Lot 44
Karl Hofer (Karlsruhe 1878 – 1955 Berlin)
„Kartenspieler“. 1924
Öl auf Leinwand. 123,5 × 136 cm ( 48 ⅝ × 53 ½ in.). Unten rechts monogrammiert: CH. Auf dem Keilrahmen ein Etikett der Ausstellung Berlin 1924 (s. u.) und das Nummernetikett der „Entarteten Kunst“: 9669.
Wohlert 585.–
[3035]
Provenienz: Galerie Alfred Flechtheim, Düsseldorf/Berlin (1924) / Stadtmuseum Ulm, (erworben 22.4.1925, im August 1937 im Rahmen der Aktion „Entartete Kunst“ beschlagnahmt, EK-Nr. 9669) / Berlin, Depot Schloß Schönhausen, Lagerung „international verwertbarer“ Kunstwerke (1938/39) / Karl Buchholz, Berlin (in Kommission 1939–1941) / Hans H. Ranft, Oslo (1941 bei Buchholz erworben) / Privatsammlung, Berlin
Ausstellung: Frühjahrsausstellung. Berlin, Akademie der Künste, 1924, Kat.-Nr. 79, ganzs. Abb. / Karl Hofer. München, Hans Goltz (90. Ausstellung), 1924, Kat.-Nr. 6 / Karl Hofer. Bilder aus dem Jahr 1924. Berlin, Galerie Alfred Flechtheim, 1924, ohne Kat. / Neue Bilder von Carl Hofer. Düsseldorf, Galerie Alfred Flechtheim, 1925, ohne Kat. / Ausstellung Carl Hofer/Ernesto de Fiori. Düsseldorf, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, 1927, Kat.-Nr. 20 / Karl Hofer. Das gesammelte Werk. Mannheim, Städtische Kunsthalle, 1928, Kat.-Nr. 144 / Karl Hofer. Zürich, Kunsthaus, 1929, Kat.-Nr. 21 / Zehn Jahre Ulmer Kunstpolitik. Ulm, Städtisches Museum, Moderne Galerie, 1933, wohl ohne Katalog
Literatur und Abbildung: Die Kunst, Bd. 49, 1923/24, Abb. S. 302 / E.v. Sydow: Ausstellung der Akademie der Künste zu Berlin, Mai/Juni 1924. In: Dt. Kunst und Dekoration, 54.1924, S. 247, Abb. S. 244 / Benno Reifenberg: Karl Hofer. Klinkhardt & Biermann, Leipzig 1924 [Junge Kunst, Bd. 48], Abb. Tf. 26 / Galerien Flechtheim: einige letzthin getätigte Museumskäufe. In: Der Querschnitt, 5.1925, S. 840 / Erster Bericht des Museums der Stadt Ulm, 1925, S. 23, Abb. 15 / Kunstchronik und Kunstmarkt, NF 35, 59.1925/26, Nr. 12, 20.6.1925,
Abb. S. 220 / R. Landau: Der unbestechliche Minos. Kritik an der Zeitkunst. Harder Verlag, Hamburg 1925, Farbabb. Tf. 8 nach S. 58 / G. F. Hartlaub: Karl Hofer. In: Illustrierte Zeitung, Leipzig, Nr. 4360, 1928, Abb. S. 502 / Kunst- und Antiquitätenzeitung, 39.1931, H. 1, Abb. S. 4 / Die Neuerwerbungen der Ulmer Museumsgalerie 1931. In: Der Kunstwanderer, 13./14.1931/32, S. 255 / Zehn Jahre Ulmer Kunstpolitik. Ulm, Städtisches Museum, 1933 / Das Kunstwerk, 2.1948, H. 5/6, Abb. S. 71 / B. S. Myers: The German Expressionists. Praeger, New York 1957, Abb. 117, S. 48; die dt. Ausgabe bei DuMont Schauberg, Köln 1957, S. 79, Abb. Nr. 79 / Wielka Encyklopedia Powszechna, 4, Warschau 1964, S. 710 / G. Tolzien: Karl Hofer. In: Kindlers Malerei Lexikon, Bd. 3. Kindler, Zürich 1966, S. 219, 225 / M. Ragon: L'Expressionnisme. Ed. Rencontre, Lausanne 1966, S. 125 / H.-J. Schirmbeck: Carl Hofer (1878–1955). Dipl. Arbeit a.d. Humboldt-Univ., Berlin 1974, S. 15, 24, 53, Abb. 8 / Dictionnaire critique et documentaire des peintres. Grund, Paris 1976, S. 574 / G. Wirth: Verbotene Kunst 1933-1945. Hatje, Stuttgart 1987, S. 277 / C. Zuschlag: „Es handelt sich um eine Schulungsausstellung“. In: Ausst.-Kat. „Entartete Kunst“. Los Angeles/München 1992, S. 100 / Ausst.-Kat. Kunst und Kultur in Ulm 1933–1945. Ulmer Museum 1993, Abb. S. 65, Nr. 63 (Liste der beschlagnahmten Werke), Abb. S. 77, Nr. 95, S. 91 (erwähnt) / Kat Kaufmann: Der stille laute Karl Hofer. In: Grisebach. Das Journal. Heft 6, Berlin 2016, S. 34/35, m. Farbabbildung
Ein kahler, beengt wirkender Raum. An einem einfachen Holztisch sind drei Männer ins Kartenspiel vertieft. Zwei weitere folgen dem Verlauf der Partie. Alle Anwesenden machen einen ernsten, konzentrierten Eindruck. Der Spieler zur linken ist offenbar gerade am Zug, er hat zwei Asse aussortiert. Der Spieler in der Mitte hält seine drei verbliebenen Karten verdeckt auf den Tisch und scheint sich seiner Sache sicher. Wohingegen der rechte etwas ratlos auf sein aufgefächertes Blatt schaut. Dieser ersten Fassung des Themas, der eine kleine Ölstudie vorausging (Wohlert 2861 (Nachtr.)), sollten noch sechs weitere Variationen folgen. Wir gehen nicht fehl, wenn wir dieses Gemälde und auch die späteren Fassungen weder als Herausforderung an unser detektivisches Gespür interpretieren noch als Darstellung einer konkreten Begebenheit.
Plausibler wäre, dass wir es hier mit einer Verbeugung Hofers vor seinem berühmten Kollegen Paul Cézanne zu tun haben, dessen „Kartenspieler“ er hier zitiert, und zwar die zwei frühen Versionen mit vier respektive fünf Figuren. Das Entscheidende aber ist, dass wir das, was wir sehen, wie so oft in den Gemälden Karl Hofers nicht definitiv entschlüsseln können. Es ist eher als allgemeines Gleichnis angelegt, das versucht, der schicksalhaften Verbindung von Mensch und Welt auf die Spur zu kommen. Mögen die Umstände unkomfortabel sein und die Handlungsspielräume begrenzt, so zeigen uns Hofers Figuren doch immer, dass sie mit Ernsthaftigkeit am Spiel des Lebens teilnehmen, jeder nach seinen Möglichkeiten.
Der Künstler selbst nimmt sich davon nicht aus. Der Mittelpunkt dieses Bildes liegt exakt am Kinn des bärtigen Spielers, der Hofers eigene Züge trägt. Damit unterstreicht der Maler seine Urheberschaft im Bewusstsein, Teil dieser sinnbildlich gemeinten Gruppe zu sein.
MS
Karl Hofer (Karlsruhe 1878 – 1955 Berlin)
„Kartenspieler“. 1924
Oil on canvas. 123,5 × 136 cm ( 48 ⅝ × 53 ½ in.). Monogrammed lower right: CH. On the stretcher a label of the exhibition Berlin 1924 (see below) and the numbered label of the „Entartete Kunst“ action: 9669.
Wohlert 585.–
[3035]
Provenienz: Galerie Alfred Flechtheim, Düsseldorf/Berlin (1924) / Stadtmuseum Ulm, (acquired 22.4.1925, confiscated in August 1937 under the "Entartete Kunst" action of the National Socialist government, EK-no. 9669) / Berlin, Depot Schloss Schönhausen, storage facility for artworks of "international value" (1938/39) / Karl Buchholz, Berlin (on commission 1939–1941) / Hans H. Ranft, Oslo (acquired 1941 from Buchholz) / private collection, Berlin
Ausstellung: Spring exhibition. Berlin, Akademie der Künste, 1924, cat. no. 79, full-page ill. / Karl Hofer. Munich, Hans Goltz (90. Ausstellung), 1924, cat. no. 6 / Karl Hofer. Bilder aus dem Jahr 1924. Berlin, Galerie Alfred Flechtheim, 1924, no cat. / Neue Bilder von Carl Hofer. Düsseldorf, Galerie Alfred Flechtheim, 1925, no cat. / Ausstellung Carl Hofer/Ernesto de Fiori. Düsseldorf, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, 1927, cat. no. 20 / Karl Hofer. Das gesammelte Werk. Mannheim, Städtische Kunsthalle, 1928, cat. no. 144 / Karl Hofer. Zürich, Kunsthaus, 1929, cat. no. 21 / Zehn Jahre Ulmer Kunstpolitik. Ulm, Städtisches Museum, Moderne Galerie, 1933, presumably without catalogue
Literatur und Abbildung: Die Kunst, vol. 49, 1923/24, ill. p. 302 / E.v. Sydow: Ausstellung der Akademie der Künste zu Berlin,
Mai/Juni 1924. In: Dt. Kunst und Dekoration, 54.1924,
p. 247, ill. p. 244 / Benno Reifenberg: Karl Hofer. Klinkhardt & Biermann, Leipzig 1924 [Junge Kunst, vol. 48], ill. pl. 26 / Galerien Flechtheim: einige letzthin getätigte Museumskäufe. In: Der Querschnitt, 5.1925, p. 840 / Erster Bericht des Museums der Stadt Ulm, 1925, p. 23, ill. 15 / Kunstchronik und Kunstmarkt, NF 35, 59.1925/26, no. 12, 20.6.1925,
ill. p. 220 / R. Landau: Der unbestechliche Minos. Kritik an der Zeitkunst. Harder Verlag, Hamburg
1925, colour ill. pl. 8 after p. 58 / G. F. Hartlaub: Karl Hofer. In: Illustrierte Zeitung, Leipzig, no. 4360,
1928, ill. p. 502 / Kunst- und Antiquitätenzeitung, 39.1931, vol. 1, ill. p. 4 / Die Neuerwerbungen der Ulmer Museumsgalerie 1931. In: Der Kunstwanderer, 13./14.1931/32, p. 255 / Zehn Jahre Ulmer
Kunstpolitik. Ulm, Städtisches Museum, 1933 /
Das Kunstwerk, 2.1948, vol. 5/6, ill. p. 71 / B. S. Myers:
The German Expressionists. Praeger, New York 1957, ill. 117, p. 48; German edition published by DuMont Schauberg, Cologne 1957, p. 79, ill. no. 79 / Wielka Encyklo-pedia Powszechna, 4, Warsaw 1964, p. 710 /
G. Tolzien: Karl Hofer. In: Kindlers Malerei Lexikon, vol. 3. Kindler, Zürich 1966, p. 219, 225 / M. Ragon: L'Expressionnisme. Ed. Rencontre, Lausanne 1966,
p. 125 / H.-J. Schirmbeck: Carl Hofer (1878–1955). "Diplom" dissertation, Humboldt-Univ., Berlin 1974, p. 15, 24, 53, ill. 8 / Dictionnaire critique et documentaire des peintres. Grund, Paris 1976, p. 574 / G. Wirth: Verbotene Kunst 1933-1945. Hatje, Stuttgart 1987, p. 277 / C. Zuschlag: „Es handelt sich um eine Schulungsausstellung“. In: ex. cat. „Entartete Kunst“. Los Angeles/Munich 1992, p. 100 / ex. cat. Kunst und Kultur in Ulm 1933–1945. Ulmer Museum 1993, ill. p. 65, no. 63 (list of the confiscated works), ill. p. 77, no. 95, p. 91 (mentioned) / Kat Kaufmann: Der stille laute Karl Hofer. In: Grisebach. Das Journal. vol. 6, Berlin 2016, p. 34/35, with colour illustration
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