Lot 705
Joseph Beuys (Krefeld 1921 – 1986 Düsseldorf) „Filzanzug“. 1970 Genähter Filzanzug, gestempelt. Ca. 170 × 60 cm ( 66 ⅞ × 23 ⅝ in.). Über der linken Brusttasche mit dem schwach sichtbaren Stempel „Hauptstrom“. In der linken Innenseite der Jacke ein mit Sicherheitsnadeln befestigtes Stoff-Etikett, darauf die mit Filzstift eingetragene Exemplar-Nummer. Schellmann 26.– Einer von 100 nummerierten Anzügen aus einer Gesamtauflage von 110 Exemplaren. Galerie René Block, Berlin 1970. [3402] Provenienz: Privatsammlung, Berlin (bei René Block erworben) „Schellmann/Klüser: Warum hat der Filzanzug keine Knöpfe? Beuys: Ja, das liegt am Charakter des Filzes, das hat sich auf natürliche Weise ergeben, er ist geschneidert nach meinem eigenen Anzug, und ich meine, das Ganze muß immer noch den Charakter von Filz in dem Sinne haben, daß er nicht dahin tendiert, sozusagen „schnieke" geschneidert zu werden. Man muß den Filzcharakter lassen, die Kleinigkeiten alle weglassen, zum Beispiel komplizierte Umschläge, Knöpfe, Knopflöcher usw., und wenn ihn einer tragen will, kann er ihn mit Sicherheitsnadeln zumachen […]. S/K: Spielt bei dem Anzug das Material Filz die Rolle eines Isolators der physischen Wärme des Menschen? B: Der Wärmecharakter - ja, das ist klar. Der Filzanzug ist nicht nur ein Gag, sondern eine Erweiterung meiner Filzplastiken, die ich ja auch in Aktionen gemacht habe. Hier tritt der Filz ja auch als ein Wärmeelement oder Isolator auf, unter allen Kategorien von Wärmeplastik wird er da benutzt, meistens im Zusammenhang mit Fett. Und davon ist das ein Abzweiger. Also hat einen Bezug zum Wärmecharakter. […] Hier wird der Satz interessant: Jeder ist ein Künstler. Das können die Menschen meines Erachtens gerade in diesen Objekten erfahren, daß jeder Künstler ist, denn viele Leute werden sagen: „Warum mache ich nicht selbst so etwas, solche Dinge.“ In dem Satz „Jeder ist ein Künstler“ wird einfach gesagt, daß der Mensch ein kreatives Wesen ist, daß er als Kreator produzieren kann und zwar sehr vielfältig. Es ist mir im Prinzip gleichgültig, ob die Produktion von einem Maler oder Bildhauer stammt oder von einem Physiker. […]” Interview mit Joseph Beuys, in: Fragen an Joseph Beuys. Jörg Schellmann, Bernd Klüser, Dezember 1970 Joseph Beuys (Krefeld 1921 – 1986 Düsseldorf) „Filzanzug“. 1970 Sewn felt suit, stamped. Ca. 170 × 60 cm ( 66 ⅞ × 23 ⅝ in.). Over the left breast pocket with the faintly visible stamp "Hauptstrom“. A fabric-label attached with safety pins in the left interior of the jacket, upon which the copy-number is inscribed with felt-tip pen. Schellmann 26.– One of 100 numbered suits from a total edition of 110 copies. Galerie René Block, Berlin 1970. [3402] Provenienz: Private Collection, Berlin (acquired at René Block) - - - 30.00 % buyer's premium on the hammer price VAT margin scheme, VAT included, but not indicated and not reclaimable
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Contemporary Art
10719 Berlin - Allemagne
29/11/2019
Proposé par Grisebach
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