Lot 441
Jaques Dubois bzw. René Dubois (1694 Pontoise – 1763 Paris / 1737 – Paris – 1799)
Zweischübige Kommode „à la grecque“. Um 1760
Palisander, Amaranth, Zitronenholz, gefärbte Edelhölzer auf Eichenholz; feuervergoldete Bronzebeschläge; Marmorplatte. 85 × 100 × 51 cm ( 33 ½ × 39 ⅜ × 20 ⅛ in.). Auf dem Korpus hinten links Schlagstempel: J. Dubois JME.
[3202]
Provenienz: 2004 Kunsthandel Albrecht Neuhaus, Würzburg
Lange arbeitete Jacques Dubois in Paris als freier Möbeltischler, erst spät im Alter von 48 Jahren ließ er sich als Meister eintragen und dennoch hat er durch seine erfolgreich geführte Werkstatt in ganz Europa, bis an den russischen Zarenhof große Berühmtheit erlangt. 1752 wurde er zum sog. Juré der Pariser Ebenistenzunft gewählt, was sein hohes Ansehen unterstreicht. Unsere elegante Kommode markiert ein hervorragendes Beispiel für ein Möbel im Transition-Stil innerhalb seines Spätwerks.
Marketerie-Techniken erreichten Mitte des 18. Jahrhunderts ein Höchstmaß an Perfektion. Unter Louis XV. war Dubois dabei einer der gefragtesten Spezialisten für hochwertige, mit Chinesen und Pagoden dekorierte Lack-Vertäfelungen, auf denen er Effekte fernöstlicher Arbeiten imitierte. Anschließend übertrug er seine bis dahin verfeinerten Fähigkeiten auf das neue, immer klassizistischer werdende Repertoire seiner Dekore. Mit 18 Jahren stieg sein ebenfalls hochbegabter Sohn René Dubois (1737–1799) in den Betrieb in der Rue de Charenton ein, später führte dieser auch den väterlichen Schlagstempel meisterschaftlich weiter. Spätestens 1779 wurde René auch offiziell einer der Besten der Hauptstadt, als er zum „ébeniste de la Reine“ am Versailler Hofe ernannt wurde.
Allmählich wurden die bisher phantasievoll verschnörkelten Formen durch die von geradlinigen Bordüren eingerahmten Ornamente ersetzt. Bereits gegen Ende der 1750er Jahre zeichneten sich erste stilistische Tendenzen der zwar kurzen aber bahnbrechenden Periode des „Style Transition“ ab, der gegen 1775 durch den sog. Louis XVI-Stil abgelöst wurde. Sie entstanden aus Überdruß an den extravaganten Kurven der Rocaillen, einem Streben zurück zur Geometrie und einer Begeisterung für die römisch-griechische Antike, die durch die Ausgrabungen von Herculaneum 1738 und der kürzlichen Entdeckung Pompejis 1748 entfacht wurden.
Die gerade Linie der antiken Architektur löste die weichen Kurven des Barocks ab. Die wiederentdeckte klassische Ästhetik war die ideale Antwort auf das Verlangen nach strengeren Grundformen. Die verschiedenen Elemente verbreiteten sich überall, unter anderem durch Publikationen über die Kunst der Antike, namhaft sind dabei die eindrucksvollen Stiche des Architekten Piranesi oder die wissenschaftlichen Sammelwerke über historische Ausgrabungen des Comte de Caylus.
Gemeinsam mit seinem Sohn René nahm Jacques Dubois diese Formen in sein Repertoire auf und wurde damit dem „noveau goût“, dem neuen klassizistischen Geschmack seiner Klientel gerecht. Die fein verarbeitete „commode à la grecque“ mit zwei Schubladen ohne Traverse und abgeschrägten Ecken ist ein Möbelstück par excellence dieses Stils. Die Marketerie zeichnet sich durch das zentrale Feld mit den lorbeerumrankten Musikinstrumenten und dem gleichmäßig durch Blütenköpfe unterteilten Gitterwerk sowie den eingelegten Girlanden an der Seite aus.
Der Schatz archäologischer Bauwerke bot auch eine Vielzahl neuer Bronzeelemente „à l’antique“ an. Typisch sind hier die Lorbeerkränze an den Griffen, die Schleifchen auf den Schlüsselschildern sowie die in Falten geworfenen Draperien, mit denen man die kubische Grundform des Möbels verziere, als auch die Beine „en cabriole“ abschließenden Löwentatzen. Die Dubois ließen ihre feuervergoldeten Bronzeornamente exklusiv anfertigen, ein weiteres charakteristisches Merkmal der Möbelstücke aus ihrer Werkstatt. GvM
Vergleichsliteratur: Pierre Kjellberg: Le mobilier français du XVIIIe siècle. Dictionnaire des ébénistes et des menuisiers, Paris 2002, S. 306f. und 321f.
Jaques Dubois resp. René Dubois (1694 Pontoise – 1763 Paris / 1737 – Paris – 1799)
Two-drawered commode "à la grecque“. Circa 1760
Palisander, amaranth, Ceylon satinwood, coloured precious woods on oak; gilt bronze fittings; marble sheet. 85 × 100 × 51 cm ( 33 ½ × 39 ⅜ × 20 ⅛ in.). On the body back left the marking stamp: J. Dubois JME.
[3202]
Provenienz: 2004 art dealership Albrecht Neuhaus, Würzburg
Related literature: Pierre Kjellberg: Le mobilier français du XVIIIe siècle. Dictionnaire des ébénistes et des menuisiers, Paris 2002, p. 306f. and 321f.
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