Lot 33
Karl Hofer (Karlsruhe 1878 – 1955 Berlin) „PIERROT UND HARLEKIN“. Um 1923 Öl auf Leinwand. 117,5 x 90,5 cm ( 46 ¼ x 35 ⅝ in.). Unten links monogrammiert (ligiert): CH. Auf dem Keilrahmen oben mit Bleistift signiert und betitelt: K. Hofer, Pierrot u. Harlekin. Wohlert 549.– Rückseitig eine übermalte „Tropische Scene II“ (laut handschriftlichem Titel auf dem Keilrahmen). [3033] Provenienz: Galerie Flechtheim, Düsseldorf / Wallraf-Richartz-Museum, Köln (ehem. Inv.-Nr. 1214, erworben 1923, 1937 als „entartet“ beschlagnahmt) / Kunstsalon Abels, Köln / Privatsammlung (bis 1975) / Galerie Pels-Leusden, Berlin (1982) / Privatsammlung, Berlin (1982 in der Galerie Pels-Leusden erworben, seitdem in Familienbesitz) Ausstellung: Karl Hofer. Das gesammelte Werk. Mannheim, Städtische Kunsthalle, 1928, Kat.-Nr. 25 / Karl Hofer. Zürich, Kunsthaus, 1929, Kat.-Nr. 77 / Karl Hofer. Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen. 30 Jahre Galerie Bremer 1946–1976. Berlin, Galerie Bremer, 1976, Abbildung auf dem Vorderumschlag / Karl Hofer. Gemälde, Handzeichnungen und Graphik. Berlin, Galerie Pels-Leusden, 1979, Kat.-Nr. 7, Farbabbildung auf dem Titel Literatur und Abbildung: Das Querschnittbuch 1923. Frankfurt, Querschnitt-Verlag, 1923, S. 86 / Wilhelm Michel: Neue Gemälde von Karl Hofer. In: Deutsche Kunst und Dekoration, Bd. 53, 1923/24, S. 2-10, hier Abb. S. 5 / Alfred Salmony: Die neue Galerie des 17. bis 20. Jahrhunderts im Museum Wallraf-Richartz in Köln. In: Der Cicerone, Jg. 16, 1924, S. 5, Abb. 4 („Pierrots“), und S. 7 / Max Deri: Der Maler Karl Hofer. In: Die Dame, Bd. 53, 1925/26, H. 9, S. 5f., hier Abb. S. 6 / Hans Friedrich Secker: Die Galerie der Neuzeit im Museum Wallraf-Richartz. Leipzig, Klinkhardt & Biermann, 1927, S. 148, Abb. Tf. 47 / Museum der Gegenwart, Jg. 2, 1931/32, H. 3, S. 135 / Kunstchronik, Jg. 1, 1948, H. 1/2, S. 11 / Der Tag (Berlin), 31.3.1949, Nr. 50, m. Abb. / Versteigerungskatalog 549: Kunst des XX. Jahrhunderts. Köln, Kunsthaus Lempertz, 5.12.1975, Kat.-Nr. 325, Farbabbildung auf dem Vorderumschlag / Eo Plunien: Eine Million durch das Rätsel der Kunst gehämmert. In: Die Welt (Hamburg und Berlin), 10.12.1975, Nr. 287, S. 23 m. Abb. / Peter Hans Göpfert: Briketts ersetzten den Blumenstrauß. 30 Jahre Galerie Bremer (...). In: Die Welt (Berlin), 16.10.1976, Nr. 242, Beilage S. II m. Abb. / John Laupitz: In Form und Farbe. Galerie Bremer: Hofer-Ausstellung zum Jubiläum. In: Der Abend (Berlin), 19.10.1976, Nr. 238, S. (5) / Lutz Meunier: Aktuelle Ausstellungen in Westberlin. (...). In: Die Weltkunst, Jg. 49, 1979, H. 10, 15.5.1979, S. 1274, Abb. S. 1275 / Gerhard Leistner: Nachgewiesene Museumsverkäufe durch die Galerie Flechtheim. In: Ausstellungskatalog: Alfred Flechtheim. Sammler, Kunsthändler, Verleger. Düsseldorf, Kunstmuseum, 1987/88, S. 129-133, hier S. 129 („1934 verkauft an Kunsthaus A. Faust, Köln“) / Andrea Reich: Das Harlekin-Motiv bei Karl Hofer. Mag.-Arbeit. Berlin, Freie Universität, 1994, Abb. 30 / Alexandra Lieb: Maske oder Gesicht? Überlegungen zu den Gesichtsstereotypen im Werk Karl Hofers. Mag.-Arbeit. Universität Augsburg, 2001, S. 32, Abb. 31 Karl Hofer ist einer der großen Menschenmaler des 20. Jahrhunderts. Höchst selten nur hat er seine Figuren als Staffage benutzt oder ihnen Posen abverlangt, die auf eine rein körperhafte Darstellung abzielen. Ihn interessierte vor allem die Innenwelt seiner Menschen, und mit der Art der konzentrierten Vereinfachung, in der er sie darstellt, schlägt er inhaltlich einen Bogen in die Vergangenheit, zum großen Rembrandt, einem anderen Spezialisten für psychologische Einfühlung. Hier hat er sich zwei Figuren erwählt, die schon qua Tradition eine Projektionsfläche für Gemütslagen bieten, die durchaus im Widerstreit miteinander liegen können. Zum einen den Pierrot als stummen Betrachter der Welt, dessen Gefühle und Gedanken sich vor allem pantomimisch artikulieren, und zum anderen den Harlekin, der, aus einer älteren Tradition kommend, als subversiver Spaßmacher zwischen listiger Gaunerhaftigkeit und aufklärerischem Impetus changierte. Hofers Blick zielt aber nicht auf den komödiantischen Hintergrund, sondern auf die stumme Zwiesprache, mit der er die beiden ein wenig der lauten Welt der Manege entrückt, die sie wohl gleich betreten werden, um in ihren Kostümen die ihnen zugewiesenen Rollen zu spielen. Hier, am Rand des Spektakels, sind sie zuallererst Menschen, die ganz bei sich sind, und wir wissen nicht, ob sie sich sammeln für ihren Auftritt oder anderen Gedanken nachhängen. Beides scheint der Fall zu sein. Während Harlekin ganz in sich gekehrt scheint und vielleicht über etwas grübelt, was nichts mit seinem Spiel zu tun hat, neigt sich Pierrot zu ihm, mit leicht fragendem Blick, als wollte er noch etwas besprechen mit seinem Kollegen oder als wollte er ihn erinnern, daß sie beide doch gleich wieder hinausmüssen. Doch jener scheint ihn nicht zu bemerken, er befindet sich in einer anderen Sphäre. Sinnfällig arrangiert Hofer diese Diskrepanz zwischen innen und außen durch die beiden blauen Bahnen des geöffneten Vorhangs. Während Harlekin sich dahinter befindet, ist Pierrot vor den Vorhang getreten und hat sich gedanklich schon auf den Weg in die Manege begeben, die er aber mit seinem Kollegen teilen möchte. Dies alles erzählt Karl Hofer ohne große Gesten oder Posen, und sein Gemälde zeigt beispielhaft seine Auffassung, die er im Jahr 1922 in seinem Text „Ein neuer Naturalismus?“ so formuliert hatte: „Es ist schwer, oder vielmehr die seltene Gabe seltener Menschen, den inneren Ausdruck in der allen und zu allen Zeiten verständlichen Sprache der Naturform darzustellen. Nicht durch ein Ungefähr oder Übertreibung, sondern durch verstehende Vereinfachung, die alles enthält.“ (Karl Hofer. Malerei hat eine Zukunft. Briefe, Aufsätze, Reden. Hrsg. Von Andreas Hüneke. Kiepenheuer Verlag, Leipzig und Weimar 1991, S. 159) (MS) Karl Hofer (Karlsruhe 1878 – 1955 Berlin) „PIERROT UND HARLEKIN“. Circa 1923 Oil on canvas. 117,5 x 90,5 cm ( 46 ¼ x 35 ⅝ in.). Monogrammed lower left (joined): CH. On the upper stretcher bar signed and titled in pencil: K. Hofer, Pierrot u. Harlekin. Wohlert 549.– On the reverse an overpainted „Tropische Scene II“ (according to handwritten title on the stretcher). [3033] Provenienz: Galerie Flechtheim, Düsseldorf / Wallraf-Richartz-Museum, Cologne (former inv. no. 1214, acquired 1923, 1937 confiscated as "degenerate“) / Kunstsalon Abels, Cologne / private collection (until 1975) / Galerie Pels-Leusden, Berlin (1982) / private collection, Berlin (acquired 1982 at Galerie Pels-Leusden, thence by descent to the present owner) Ausstellung: Karl Hofer. Das gesammelte Werk. Mannheim, Städtische Kunsthalle, 1928, cat. no. 25 / Karl Hofer. Zürich, Kunsthaus, 1929, cat. no. 77 / Karl Hofer. Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen. 30 Jahre Galerie Bremer 1946–1976. Berlin, Galerie Bremer, 1976, illustrated on the front cover / Karl Hofer. Gemälde, Handzeichnungen und Graphik. Berlin, Galerie Pels-Leusden, 1979, cat. no. 7, colour illustration on the title page Literatur und Abbildung: Das Querschnittbuch 1923. Frankfurt, Querschnitt-Verlag, 1923, p. 86 / Wilhelm Michel: Neue Gemälde von Karl Hofer. In: Deutsche Kunst und Dekoration, vol. 53, 1923/24, p. 2-10, here ill. p. 5 / Alfred Salmony: Die neue Galerie des 17. bis 20. Jahrhunderts im Museum Wallraf-Richartz in Köln. In: Der Cicerone, vol. 16, 1924, p. 5, ill. 4 ("Pierrots“), and p. 7 / Max Deri: Der Maler Karl Hofer. In: Die Dame, vol. 53, 1925/26, issue 9, p. 5f., here ill. p. 6 / Hans Friedrich Secker: Die Galerie der Neuzeit im Museum Wallraf-Richartz. Leipzig, Klinkhardt & Biermann, 1927, p. 148, ill. pl. 47 / Museum der Gegenwart, vol. 2, 1931/32, issue 3, p. 135 / Kunstchronik, vol. 1, 1948, issue 1/2, p. 11 / Der Tag (Berlin), 31.3.1949, no. 50, with ill. / Versteigerungskatalog 549: Kunst des XX. Jahrhunderts. Cologne, Kunsthaus Lempertz, 5.12.1975, cat. no. 325, colour ill. on the front cover / Eo Plunien: Eine Million durch das Rätsel der Kunst gehämmert. In: Die Welt (Hamburg and Berlin), 10.12.1975, no. 287, p. 23 with ill. / Peter Hans Göpfert: Briketts ersetzten den Blumenstrauß. 30 Jahre Galerie Bremer (...). In: Die Welt (Berlin), 16.10.1976, no. 242, insert p. II with ill. / John Laupitz: In Form und Farbe. Galerie Bremer: Hofer-Ausstellung zum Jubiläum. In: Der Abend (Berlin), 19.10.1976, no. 238, p. (5) / Lutz Meunier: Aktuelle Ausstellungen in Westberlin. (...). In: Die Weltkunst, vol. 49, 1979, issue 10, 15.5.1979, p. 1274, ill. p. 1275 / Gerhard Leistner: Nachgewiesene Museumsverkäufe durch die Galerie Flechtheim. In: Ausstellungskatalog: Alfred Flechtheim. Sammler, Kunsthändler, Verleger. Düsseldorf, Kunstmuseum, 1987/88, p. 129-133, here p. 129 ("1934 verkauft an Kunsthaus A. Faust, Köln“) / Andrea Reich: Das Harlekin-Motiv bei Karl Hofer. "Magister" dissertation. Berlin, Freie Universität, 1994, ill. 30 / Alexandra Lieb: Maske oder Gesicht? Überlegungen zu den Gesichtsstereotypen im Werk Karl Hofers. "Magister" dissertation. Universität Augsburg, 2001, p. 32, ill. 31
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04/06/2015
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