Lot 55
Jeanne Mammen (1890 – Berlin – 1976) „VOR DER ,KOMÖDIE' AM KUDAMM, NACHTS“. Um 1930 Aquarell und Bleistift auf Velin. 35,6 x 48,6 cm ( 14 x 19 ⅛ in.). Oben rechts signiert: J. Mammen. Döpping/Klünner A 353.– [3396] Provenienz: Galerie Brockstedt, Hamburg / Privatsammlung, Norddeutschland Ausstellung: Jeanne Mammen – Aquarelle Paris, Brüssel vor 1915, Berlin 20er Jahre. Hamburg, Galerie Brockstedt, 1971, Kat.-Nr. 39, Abb. o.S. / Jeanne Mammen, Hans Thiemann. Berlin, Staatliche Kunsthalle, 1979, Kat.-Nr. 31 / Jeanne Mammen. Köpfe und Szenen 1920-1933. Emden, Kunsthalle; Leverkusen, Städtisches Museum Schloß Morsbroich; Hannover, Wilhelm-Busch-Museum; Saarbrücken, Saarland Museum; Gelsenkrichen, Städtisches Museum; 1991/92, Kat.-Nr. 66 / Jeanne Mammen 1890-1976. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen. Berlin, Berlinische Galerie-Landesmuseum für Moderne Kunst, Photographie und Architektur; Ulm, Ulmer Museum; Cottbus, Brandenburgische Kunstsammlungen-Museum für zeitgenössische Kunst, Fotografie und Plakat; 1997/98, Kat.-Nr. 109 Literatur und Abbildung: Simplicissimus, München, 34. Jg., März 1930. Nr. 50, Abb. S. 609 (betitelt: „Malice“) Jeanne Mammen war bereits vierzig Jahre alt, als sie dieses Aquarell malte. Zu dem Zeitpunkt lagen hinter ihr: eine glückliche Kindheit, Studien in Paris, Rom und Brüssel, die Erfahrung von Flucht und bitterer Armut nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges und mehrere hundert Gemälde und Zeichnungen, mit denen sie mit Künstlern wie George Grosz, Rudolf Schlichter und Otto Dix zu einer bedeutenden Chronistin der Berliner zwanziger Jahre avanciert war. Vor ihr lag: ihre erste (!) Ausstellung in einer Galerie, in der von Fritz Gurlitt. Aber das bedeutet nicht, daß sie damals keinen Erfolg gehabt hätte. Zeitschriften wie der „Simplicissimus“ in München oder der „Ulk“ des Verlegers Rudolf Mosse druckten ihre Werke ab, und auch dieses Blatt, ausgeführt in Bleistift und Aquarell, war unter dem ursprünglichen Titel „Malice“ für den Simplicissimus bestimmt. Die Szene ist typisch für Mammen, die es wie keine zweite vermochte, Nachtschwärmern und Tagedieben im Berlin der Weimarer Republik sowohl Sympathie als auch Ironie entgegenzubringen, zu gleichen Teilen übrigens. Theaterbesucher warten im Regen vor der Komödie am Kurfürstendamm. „Malice“ – die Bosheit – ist zweifellos ein Portrait, doch womöglich hat Mammen damit keine einzelne Person gemeint, sondern die ganze hochmögende Gesellschaft. Junge Frauen in Mänteln mit Pelzkragen rümpfen die Stupsnasen und zerreißen sich das Maul, assistiert und flankiert von älteren Herren mit Monokel. Auf unvergleichliche Weise hat es Jeanne Mammen verstanden, die Vergänglichkeit jenes eminent bedeutungslosen Momentes festzuhalten, den man auch das Leben in den großen Städten nennt. (UC) Jeanne Mammen (1890 – Berlin – 1976) „VOR DER ,KOMÖDIE' AM KUDAMM, NACHTS“. Circa 1930 Watercolour and pencil on wove paper. 35,6 x 48,6 cm ( 14 x 19 ⅛ in.). Signed upper right: J. Mammen. Döpping/Klünner A 353.– [3396] Provenienz: Galerie Brockstedt, Hamburg / Private collection, Northern Germany Ausstellung: Jeanne Mammen – Aquarelle Paris, Brüssel vor 1915, Berlin 20er Jahre. Hamburg, Galerie Brockstedt, 1971, cat. no. 39, ill. unpaginated / Jeanne Mammen, Hans Thiemann. Berlin, Staatliche Kunsthalle, 1979, cat. no. 31 / Jeanne Mammen. Köpfe und Szenen 1920-1933. Emden, Kunsthalle; Leverkusen, Städtisches Museum Schloß Morsbroich; Hanover, Wilhelm-Busch-Museum; Saarbrücken, Saarland Museum; Gelsenkrichen, Städtisches Museum; 1991/92, cat. no. 66 / Jeanne Mammen 1890-1976. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen. Berlin, Berlinische Galerie-Landesmuseum für Moderne Kunst, Photographie und Architektur; Ulm, Ulmer Museum; Cottbus, Brandenburgische Kunstsammlungen-Museum für zeitgenössische Kunst, Fotografie und Plakat; 1997/98, cat. no. 109 Literatur und Abbildung: Simplicissimus, Munich, 34th vol., March 1930. no. 50, ill. p. 609 (titled: „Malice“)
Crédits photos : Contacter la maison de vente
Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
Catalogue
Œuvres Choisies
10719 Berlin - Allemagne
27/11/2014
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0