Lot 23
Hermann Max Pechstein (Zwickau 1881 – 1955 Berlin) „Selbstbildnis“. 1923 Öl auf Pappe. 42 × 34 cm ( 16 ½ × 13 ⅜ in.). Unten links signiert und datiert: HMPechstein 1923. Auf der Rahmenrückpappe bezeichnet, signiert und datiert: Selbstbildniß [!] HMPechstein Montreux 1923. Soika 1923/41.– [3569] Provenienz: Privatsammlung, Lübeck / Privatsammlung, Rheinland / Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen Ausstellung: Max Pechstein, 1881–1955. Zeichnungen und Aquarelle. Stationen seines Lebens. Berlin, Brücke Museum, 1981 (außer Katalog) Literatur und Abbildung: Auktion 488: Kunst des XX. Jahrhunderts. Gemälde, Plastik, Aquarelle, Handzeichnungen, Graphik. Köln, Kunsthaus Lempertz, 14./15.6.1966, Kat.-Nr. 530, Abb. Tf. 11 Das Jahr 1923 hatte für Max Pechstein nicht gut angefangen. Nicht nur, dass er am 19. Januar spätabends auf offener Straße von drei Fremden überfallen wurde. Auch seine Tätigkeit als Juror der Freien Secession brachte ihm nur „ein gehöriges Bündel Ärger“ ein. Und auch der Streit mit dem Kunsthändler Wolfgang Gurlitt um die Rückgabe von Gemälden, Zeichnungen und anderen Kunstgegenständen Pechsteins, die jener unrechtmäßig in seiner Galerie zurückbehalten hatte, sollte sich noch bis Anfang Mai hinziehen - um schließlich in einem Vergleich zugunsten Pechsteins zu enden. Rückblickend schrieb Pechstein: „Dieser Winter war gräßlich. Nicht weniger als dreimal hatte ich die Grippe, darunter 1 x die Kopfgrippe, und doch habe ich fieberhaft gearbeitet, weil es der einzige Trost, und die einzige Möglichkeit des Vergessens war.“ (Pechstein am 17. Mai 1924 an Irma Stein, zit. nach: Aya Soika: Max Pechstein. Werkverzeichnis der Ölgemälde. München, Hirmer Verlag, 2011, S. 14f.). Aber das Jahr 1923 hielt auch zwei große Lichtblicke für den Expressionisten bereit. Seine Einzelausstellung mit 72 Gemälden wurde am 17. Juni in der Kunsthalle Bern eröffnet. Und am 21. September nahm der 42-jährige Max Pechstein in Leba in Pommern Marta Möller zu seiner zweiten Ehefrau. Vor diesem Hintergrund wird der selbstbewusste Schulterblick verständlich, mit dem er den Betrachter geradezu fixiert. Im März und noch einmal im Mai weilte der Künstler in Montreux. Auf einer der beiden Reisen entstand, so die Bezeichnung auf der Rückseite, dieses „Selbstbildniß“. Wie in seinen wenigen anderen Selbstbildnissen meidet der Maler auch hier dort den starken Anschnitt, das typische Merkmal des expressionistischen Selbstportraits. Natürlich fehlt auch nicht sein liebstes Attribut, die Pfeife. Weltgewandt, die Haare modisch mit Pomade in Form gebracht, so zeigt Pechstein seine markanten Gesichtszüge. Dabei legt er Wert auf bürgerliches Auftreten – und vermeidet es offenkundig, Einblick in sein Seelenleben zu geben. Seine Erfahrungen als Soldat eines Infanterieregiments im Ersten Weltkrieg, seine gescheiterte erste Ehe, seine erdrückenden Probleme mit Geld und der Steuer: Nichts von alldem lässt er in diesem Gemälde erahnen. Pechstein bewahrt in seinem „Selbstbildniß“ kühle Distanz. Er ist hier ganz der abgeklärte Künstler, der Berliner, den nichts und niemand beeindrucken kann. MHS Hermann Max Pechstein (Zwickau 1881 – 1955 Berlin) „Selbstbildnis“. 1923 Oil on cardboard. 42 × 34 cm ( 16 ½ × 13 ⅜ in.). Signed and dated lower left: HMPechstein 1923. Inscribed, signed and dated on the frame&apos s backing cardboard: Selbstbildniß [!] HMPechstein Montreux 1923. Soika 1923/41.– [3569] Provenienz: Private collection, Lübeck / Private collection, Rheinland / Private collection, North Rhine-Westphalia Ausstellung: Max Pechstein, 1881–1955. Zeichnungen und Aquarelle. Stationen seines Lebens. Berlin, Brücke Museum, 1981 (hors catalogue) Literatur und Abbildung: Auction 488: Kunst des XX. Jahrhunderts. Malerei, Plastik, Aquarelle, Handzeichnungen, Graphik. Cologne, Kunsthaus Lempertz, 14/15 June 1966, cat. no. 530, ill. pl. 11
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Dessins, aquarelles et pastels
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Catalogue
Œuvres Choisies
10719 Berlin - Allemagne
02/06/2016
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0