Lot 28
Hermann Glöckner (Cotta bei Dresden 1889 – 1987 Berlin) „PROJEKTION EINES KEILS AUF BRONZE, NACH RECHTS“. 1933/34 Mischtechnik und Ritzung auf Karton. 35 x 25 cm ( 13 ¾ x 9 ⅞ in.). Oben rechts datiert (eingeritzt): 11.6.33. Rückseitig mit dem geprägten Monogramm und datiert: G XXXIV. Auf der Rückpappe ein Aufkleber mit ausführlicher handschriftlicher Bildlegende von Gerhard Altenbourg (in blauer Tinte). Dittrich 55.– [3315] Provenienz: Gerhard Altenbourg (1969 vom Künstler) / Privatsammlung, Süddeutschland Ausstellung: Hermann Glöckner zum 80. Geburtstag. Zeichnungen, Gemälde und Tafeln aus den Jahren 1911-1945. Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstich-Kabinett, 1969, Kat.-Nr. 137 Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts bereiteten russische Künstler der Abstraktion den Weg: Malewitsch und sein „Schwarzes Quadrat“ oder Kandinsky, der Punkt und Linie definierte. Um 1930 erfand Hermann Glöckner, einer der großen Einzelgänger der deutschen Kunstgeschichte, der nach einer Lehre als Musterzeichner und dem Akademiebesuch in seiner Heimatstadt Dresden als freier Künstler tätig war, die „Faltungen“. Durch Teilen und Knicken von Flächen ergeben sich in ihnen geometrische Formen. Glöckner begann damals auch, seine kontinuierlichen Forschungen zu Fläche und Raum zu dokumentieren. Als er die unbewußt formulierten Maßverhältnisse in seinem Bild „Der kleine Dampfer“ (Dittrich G 60) entdeckte, „war [das] für mich die Veranlassung, die konstruktiven, geometrischen Grundlagen meiner Malerei zu untersuchen, ihre elementaren und komplexen Zusammenhänge zu finden. Ich habe mich damals entschlossen, noch einmal von vorn anzufangen, alles, was bisher geschehen war, beiseite zu werfen und mich ganz und gar auf diese Frage zu konzentrieren.“ So schildert Glöckner den Beginn dessen, „was später von Kunstwissenschaftlern als ,Tafelwerk‘ bezeichnet worden ist“ (Hermann Glöckner. Ein Patriarch der Moderne. Hrsg. John Erpenbeck, Berlin, 1983, S. 57). Unser Bild gehört in diesen Zusammenhang. Ein kupfernes Dreieck erhebt sich über einem zweiten in Schwarz. Oder ist dies der Schatten des Kupfers? Den gesamten Bildgrund in Ockergelb durchziehen fein eingeritzte Linien: ein weites Feld für die Konstruktion, eine Landschaft, in der ein kupferner Weg sich zum Horizont erstreckt. So ist das Kunstwerk mehrfach zu lesen, und auch Glöckner hat sich mehr für Variablen als für Konstanten interessiert. Die Rückseite unserer Tafel zeigt auf rotem Papier einzig Glöckners Signet, das „G“. Es belegt das typographische Feingefühl, das diesen Maler, Zeichner, Plastiker, Photographen, Gestalter und Sammler auszeichnet. Veränderungen alltäglicher Dinge, ein frischer Blick auf Vertrautes, ein neuer Zusammenhang wohlbekannter Objekte – alles geriet ihm zur Kunst. (EO) Hermann Glöckner (Cotta near Dresden 1889 – 1987 Berlin) „PROJEKTION EINES KEILS AUF BRONZE, NACH RECHTS“. 1933/34 Mixed media and incision on cardboard. 35 x 25 cm ( 13 ¾ x 9 ⅞ in.). Dated upper right (incised): 11.6.33. On the reverse with the embossed monogram and dated: G XXXIV. On the cardboard backing a label with detailed handwritten caption by Gerhard Altenbourg (in blue ink). Dittrich 55.– [3315] Provenienz: Gerhard Altenbourg (acquired 1969 from the artist) / private collection, southern Germany Ausstellung: Hermann Glöckner zum 80. Geburtstag. Zeichnungen, Gemälde und Tafeln aus den Jahren 1911-1945. Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstich-Kabinett, 1969, cat. no. 137
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Catalogue
04/06/2015
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0