Lot 566
Henri Matisse (Cateau-Cambresis 1869 – 1954 Nizza) Intérieur. 1941 Tuschfeder auf Papier. 38,1 × 53,3 cm ( 15 × 21 in.). Unten links signiert und datiert: H. Matisse août 41. [3552] Provenienz: Privatsammlung, USA 1941 lebte Henri Matisse in Cimiez an der Côte d´Azur. Heute ein Stadtteil von Nizza, stand der Ort damals unter Verwaltung des Vichy-Regimes. Zudem litt der Künstler an den Folgen einer Erkrankung und erholte sich von einer Operation. Diesen Widrigkeiten zum Trotz entfaltete er eine ungeheure Produktivität: Er begann, an seinen ersten Scherenschnitten zu arbeiten, auch zeichnete er unentwegt. Das Blatt „Interieur“ entstand im August jenes Jahres. Es bezeugt Matisses lebenspositive Haltung, vermittelt ungeachtet des Krieges so etwas wie mediterrane Unbeschwertheit und wirkt insgesamt wie ein Bekenntnis zur Freiheit der Kunst. Ein Zimmer mit schwarz-weiß gefliestem Boden ist offenbar Wohnraum und Atelier in einem. Aus dem Fenster schweift der Blick in den Garten. Auf einem Arbeitstisch stehen und liegen, zum Stillleben arrangiert, eine pokalförmige Vase, eine Art Kessel, eine große, exotisch wirkende Muschel, eine Schale voll Obst sowie zwei Krüge mit Blumen darin. An der Wand dahinter hängen mehrere Bilder. Auch auf dem Sessel rechts vorn erkennt man ein Bild, eine Zeichnung: allesamt Stillleben und Variationen der Gegenstände, die der Künstler für den Betrachter auf dem Arbeitstisch ausgebreitet hat. Wie beiläufig spielt Matisse hier mit den verschiedenen Realitätsebenen von Bild und Abbild. Er verknüpft auch zwei klassische Sujets, das der Nature morte mit dem des Interieurs. Dabei erlaubt er sich kein Zögern, nichts Suchendes ist in seinem Strich. Im Gegenteil, in der für ihn typischen sicheren Linienführung umreißt er den Raum. Gleichzeitig, und das birgt bei Matisse stets größten Reiz, vermittelt er mit jedem seiner unvergleichlich lockeren Federzüge den Eindruck künstlerischer Leichtigkeit und Spontaneität. Das Musée National d’ Art Moderne im Centre Pompidou in Paris verwahrt ein Gemälde mit dem Titel „Nature morte au magnolia“, das in direktem Zusammenhang mit unserer Zeichnung steht. Ein Vergleich bietet sich schon deshalb an, da in Matisses Werk die Gattungen Malerei und Zeichnung gleichberechtigt nebeneinander bestehen, um sich in glücklichen Momenten wechselseitig zu beeinflussen. Die Arbeit am „Stillleben mit Magnolie“ begann Matisse am 25. August, zwei Monate später hatte er das Bild vollendet. Die Gegenstände auf dem Stillleben ähneln jenen der Zeichnung in verblüffender Weise: Muschel, Kessel, Kanne und Vase sind praktisch identisch. Allerdings hat der Maler bei dem Gemälde auf die räumliche Einordnung verzichtet. Die Objekte scheinen in einer konturlosen Fläche von sattem Karminrot zu schweben: eine Erinnerung an die Hitze des Sommers, die freilich den unbeschwerten Schwung der Zeichnung „Inte-rieur“ doch ein wenig vermissen lässt. KH Henri Matisse (Cateau-Cambresis 1869 – 1954 Nice) Intérieur. 1941 Pen and India ink on paper. 38,1 × 53,3 cm ( 15 × 21 in.). Signed and dated lower left: H. Matisse août 41. Firmly mounted on cardboard. [3552] Provenienz: Private collection, USA
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Dessins, aquarelles et pastels
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Modern Art
10719 Berlin - Allemagne
01/06/2018
Proposé par Grisebach
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