Lot 27
Hermann Max Pechstein (Zwickau 1881 – 1955 Berlin) „Aufgeholtes Netz“. 1922 Öl auf Leinwand. Doubliert. 80 × 100 cm ( 31 ½ × 39 ⅜ in.). Unten rechts signiert: HMPechstein. Auf dem Keilrahmen ein mit Feder in Braun beschrifteter Aufkleber: No 28 / Aufgeholtes Netz / Eigent.: Lutz u. Co. Soika 1922/58 („Standort unbekannt“).– [3667] Provenienz: Galerie Lutz & Co., Berlin (um 1922/23) / Dr. Karl Lilienfeld, Leipzig/Berlin/New York (erworben nach 1923, bis Ende der 1950er-Jahre; als Leihgabe von 1935–1937 im Germanic Museum, Harvard University, Cambridge/MA, und vom 24.5.1937 bis Mitte 1938 im San Francisco Museum of Art) / Dalzell Hatfield Galleries, Los Angeles (Ende der 1950er-Jahre bei Lilienfeld erworben) / Privatsammlung, Beverly Hills (1969 bei Hatfield erworben, seitdem in Familienbesitz) Ausstellung: Max Pechstein. Zürich, Kunsthaus, 1923, Kat.-Nr. 72 (datiert „1921“) / H. M. Pechstein. Bern, Kunsthalle, 1923, Kat.-Nr. 63 / Exhibition of Paintings by Max Pechstein. New York, The College Art Association, Lilienfeld Galleries, 1932, Kat.-Nr. 20 („Mending Nets“) / Max Pechstein. Los Angeles, Dalzell Hatfield Galleries, und New York, Van Diemen-Lilienfeld Galleries, 1959, m. Abb. („Emptying the Nets“) Die Romantik des Lebens als Fischer ist sprichwörtlich, doch dieses Bild hat damit nicht viel zu tun. Unser Gemälde „Aufgeholtes Netz“, das Max Pechstein 1922 während eines Aufenthalts in Leba in Hinterpommern an der Ostsee malte, zeigt zwei Männer bei ihrer harten Arbeit. Die weißen Schaumkronen der Wellen deuten auf beträchtlichen Seegang hin, die wenigen Fische auf geringen Ertrag. Und natürlich muss einer den Oberkörper beugen, wenn er ein Netz aus dem Wasser zieht. Aber man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Pechstein die gebückte Haltung der beiden auch symbolhaft verstanden wissen wollte. Es liegt jedenfalls ein tiefer Ernst über dieser Szenerie, eine Mischung aus Mitgefühl und respektvoller Anerkennung für die Anstrengungen, welche die beiden Männer auf sich nehmen, um ihren kargen Fang des Tages nach Hause zu bringen. 1921, ein Jahr bevor unser Gemälde entstand, war Max Pechstein zum ersten Mal den Sommer über nach Leba gereist. Der Ort und das Leben dort faszinierten ihn so stark, dass er fortan immer wiederkam. Dabei wurden Fischer und ihre kleinen Kutter zu einem seiner Lieblingsmotive. Er hatte sie auch schon zuvor gemalt, etwa bei Aufenthalten in Nidden („Mittag am Haff“ (Soika 1919/52) und „Sonntag“ (Soika 1919/51)), wo man die kleinen Segelboote noch majestätisch und etwas düster überhöht im seichten Wasser liegen sieht. Im Laufe der Zwanzigerjahre scheint sich demgegenüber an Pechsteins Haltung etwas geändert zu haben. Details wie die übergroßen Hände der zwei Fischer auf unserem Bild darf man als Hinweis verstehen, dass nun buchstäblich die Darstellung „ihrer Hände Arbeit“ für den Künstler immer zentralere Bedeutung erlangte. Überaus beeindruckend zu beobachten ist dies auf Gemälden wie „Italienische Stein-träger“ von 1925 (Soika 1925/14), heute im Brücke-Museum in Berlin. Dort verwahrt man auch das vermutlich erste Bild, das Pechsteins intensive und fortdauernde Beschäftigung mit dem Sujet einläutete. Auf dem „Fischerboot“ von 1913 (Soika 1913/27) malt der Künstler ein paar arme Teufel, die während eines Sturms in den Wellen um ihr Leben rudern. In seiner Autobiografie „Erinnerungen“ bezeichnete der Künstler das Werk als eines seiner wichtigsten Bilder (vgl. Magdalena M. Möller: Max Pechstein – sein malerisches Werk (Ausst.-Kat.), München 1996, S. 16). Mit diesem Gemälde hatte Pechstein den Ton gesetzt, den man auch auf unserem Bild „Aufgeholtes Netz“ wiedererkennen kann: Die Sympathie mit den ärmsten der Armen und ihrer ehrlichen Arbeit voller Gefahren und Entbehrungen, sie schmückt jeden Menschen, auch den Künstler Max Pechstein. UC Hermann Max Pechstein (Zwickau 1881 – 1955 Berlin) 1969. 1922 Oil on canvas. Relined. 80 × 100 cm ( 31 ½ × 39 ⅜ in.). Signed lower right: HMPechstein. On the stretcher a label inscribed in pen in brown: No 28 / Aufgeholtes Netz / Eigent.: Lutz u. Co. Soika 1922/58 ("location unknown“).– [3667] Provenienz: Galerie Lutz & Co., Berlin (circa 1922/23) / Dr. Karl Lilienfeld, Leipzig/Berlin/New York (acquired after 1923, until the late 1950s; 1935–1937 as loan in the Germanic Museum, Harvard University, Cambridge/MA, and from 24th May 1937 until mid 1938 in the San Francisco Museum of Art) / Dalzell Hatfield Galleries, Los Angeles (in the late 1950s acquired at Lilienfeld) / Private Collection, Beverly Hills (acquired at Hatfield, thence by descent to the present owner) Ausstellung: Max Pechstein. Zurich, Kunsthaus, 1923, cat. no. 72 (dated "1921“) / H. M. Pechstein. Bern, Kunsthalle, 1923, cat. no. 63 / Exhibition of Paintings by Max Pechstein. New York, The College Art Association, Lilienfeld Galleries, 1932, cat. no. 20 ("Mending Nets“) / Max Pechstein. Los Angeles, Dalzell Hatfield Galleries, and New York, Van Diemen-Lilienfeld Galleries, 1959, ill. („Emptying the Nets“)
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