Lot 111
Johann Anton Castell (1810 – Dresden – 1867)
„Ansicht auf Dresden, Mondschein“. 1846
Öl auf Leinwand. 52 × 74,5 cm ( 20 ½ × 29 ⅜ in.). Unten rechts signiert („JAC“ ligiert) und datiert: JACastell. 1846.
[3055]
Provenienz: Privatsammlung, Frankreich (wohl seit dem 19. Jahrhundert)
Ausstellung: Verzeichniß der [...] öffentlich ausgestellten Werke der bildenden Kunst. Dresden, Königlich Sächsische Akademie der Künste, 1846, Kat.-Nr. 198 („Mondscheinlandschaft, Ansicht auf Dresden“)
Literatur und Abbildung: Friedrich von Boetticher: Malerwerke des neunzehnten Jahrhunderts. 4 Bände. Dritter, unveränderter Nachdruck, Hofheim am Taunus, H. Schmidt & C. Günther, 1979 (zuerst Fr. v. Boetticher’s Verlag, Dresden 1891–1901), hier Bd. 1, S. 173, Nr. 5 („Ansicht auf Dresden, Mondschein“)
Der Maler Johann Anton Castell gehört jener Generation Dresdner Künstler an, die auf die berühmten Begründer der romantischen Malerei Philipp Otto Runge, Caspar David Friedrich und Carl Gustav Carus folgten. Im Jahr 1827 trat er in die Landschaftsklasse der Königlichen Kunstakademie Dresden ein, die er jedoch bereits 1828 wieder verließ. Ein Jahr später nahm ihn Johan Christian Clausen Dahl als Schüler in sein Atelier auf. Es folgten ausgedehnte Studienreisen in das Salzkammergut und nach Böhmen. Entgegen den Gepflogenheiten vieler anderer seiner Zeitgenossen ist Castell nie in Italien gewesen. Seine Motive suchte er vor allem in der Umgebung Dresdens und im Elbsandsteingebirge. Mit den sorgfältig komponierten und fein ausgeführten Landschaften gehörte er um die Mitte des 19. Jahrhunderts zu den gefragten und bedeutenden Malern der Dresdner Romantik. Beliebt waren vor allem seine stimmungsvollen Nachtstücke bei Vollmond, dessen kühles Licht eine zauberhafte Atmosphäre unter dem Schleier der Dunkelheit schuf.
Castell führt in dem vorliegenden Gemälde den Blick des Betrachters flussaufwärts vom linken Ufer der Elbe auf die Stadt Dresden zu, deren Silhouette sich vor dem schimmernden Blau des Nachthimmels abhebt. Seit dem berühmten Canaletto-Blick des Bernardo Bellotto galt die Ansicht Dresdens vom gegenüberliegenden rechten Elbufer aus von der Höhe der Neustadt bis zum Pieschener Ufer als ein Leitmotiv für das Bild der barocken Kunstmetropole. Mit dieser Wahl des Standorts rückte die Kuppel der Frauenkirche wie selbstverständlich in das Zentrum des Bildes. Mehrere solcher Darstellungen sind unter anderem von Dahl überliefert. Castell setzt einen anderen Akzent. Seine Komposition weist der Stadt eine untergeordnete Rolle zu. Ihm kommt es vor allem auf den Gesamteindruck der nächtlichen Elblandschaft an. Das silbern glänzende Blau bestimmt große Teile des Bildes. Dem weiten Himmel dient die breit angelegte Wasserfläche als Reflexionsebene eines transzendent erscheinenden Raumes, der sich mit den aufreißenden Wolken in der Bildmitte ins Unendliche zu steigern scheint, im Vordergrund aber in dem Geröll des Ufers seinen Widerpart findet. Die Spiegelungen des Mondlichts erfassen alle Gegenstände und verleihen ihnen neben ihrer konkreten Bestimmung einen zweiten, metaphysischen Charakter. Castells Ansicht Dresdens bei Mondschein ist ein eindrucksvoller Beleg für die meisterhafte Gestaltungskraft des Künstlers.
Reinhard Wegner
Johann Anton Castell (1810 – Dresden – 1867)
„Ansicht auf Dresden, Mondschein“. 1846
Oil on canvas. 52 × 74,5 cm ( 20 ½ × 29 ⅜ in.). Signed lower right („JAC“ joined) and dated: JACastell. 1846.
[3055]
Provenienz: Private collection, France (presumably since the 19th century)
Ausstellung: Verzeichniß der [...] öffentlich ausgestellten Werke der bildenden Kunst. Dresden, Royal Saxon Academy of Arts, 1846, cat. no. 198 („Mondscheinlandschaft, Ansicht auf Dresden“)
Literatur und Abbildung: Friedrich von Boetticher: Malerwerke des neunzehnten Jahrhunderts. 4 volumes. Third, unedited reprint, Hofheim am Taunus, H. Schmidt & C. Günther, 1979 (first Fr. V. Boetticher’s Verlag, Dresden 1891–1901), here vol. 1, p. 173, no. 5 („Ansicht auf Dresden, Mondschein“)
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