Lot 450
Jean-Henri Riesener (1736 Gladbeck – 1806 Paris) Schreibsekretär – Secretaire à abbattant. Um 1785/90 Mahagoni massiv, Mahagoni auf Eiche furniert; Bronzen, feuervergoldet; Marmorplatte; Kartonagen mit Leder bezogen, originaler Schlüssel. 144 × 99 × 45 cm ( 56 ¾ × 39 × 17 ¾ in.). Auf dem Korpus hinten rechts Schlagstempel: J.H.RIESENER. [3202] Als 1769 Jean-Henri Riesener seine Signatur auf das Schreibmöbel für König Louis XVI. setzte, trat einer der bedeutendsten Kunstschreiner aller Zeiten in das Licht der Kunstgeschichte. Es war das berühmte Bureau du Roi, der Rollzylinderschreitisch von Jean-François Oeben, das der damals 34-jährige Riesener vollendet hatte. Dieser hatte 1763 von seinem verstorbenen Lehrer Oeben Werkstatt, Gattin und Titel des „ébéniste du roi“ übernommen. Via Vertrag übernahm Riesener zudem den Kundenkreis des greisen Hofebenisten Joubert und baute so strategisch sein Imperium aus. Riesener sollte in Zukunft die teuersten, exklusivsten aber auch besten Möbel Frankreichs bauen. Ab 1775 gingen alle Lieferungen von Kunstmöbeln an die königlichen Schlösser durch seine Hände. Auch den obersten Adel des Landes versorgte Riesener mit seinen Schöpfungen und ließ sich dies fürstlich entlohnen: Er war ein reicher und selbstbewußter Unternehmer, und seine Privilegien waren weitreichend, so konnte er eigene Bronzen gießen und bearbeiten lassen. Dem hierarchischen Staatswesen des Ancien Régime entsprechend, galt es für Riesener, neben den überreich mit Bronzen und Marqueterien verzierten Möbeln für die königlichen Repräsentationsräume auch schlichtere Möbel für nachgeordnete Schlösser, wie Saint Cloud und Trianon, sowie eher private Wohnbereiche des Hofes zu schaffen. Mit einem hohen Schreibsekretär – einem Secrétaire à abattant – für Königin Marie Antoinettes kleines Appartement in Versailles lieferte der Ebenist 1783 ein solches klar aufgebautes Möbel, das vor allem durch den Kontrast von gemasertem dunklen Mahagoni und fein ziselierten strahlenden Bronzen besticht (heute Wallace Collection, London). Genau nach diesem Möbel gliedert sich auch unser Riesener-Sekretär. An seinen Füßen trägt er zudem Bronzemontierungen mit Blüten, wie sie auch am Sekretär der Königin zu finden sind. Ansonsten hebt er sich vom königlichen Möbel allein durch sparsameren Bronzenschmuck und das rötliche Mahagoni, das Unterbeamten des königlichen Hofes vorbehalten war, ab. Noble Linienführung und die Schönheit des Mahagonifurniers machen unser Möbel aus und prägten in den nachfolgenden Jahren auch den Geschmack Marie Antoinettes. Für ihr Trianon und Saint Cloud bestellte sie bis 1791 eine Reihe dieser schlichten Schöpfungen Rieseners, deren dunkles Holz die feinen Bronzen zur Wirkung brachte. Pierre Verlet nennt diese Phase Jean-Henri Rieseners „femininen, verfeinerten Stil“ (Verlet 1955, S. 24), der schon das Empire angekündigt habe, als in Frankreich noch die Wirren der Revolution tobten. SK Vergleichsliteratur: Pierre Verlet: Möbel von J. H. Riesener, Darmstadt 1955 Vergleichsobjekt: Rieseners Sekretär der Königin, 1783 für das kleine Appartement in Versailles (heute Wallace Collection, London, Inv.-Nr. F3030 - 138.5 x 98.8 x 42.5 cm) Jean-Henri Riesener (1736 Gladbeck – 1806 Paris) Secretary desk – Secretaire à abbattant. Circa 1785/90 Solid mahogany, mahogany veneered onto oak; bronze, gilt; marble sheet; paperboard covered with leather, original key. 144 × 99 × 45 cm ( 56 ¾ × 39 × 17 ¾ in.). On the body, back right, the marking stamp: J.H.RIESENER. [3202] Related literature: Pierre Verlet: Möbel von J. H. Riesener, Darmstadt 1955 Comparable object: Riesener’s secretary for the queen, 1783 for the small appartment in Versailles (today Wallace Collection, London, inv. no. F3030 - 138.5 x 98.8 x 42.5 cm).
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Divers
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Catalogue
Orangerie. Objets Choisies
10719 Berlin - Allemagne
26/11/2015
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0