Lot 37
Karl Hofer (Karlsruhe 1878 – 1955 Berlin) „Weg nach Lugano“. 1926 Öl auf Leinwand. 65 × 100,5 cm ( 25 ⅝ × 39 ⅝ in.). Unten rechts monogrammiert: CH. Auf dem Keilrahmen mit Kreide in Schwarz betitelt: Weg nach Lugano [durchgestrichen]. Dort auch ein Nummernetikett: 103. Wohlert 726 (vgl. auch Wohlert 921, 1168, 1330 und 1910).– Kleine Retuschen. [3605] Provenienz: Badische Kunsthalle, Karlsruhe (erworben 1936 im Tausch mit dem Künstler gegen „Selbstbildnis mit Dämonen“ (Wohlert 469 (B)); ehem. Inv.-Nr. 1694); dort beschlagnahmt im Zuge der Aktion „Entartete Kunst“ am 27.8.1937 / Depot Schloss Schönhausen, Lagerung „international verwertbarer“ Kunstwerke/Bernhard A. Böhmer, Güstrow (in Kommission) /Sammlung Willy Hahn, Berlin / Bad Aussee / Tutzing /Privatsammlung, Norddeutschland Ausstellung: Karl Hofer. Das gesammelte Werk. Mannheim, Städtische Kunsthalle, 1928, S. 15, Kat.-Nr. 135 Literatur und Abbildung: Oscar Gehrig: Rund um die Karlsruher Kunsthalle. In: Badische Neueste Nachrichten, Nr. 176, 10.2. 1948, S. 4 / Franz Roh: „Entartete“ Kunst. Kunstbarbarei im Dritten Reich. Hannover, Fackelträger Verlag, 1962, S. 200 / Kat. Neuere Meister. 19. und 20. Jahrhundert. Bearb. von Jan Lauts und Werner Zimmermann. Karlsruhe, Staatliche Kunsthalle, 1971 / 72, S. 341, Nr. 1694 / Marlene Angermeyer-Deubner: Die Kunst-halle im Dritten Reich. In: Stilstreit und Führerprinzip. Ausst.-Kat. Karlsruhe, Badischer Kunstverein, 1987, S. 148, 153 und 159 / Günther Wirth: Verbotene Kunst, Stuttgart, Hatje Verlag, 1987, S. 267 / Susanna Köller: Das kommende Unheil. Karl Hofers „Selbstbildnis mit Dämonen“ und die Badische Kunsthalle im „Dritten Reich“. In: Das verfemte Meisterwerk. Schicksalswege moderner Kunst im „Dritten Reich“. Hrsg. von Uwe Fleckner. Berlin, Akademie Verlag, 2009, S. 385-400, Abb. S. 394 / Christoph Zuschlag: „Freiwillige“ Abgaben moderner Kunst durch deutsche Museen nach 1933. In: Tanja Baensch, Kristina Kratz-Kessemeier, Dorothee Wimmer (Hrsg.): Museen im Nationalsozialismus. Akteure, Orte, Politik. Köln, Weimar und Wien, Böhlau Verlag, 2016, S. 229, Abb. 66 auf S. 230 Können Glück und Zufriedenheit, Schönheit und Harmonie besser in Malerei verwandelt werden als in diesem Bild? Es braucht keine weiteren Zeugnisse und Erklärungen, um das Empfinden Hofers in seinem Sommerdomizil im Tessin zu schildern. Seine Landschaften aus dem Tessin sind bewohnt, doch fast immer menschenleer. Der Menschenmaler Hofer verbannt sein liebstes Motiv für diese Monate aus seinem Werk. Unsere Landschaft wirkt wie ein gemalter Gegenentwurf zu den in Hofers Berliner Atelier entstandenen Bildern. Das Dunkle und Verschattete seiner Gemälde, denkt man zum Beispiel an den „Rufer“ von 1924 (Wohlert 583), weicht einer stillen Heiterkeit. Ein melancholischer Zug, der sicher dem Wesen des Malers entspricht, ist allerdings auch dieser friedlichen Abendlandschaft eingeschrieben. Ein unbefestigter Sandweg führt an einer Votivkapelle vorbei in die Tiefe des Raumes. Dazwischen liegen, in die Gegend verstreut, einzelne Gehöfte. Hofer liebte die schlichte Vollkommenheit der ländlichen italienischen Architektur, die schmucklose Einfachheit ihrer klaren Kubatur: „[...] ich versuchte, unter dem Gewand objektiver Darstellung die geheime Geometrie dieser Symbiose von Haus und Umwelt deutlich werden zu lassen“ (zit. nach: Elisabeth Furler (Hrsg.), Karl Hofer. Leben und Werk in Daten und Bildern. Frankfurt a. M., 1978, S. 95). Eine majestätische Bergkette schließt den Bildraum im Hintergrund ab. Berge und Himmel zeigen den gleichen, rosa-violett schimmernden Ton des frühen Abends. Die oft spröde Farbigkeit in Hofers Gemälden hat der Künstler hier erweitert und in eine reiche Palette verwandelt. Der Sehnsuchtsort Italien zog Hofer wie so viele deutsche Maler vor und nach ihm vollständig in seinen Bann. Und welcher Italienbesucher kann nicht bestätigen, dass einen das Licht und die Farben des Südens froh machen? OH Karl Hofer (Karlsruhe 1878 – 1955 Berlin) „Weg nach Lugano“. 1926 Oil on canvas. 65 × 100,5 cm ( 25 ⅝ × 39 ⅝ in.). Monogrammed lower right: CH. On the stretcher with black chalk titled: Weg nach Lugano [crossed out]. There too a number label: 103. Wohlert 726 (see also Wohlert 921, 1168, 1330 and 1910).– Minor retouchings. [3605] Provenienz: Baden Kunsthalle, Karlsruhe (acquired 1936 in exchange with the artist for „Selbstbildnis mit Dämonen“ (Wohlert 469 (B)); former inv. no. 1694); there confiscated in the course of the NS campaign against "degenerate art", on 27 August 1937 / Depot Schloss Schönhausen, storage of works with "international value" /Bernhard A. Böhmer, Güstrow (on commission) /collection Willy Hahn, Berlin / Bad Aussee / Tutzing /private collection, northern Germany Ausstellung: Karl Hofer. Das gesammelte Werk. Mannheim, Städtische Kunsthalle, 1928, p. 15, cat. no. 135 Literatur und Abbildung: Oscar Gehrig: Rund um die Karlsruher Kunsthalle. In: Badische Neueste Nachrichten, no. 176, 10.2. 1948, p. 4 / Franz Roh: „Entartete“ Kunst. Kunstbarbarei im Dritten Reich. Hannover, Fackelträger Verlag, 1962, p. 200 / Kat. Neuere Meister. 19. und 20. Jahrhundert. Produced by Jan Lauts and Werner Zimmermann. Karlsruhe, Staatliche Kunsthalle, 1971 / 72, p. 341, no. 1694 / Marlene Angermeyer-Deubner: Die Kunst-halle im Dritten Reich. In: Stilstreit und Führerprinzip. exh. cat. Karlsruhe, Badischer Kunstverein, 1987, p. 148, 153 and 159 / Günther Wirth: Verbotene Kunst, Stuttgart, Hatje Verlag, 1987, p. 267 / Susanna Köller: Das kommende Unheil. Karl Hofers „Selbstbildnis mit Dämonen“ und die Badische Kunsthalle im „Dritten Reich“. In: Das verfemte Meisterwerk. Schicksalswege moderner Kunst im „Dritten Reich“. ed. Uwe Fleckner. Berlin, Akademie Verlag, 2009, p. 385-400, ill. p. 394 / Christoph Zuschlag: „Freiwillige“ Abgaben moderner Kunst durch deutsche Museen nach 1933. In: Tanja Baensch, Kristina Kratz-Kessemeier, Dorothee Wimmer (eds.): Museen im Nationalsozialismus. Akteure, Orte, Politik. Köln, Weimar und Wien, Böhlau Verlag, 2016, p. 229, ill. 66 on p. 230
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