Lot 50
Karl Hartung (Hamburg 1908 – 1967 Berlin) „Liegender“. 1935/38 Bronze mit differenzierter dunkelbrauner Patina. Ca. 24,5 × 42 × 25 cm ( 9 ⅝ × 16 ½ × 9 ⅞ in.). Am Arm unten neben der Standfläche der Gießerstempel: W.FÜSSEL BERLIN. Am linken Bein unten auf der Standfläche mit dem Monogramm- und Namensstempel: KH HARTUNG. Krause 158.– Guss zu Lebzeiten des Künstlers. Eines von insgesamt 10 Exemplaren. [3569] Provenienz: Privatsammlung, Nordeutschland (von 2007 bis 2016 als Leihgabe im Edwin Scharff Museum, Neu-Ulm) Ausstellung: Figur im Wandel. Karl Hartung. Plastiken, Skulpturen, Zeichnungen. Große Kunst vor Ort. 7. Wanderausstellung der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloß Gottorf, 2002-2007, o. Kat.-Nr So muß Tempo! Waghalsige Kurven, Abfahrt, Schuß und Ziel: Ähnlich rasant, ähnlich aerodynamisch wie bei diesem „Liegenden“ ist Karl Hartung bei keiner anderen Plastik gewesen. Entstanden Mitte der dreißiger Jahre, fällt sie in eine Zeit, die für den Bildhauer eine Zeit des Umbruchs gewesen ist. Der gebürtige Hamburger, der 1929 nach Paris ging, in das europäische Zentrum der Bildhauerei, wo er in den Bann von Aristide Maillol gezogen wurde, begeisterte sich schon früh für glatte, gespannte Oberflächen, für pralle Körper und geschlossene Volumina, die sich selbstbewußt gegen den Umraum stemmen. Von der Kraft, die den plastischen Formen Maillols innewohnt, führt die Entwicklung zu den auratischen, metaphysisch aufgeladenen Skulpturen von Constantin Brancusi, die in ihrer abweisenden, zugleich haptisch-schmeichelnden Glätte ein unberührbares Geheimnis zu bergen scheinen. Was ist es, was die Haut der skulpturalen Form von innen nach außen, dem Raum entgegen dehnt? Ist es ein Geheimnis, das sich enthüllen läßt? Ist es der Puls, die Kraft des Lebens selbst, die hier ins Sichtbare, in die Welt der Erscheinung drängt? Gut möglich, dass Hartung Brancusi und dessen Werk bereits Anfang der 1930er-Jahre in Paris kennenlernte. Auch das Werk des Engländers Henry Moore ist eine wichtige Anregung für ihn gewesen. Verwandlung, Metamorphose: Für Karl Hartung war die skulpturale Form eins mit der universellen Lebenskraft, die allem innewohnt. Der Mensch? Ein Teil vom Ganzen, nicht anders als der Baum, das Tier, der Stein. Und doch: Welch einmalige Schönheit, die sich in der schwingenden Form des Torsos widerspiegelt. Und: Wie bescheiden das Menschenbild angesichts der grotesken Großmannssucht, die sich ab 1933 in Politik und Kunst breitmachte. Karl Hartung hatte Glück: Als er Ende 1932 von seinen Lehr- und Wanderjahren nach Hamburg zurückkehrte, war er in der Kunstöffentlichkeit noch ein unbeschriebenes Blatt, das unbehelligt von Repressionen blieb. 1936 zog es ihn aus der Provinz in die Hauptstadt, nach Berlin, wo er in großer Zurückgezogenheit konsequent an seiner Kunst weiterarbeitete. Ob der „Liegende“ noch in Hamburg oder schon in Berlin entstanden ist, wissen wir nicht. Die große Dynamik, die ihm innewohnt, das fast futuristische Design könnte ein Echo des Tempos der Großstadt sein. Er ist der erste aus einer Reihe von anthropomorphen Plastiken, die Hartung auch als „vegetative Form“ bezeichnet hat: sichtbare Zeichen der Einbindung des Menschen in einen ele- mentaren, allem Leben zugrundeliegenden Kräftestrom, dessen Präsenz der Künstler zeitlebens sichtbar zu machen bestrebt war. MKR Karl Hartung (Hamburg 1908 – 1967 Berlin) „Liegender“. 1935/38 Bronze with nuanced dark brown patina. Approx. 24,5 × 42 × 25 cm ( 9 ⅝ × 16 ½ × 9 ⅞ in.). On the arm at the bottom next to the platform the foundry mark: W.FÜSSEL BERLIN. On the left leg at the bottom on the platform with the monogram and name stamp: KH HARTUNG. Krause 158.– Cast during the artist's lifetime. One of a total of 10 copies. [3569] Provenienz: Private collection, northern Germany (from 2007 to 2016 on loan to hte Edwin Scharff Museum, Neu-Ulm) Ausstellung: Figur im Wandel. Karl Hartung. Plastiken, Skulpturen, Zeichnungen. Große Kunst vor Ort. 7th touring exhibition of the Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloß Gottorf, 2002-2007, no catalogue number
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Divers
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Catalogue
Œuvres Choisies
10719 Berlin - Allemagne
01/12/2016
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0