Lot 94
Immendorff, Jörg 1945 Bleckede/ Elbe - 2007 Düsseldorf Parlament. 1978. Öl auf Leinwand. 120 x 400cm. Signiert und datiert unten rechts: Immendorff 78. Rahmen. Provenienz: Galerie Wolfgang Gmyrek, Düsseldorf (Aufkleber) Die Arbeit wird in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis aufgenommen. Wir danken Herrn Prof. Dr. Gohr für die freundliche Unterstützung Stets versteht Jörg Immendorff Kunst als wirkungsvolles Instrument in der Auseinandersetzung mit politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Themen. Geprägt von seinem politischen Engagement entwickelt er einen persönlichen Realismus, mittels dem er die unmittelbare Wirkung dieses Spannungsfeldes aufzeigen will. So inszeniert er in seinen Gemälden Geschichte als episches Theater. Immendorf selbst sagt dazu: Was für den Regisseur die Bühne ist, ist für mich die Leinwand. In seinem Bilderzyklus Café Deutschland, den er 1978 beginnt, kommentiert der Künstler das damalige politische Geschehen in Deutschland. Immendorff nimmt dabei immer wieder Bezug auf die Teilung Deutschlands und verfolgt den Gedanken der Wiedervereinigung beider Staaten, der alten BRD und der Deutschen Demokratischen Republik, zu einer Zeit, als ernsthaft niemand in der Politik daran dachte. Die künstlerische Auseinandersetzung mit diesem Thema resultiert aus der Begegnung mit dem in Dresden lebenden Künstler A.R. Penck. Die intensive Zusammenarbeit manifestieren der Ost-Künstler Penck und der West-Künstler Immendorff 1976 in einem deutsch-deutschen Aktionsbündnis mit gemeinsamen Arbeiten und Aktionen über die Ländergrenzen hinaus. Das Gemälde Bundestag gibt in einer bizarren Szene kraftvoll das politische Klima des damaligen geteilten Deutschland wieder und wirft durch ein metaphorisch-symbolisches Vokabular Fragen bezüglich der politischen Situation auf. Dargestellt ist die Stirnseite des Plenarsaals im Bundestag. In der Bildmitte steht das Rednerpult. In den Stuhlreihen links und rechts davon fauchen sich schwarz-rot-goldene Füchse an. Über dem Rednerpult sind drei Gestalten dargestellt, die distanziert, im Schatten sitzend, das Geschehen unter Ihnen auf unterschiedliche Weise beobachten: sei es durch eine große Lupe blickend, mit der rechten Hand am rechten Ohr lauschend oder mit einem Funkgerät in der Hand, als Instrument um Informationen nach außen weitergeben zu können. Zusammen stehen sie als Sinnbild für das Ministerium für Staatssicherheit in der DDR, das im Volksmund auch VEB Horch und Guck genannt wird. Sie nehmen Bezug auf die Guillaume-Affäre - dem politisch bedeutsamsten Spionagefall der deutsch-deutschen Geschichte. Eingefasst wird die Szene von einem am Boden liegenden Adler. Einst traditionsreiches deutsches Staatssymbol, scheint der Adler nun abgestürzt zu sein. Der umlaufende Stacheldraht wie auch die giftigen Fliegenpilze im Hintergrund verweisen in direkter Anspielung auf die deutsche Teilung. Sehr anschaulich stellt diese Arbeit unter Beweis, dass die frühen politischen Bilder Immendorffs auch nach über 30 Jahren Arbeit nichts von Ihrer Intensität eingebüßt haben. Immendorff, Jörg 1945 Bleckede/ Elbe - 2007 Düsseldorf Parlament. 1978. Oil on canvas. 120 x 400cm. Signed and dated lower right: Immendorff 78. Framed. Provenance: Galerie Wolfgang Gmyrek, Düsseldorf (label) The work will be included in the forthcoming catalogue raisonné. We would like to thank Dr. Gohr for his kind support.
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Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
Catalogue
Art Moderne
50968 Köln - Allemagne
07/06/2013
Proposé par Van Ham
49 221 9258620