Lot 807
Jef Verheyen (Itegem/Antwerpen 1932 – 1984 Apt) „ISIS“. 1982 Acryl auf Leinwand. 87,5 × 87,5 cm ( 34 ½ × 34 ½ in.). Rückseitig mit Pinsel in Violett zweifach betitelt, signiert und datiert: ISIS, jef Verheyen (unter­strichen), 82. Auf dem Keilrahmen mit Pinsel in Violett bezeichnet (unleserlich). Mit Craquelé und feinen Retuschen. [3257] Provenienz: Privatsammlung, Baden-Württemberg (1982 direkt vom Künstler erhalten) <a href="https://www.grisebach.com/fileadmin/downloads/PDFs/F2019/308_Grisebach_807_Verheyen.pdf">Download der Katalogseiten</a> Zwei geometrische Figuren treffen auf monochrom blauem Grund aufeinander und ergeben einen mysteriösen Rahmen, dessen durch feine Farbverläufe erzeugte scheinbare Dreidimensionalität sich bei längerer Betrachtung als optischer Effekt, als Effekt eines virtuosen Umgangs mit Licht und Farbe entpuppt. Der gemalte Rahmen scheint in einem undefinierten, unendlichen Raum zu schweben, beleuchtet von geheimnisvollen, räumlich nicht auszumachenden Lichtquellen. Jef Verheyen, 1932 in Antwerpen geboren, setzte sich, nachdem er in den 1950er-Jahren intensiv mit monochromer Malerei experimentiert hatte, vor allem ab den 1960er-Jahren mit geometrischen Grundformen auseinander, die seine Farboberflächen strukturieren und sich durch ihre besonders feinen Farbverläufe auszeichnen. Dafür bediente sich Verheyen einer speziellen Technik: Er arbeitete mit transparenten Lasuren und wasserlöslicher Farbe, die er in mehreren hauchdünnen Schichten übereinander auftrug. Hierzu verwendete er breite Borstenpinsel, teilweise auch Nylonstrümpfe, die ihm einen besonders glatten Farbauftrag, idealerweise ohne Pinselspuren ermöglichten. Das Ergebnis sind feinste, glatte Oberflächen, auf denen – wenn überhaupt – nur im Streiflicht Spuren des Malprozesses zu erkennen sind. Die Materialität der Farbe wird zurückgenommen zugunsten eines virtuosen Spiels mit Effekten von Licht und Schatten, mit fein nuancierten Übergängen auf Farbflächen, die nicht zuletzt auch einen unendlichen Raum zu suggerieren scheinen. Der Umgang mit Farbe, Licht und Raum faszinierte auch viele Künstlerkollegen, mit denen der bestens vernetzte Jef Verheyen enge Freundschaften und Kollaborationen pflegte: neben den Düsseldorfer ZERO-Künstlern Otto Piene, Heinz Mack, Günther Uecker und Hermann Goepfert u.a. auch Yves Klein, Piero Manzoni und Lucio Fontana, den Verheyen 1957 kennenlernte und dessen Arbeitsweise ihn tief beeindruckte. Fontana öffnete die Leinwand für den Raum und holte diesen so in die Wirklichkeit der Malerei. Genau das erreicht Verheyen in seinen Gemälden mit den Mitteln der Malerei. In unserem Gemälde – benannt nach der ägyptischen Göttin Isis, die als mit magischen Kräften ausgestattete Quelle des Lebens, als Göttin der Geburt und Wiedergeburt sowie als Wächterin über das Totenreich verehrt wurde – geraten wir als Betrachter in eine Art endlosen Kreislauf von dunkel nach hell und von hell nach dunkel, der uns so sehr in den Bann zieht, dass jede Suche nach einer kohärenten räumlichen Form nebensächlich wird. „Die Objektivität aufzulösen, sich eine Farbe zu eigen machen – mit anderen Worten: Farbe werden –, das erinnert stark an eine Trancesituation. Nach einiger Zeit ist man von Farbe umgeben; dann, durch eine Umkehrung, wird der äußere Raum zum inneren Raum, und man stellt keinen Unterschied mehr fest zwischen den einzelnen Dimensionen. Alles wird transparent, und eine empfangsbereite Stille füllt alles aus.“ (Jef Verheyen: Farbsehen/Farbsinn, in: Ausst. Kat.: Jef Verheyen – Kreislauf der Farben, Kunstraum Düsseldorf, 1973) Elena Sánchez Jef Verheyen (Itegem/Antwerp 1932 – 1984 Apt) „ISIS“. 1982 Acrylic on canvas. 87,5 × 87,5 cm ( 34 ½ × 34 ½ in.). Titled, signed, and dated on the reverse twice with brush in violet: ISIS, jef Verheyen (underlined), 82. Inscribed on the stretcher with brush in violet (illegible). With craquelure and fine retouchings. [3257] Provenienz: Private Collection, Baden-Wuerttemberg (1982 received directly from the artist)
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Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
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Contemporary Art
10719 Berlin - Allemagne
31/05/2019
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0