Lot 746
Joseph Beuys (Krefeld 1921 – 1986 Düsseldorf)
ENTWURF FÜR PLASTIK. 1961
Gouache auf festem Velin. 49,2 x 69,5 cm ( 19 ⅜ x 27 ⅜ in.). Unten rechts mit Bleistift signiert: Beuys.
[3457]
Provenienz: Galerie Schmela, Düsseldorf / Sammlung Willy und Fänn Schniewind, Neviges / Privatsammlung, Rheinland
Ausstellung: Treffpunkt Parnass Wuppertal 1949-65. Wuppertal, Kunst- und Museumsverein im Von-der-Heydt Museum, 1980, Abb. Nr. 19
Literatur und Abbildung: Aukt.-Kat. Schmela Auktion 1, Moderne Kunst, Düsseldorf, 15. Juni 1963, Los 8, Abb. Nr. 15
Gestaltung beginnt für Joseph Beuys bei der unsichtbaren Bewegung des Denkens. „Ich [war] mir bewußt, daß das Sprechen selbst Skulptur ist. Oder daß das Denken selbst wie eine erste Skulptur aufzufassen ist. Also alles, was ein menschliches Produkt ist. [...] Wie sieht das erste Produkt des Menschen aus, das heißt das erste Ergebnis seines Prinzips ,Creator‘? Wo fängt das an? Es fängt im Denken an, im Fassen von Ideen. Und daß man die regelrecht anschaut, daß man sie betrachtet wie eine Skulptur.“ (Joseph Beuys: Jeder Mensch ein Künstler. Gespräche auf der documenta 5 1972, Frankfurt/Main, Berlin, Wien, 1975, S. 94)
Indem hier über „Entwurf für Plastik“ geschrieben bzw. gelesen wird, entsteht demzufolge schon die Skulptur, die Gegenstand der Gouache aus dem Jahr 1961 ist. Zur Entstehungszeit des Blattes hatte Beuys sich an der Kunstakademie Düsseldorf auf eine Professorenstelle für Bildhauerei beworben. Darüber schrieb der damalige Akademiedirektor Hans Schwippert: „[Beuys] weist ein künstlerisches Werk auf, welches, noch in Matarés Gesinnung begründet, sich in einer neuen und freien Weise in vorzüglichen plastischen Gestaltungen in einem sehr breiten Bereiche ausdrückt. Über das ,klassische‘ bildhauerische Repertoire hinaus, hat er sich der Formung vieler Dinge in vielerlei Materialien mit hoher Begabung und ausgezeichnetem Ergebnis angenommen und sich dabei durchaus unabhängig von bildhauerischen Zeitströmungen flüchtigeren Charakters höchst beachtlich entwickelt.“ (Hans Peter Riegel, Beuys. Die Biographie, Berlin, 2013, S. 156). Der bislang unbekannte Künstler Beuys schien der geeignetste Kandidat zu sein, Lehrer auszubilden und sich der Kunst am Bau anzunehmen. Mataré kommentierte die Berufung Beuys’ hingegen mehr als kritisch.
Auf dem Papier steht eine größere Form in Rot, hellem Braun und etwas Schwarz. Markante Pinselzüge strukturieren ihren rechten Rand, eingezeichnet sind ihr verschiedene Linien und zwei an Schrauben oder Nieten erinnernde Punkte. Ein Aggregat, ein Transformator oder einfach ein Stück technisches Eisen? Die Zeichnung belegt eindrucksvoll die plastische Theorie des Künstlers, die auf Chaos und Ordnung basiert. Joseph Beuys, dem wir nicht nur den erweiterten Kunstbegriff, sondern auch Performances, Installationen, medienwirksame Auftritte und politische Aktionen verdanken, hat seine Arbeit stets mit derartigen Zeichnungen begleitet, zum Teil planend und vorbereitend, aber auch dokumentierend und zusammenfassend. Und immer war seine Kunst auf den Menschen ausgerichtet. Dessen Entwicklung von der Frühgeschichte bis ins 20. Jahrhundert, seine wachsenden geistigen wie handwerklichen Fähigkeiten und ihr Zusammenwirken in einem humanistisch geprägten Kosmos hat Beuys durch seine Studien und Versuche gefunden; er hat sie in seinen Werken untersucht und dargestellt. Der ernsthafte Prozeß der Selbst-Findung und -Bestimmung schließt auch das Erkennen der Todeserfahrung ein, aus dem allein sich das Leben fortsetzt. „Entwurf für Plastik“ ist eine von sehr vielen Stufen auf diesem langen Weg. (EO)
Unsere Zeichnung war viele Jahre Teil der Sammlung Schniewind, Neviges, einer der bedeutenden westdeutschen Sammlungen der Zeitgenössischen Kunst der 1950er und 1960er Jahre.
Joseph Beuys (Krefeld 1921 – 1986 Düsseldorf)
ENTWURF FÜR PLASTIK. 1961
Gouache on heavy wove paper. 49,2 x 69,5 cm ( 19 ⅜ x 27 ⅜ in.). Signed in pencil lower right: Beuys.
[3457]
Provenienz: Galerie Schmela, Düsseldorf / collection Willy and Fänn Schniewind, Neviges / private collection, Rhineland
Ausstellung: Treffpunkt Parnass Wuppertal 1949-65. Wuppertal, Kunst- und Museumsverein im Von-der-Heydt Museum, 1980, ill. no. 19
Literatur und Abbildung: Auction catalogue. Schmela Auktion 1, Moderne Kunst, Düsseldorf, 15 June 1963, lot 8, ill. no. 15
Our drawing was for many years part of the Schniewind collection, Neviges, one of the important West German collections of contemporary art during the 1950s and 60s
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