Lot 260
Japanisch, Edo-Zeit (1603 – 1868) Truhe mit flachem Deckel. 1630/50 Holz, Schwarzlack, Streudekor in Gold, Einlagen aus Perlmutt und Rochenhaut; Silberbeschläge (wohl aus Nagasaki). 27 × 49,5 × 34 cm ( 10 ⅝ × 19 ½ × 13 ⅜ in.). Zwei Schlüssel vorhanden. [3343] Provenienz: Privatsammlung, Rheinland Ausstellung: Antje Papist-Matsuo: Brückenschlag von Ost nach West. Japanischer Exportlack aus vier Jahrhunderten. Ausst.-Kat., Münster, 2016, Kat.-Nr. 6, S. 42f Literatur und Abbildung: Auktion: Paris, Sotheby's, 20. April 2012, Kat.-Nr. 65 Die zierliche rechteckige Truhe mit flachem Klappdeckel und Schublade ist mit einem kostbaren Dekor aus japanischem Lack, Streugold, Perlmutt und Rochenhaut verziert. Sie ist ein hervorragender Beleg für den Handel europäischer Seemächte im kosmopolitischen Zeitalter der Vormoderne, als eine unermessliche Leidenschaft der europäischen Eliten für exotischen Luxus bis nach Japan reichte. Seit Mitte des 16. Jahrhunderts wurden im Auftrag der Portugiesen kostbare Gegenstände in japanischer Lacktechnik hergestellt. Diese – nach dem japanischen Begriff für Barbaren – als „Namban-Lacke“ bezeichneten Möbel und Utensilien wurden anfänglich von in Japan tätigen Jesuiten geordert und später durch die Niederländische Ostindien-Kompanie weltweit gehandelt. Ganz im Stil der japanischen Exportlacke der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts gefertigt, zeigt die außergewöhnlich gut erhaltene Truhe eine hybride Mischung aus europäischer Form und japanischem Dekor. In portugiesischen Inventaren des 16. und 17. Jahrhunderts werden solche Truhen als „ventó“ gelistet, abgeleitet vom japanischen Begriff für Kasten (bento). Sie bewahrten Schreibutensilien und Dokumente auf. Die Truhe gehört zum sogenannten Übergangsstil, der den geometrisch-mosaikhaften Stil der frühen Namban-Lacke nach 1600 ablöste. Der Übergangsstil, der die zeitgenössische Nachfrage aus Europa widerspiegelte, setzte starke malerische Akzente. Hier sind es die malerischen Füllungen der vierfach geschwungenen Kartuschen in flachem Streugold mit sparsamen Akzenten in Perlmutt auf Schwarzlackgrund. Die Darstellungen von Blumen und einer kiefern- und bambusbewachsenen Landschaft mit Häusern und Booten versinnbildlichen dabei anschaulich die Sehnsucht des europäischen Westens nach einem idealtypisch imaginierten Fernen Osten. Ein besonderer Dekor der Truhe ist die großflächige Füllung der Paneele mit Rochenhaut. Rochenhaut war seit Beginn des 17. Jahrhunderts eine wichtige Handelsware für die Holländer, die sie in großen Mengen aus dem Golf von Siam nach Japan einführten, wo sie als Belag für Schwertgriffe Verwendung fand. Truhen, die Rochenhaut und Bildkartuschen vereinen, sind in niederländischen Dokumenten erstmals für das Jahr 1634 verzeichnet. Antje Papist-Matsuo, Freie Universität Berlin, Kunsthistorisches Institut, Abteilung Ostasien Japanese, Edo Period (1603 – 1868) Chest with a flat lid. 1630/50 Wood, black enamel, gold decoration, mother-of-pearl and ray skin inlays; silver fittings (presumably from Nagasaki). 27 × 49,5 × 34 cm ( 10 ⅝ × 19 ½ × 13 ⅜ in.). With two keys. [3343] Provenienz: Private collection, Rhineland Ausstellung: Antje Papist-Matsuo: Brückenschlag von Ost nach West. Japanischer Exportlack aus vier Jahrhunderten. exh. cat., Münster, 2016, cat. no. 6, p. 42f Literatur und Abbildung: Auction: Paris, Sotheby's, 20 April 2012, cat. no. 65
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Orangerie - Objets Sélectionnés
10719 Berlin - Allemagne
01/06/2017
Proposé par Grisebach
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