Lot 63
Horst Antes (1936 Heppenheim – lebt in Castellina/Chianti) „Gelbe Figur“. 1962 Öl auf Leinwand. 89,8 × 69,8 cm ( 35 ⅜ × 27 ½ in.). Oben links mit Kreide in Schwarz signiert: Antes. Rückseitig mit Kreide in Rot betitelt, bezeichnet, datiert und signiert: Gelbe Figur Florenz 1962 Antes. [3562] Provenienz: Galerie Der Spiegel, Köln (1962) / Privatsammlung, USA Ausstellung: Ars viva ’63. Ausstellung des Kulturkreises im Bundesverband der Deutschen Industrie. Braunschweig, Städtisches Museum; Leverkusen, Erholungshaus der Farbenfabriken Bayer A.G.; Frankfurt a.M., Farbwerke Hoechst; Nürnberg, Gewerbemuseum der Bayerischen Landesgewerbeanstalt, 1963/64, Kat.-Nr. 36 Die ersten Jahre nach Abschluß seiner Akademiezeit hielten für Horst Antes prägende Ereignisse bereit. Antes entdeckte seine Leidenschaft für völkerkundliche Artefakte, zunächst für die westafrikanischen Volksgruppen der Dogan und der Tellem. Er heiratete Dorothée Großmann im Jahr 1959 und wurde 1963 erstmals Vater. Seine Präsenz im internationalen Ausstellungsmarkt war weit überdurchschnittlich, zudem erhielt er eine Vielzahl von Auszeichnungen. 1962, als Stipendiat der Villa Romana in Florenz angekommen, begeisterte sich Antes – wie bereits Generationen von Deutsch-Römern zuvor – für das Licht und die Farben Italiens. Sie vertrieben die dunklen Töne seiner Studienjahre und machten Platz für die neuen bildbestimmenden Gelb- und Orangetöne, die nun in seine Palette einfließen konnten. Zudem entdeckte er die Kontur, die Farbflächen unterteilende und gliedernde Trennlinie für sich. Nun arbeitete er gezielter, aber immer noch mit heftigem Pinselduktus. Ab 1960 wird in Antes’ Werk die Einzelfigur bildbestimmendes Thema. Den menschlichen Körper dehnt er gleich einer abgezogenen Haut bis an die Grenzen der Deformierbarkeit über die gesamte Leinwandfläche aus. So entstehen anatomische Verzerrungen, die die Lesbarkeit der abgebildeten Figuren für den Betrachter nahezu unmöglich machen. Weit aufgerissene, wimpern- und lidlose Augen befinden sich, paarweise übereinander gesetzt, an den oberen Bildrand gedrängt, eingepaßt in einen überdimensionierten Kopf, der im Profil dargestellt ist. Die Figur selbst ist frontal gegeben. Auf den Knien im Bildvordergrund liegen schwere, große Brüste, und Arme recken sich von den Knien aufwärts in die Höhe der Augen. Mit architektonischer Klarheit gliedert Antes den Bildraum und paßt seine Figur entgegen deren natürlicher Anatomie in diesen ein. Die „Gelbe Figur“ entstand 1962, am Ende einer Schaffensphase, die Antes nun direkt zu seinem „Kopf- füßler“, seiner semi-anthropomorphen Kunstfigur, die die menschliche Figur auf Kopf und Beine reduziert, führte. Der Kopf ist bereits prototypisch ins Profil gewendet, die frontale Sitzfigur noch dem alten Stil verhaftet, die Farbgebung bereits auf die klare Farbenpalette ausgerichtet und die Abkehr von der aggressiven Zurschaustellung primärer Geschlechtsteile vollzogen. Souverän handhabt Antes in seinem heftigen Malduktus die hellen Farbtöne und setzt gekonnt das Spiel von Binnenfarbe zu Kontur sowie Fläche zu Linie balancierend um. „Die Figuren sind immer auch heitere Kunstfiguren. Man sollte in ihnen nicht stur dämonische Wesen […] sehen. Ein Bild ist schon dadurch, daß es Ordnung hergestellt hat, stets auch heiter.“ (Horst Antes 1963 im Interview mit Otmar Engel, zit. nach: Figur Wolkenfänger: Horst Antes und der malerische Aufbruch in den 1960er Jahren, Hannover 2002, S. 43) MHS Horst Antes (1936 Heppenheim – lives in Castellina, Chianti) „Gelbe Figur“. 1962 Oil on canvas. 89,8 × 69,8 cm ( 35 ⅜ × 27 ½ in.). Signed in black chalk upper left: Antes. On the reverse in red chalk titled, inscribed, dated and signed: Gelbe Figur Florenz 1962 Antes. [3562] Provenienz: Galerie der Spiegel, Cologne (1962) / private collection, USA Ausstellung: Ars viva ’63. Ausstellung des Kulturkreises im Bundesverband der Deutschen Industrie. Braunschweig, Städtisches Museum; Leverkusen, Erholungshaus der Farbenfabriken Bayer A.G.; Frankfurt a.M., Farbwerke Hoechst; Nuremberg, Gewerbemuseum der Bayerischen Landesgewerbeanstalt, 1963/64, cat. no. 36
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Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
Catalogue
Œuvres Choisies
10719 Berlin - Allemagne
26/11/2015
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0