsthalle stattfinden wird.
Wir danken Prof. Dr. Werner Busch, Berlin, für freundliche Hinweise. –
Heinrich Reinhold (Gera 1788 – 1825 Rome)
Landschaft oberhalb von Subiaco.
Oil on paper on cardboard. 15,1 × 20,8 cm ( 6 × 8 ¼ in.).
Minor retouchings. [3110]
Provenienz: Estate of the artist / Friedrich Philipp Reinhold (brother of the artist) / Franz Xaver Reinhold (thence by descent to the present owner)
We would like to thank Prof. Dr. Werner Busch, Berlin, for kindly providing additional information. –
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Dessins, aquarelles et pastels
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