Lot 565
Karl Holtz (Berlin 1899 – 1978 Potsdam) Straßenszene in Berlin. 1920 Tempera auf Papier auf Pappe. 54,8 × 49,5 cm ( 21 ⅝ × 19 ½ in.). Unten links signiert und datiert: Karl Holtz 1920. [3578] Provenienz: Privatsammlung, Österreich Ausstellung: Expositionen 2 – Karl Holtz. Altenburg, Staatliches Lindenau Museum, 1981, Abb. auf dem Umschlag und S. 46 / Karl Holtz. Leipzig, Galerie im Speisesaal, VEB und Chemieanlagenbaukombinat Leipzig-Grimma, 1981, Abb. auf dem Umschlag [Kat. wie Lindenau-Museum] Eine belebte Berliner Straße mit Passanten, eilend oder schlendernd, aber die meisten in sich versunken, einer blickt in die Zeitung, andere hängen ihren Gedanken nach, haben Vorhaben oder Sorgen im Kopf, schmieden Pläne oder brüten vor sich hin – so zeigt uns Karl Holtz einen durchaus repräsentativen Querschnitt der Berliner Stadtbevölkerung. Doch nicht nur das, auch das architektonische „Kolorit“ der Metropole mit ihren gründerzeitlichen, meist vier- bis fünfstöckigen Gebäuden breitet der Künstler vor unseren Augen aus, und dabei sind wir so nah am Geschehen, als säßen wir im Straßencafé, um dem quirligen Treiben beiwohnen zu können, ohne vom Strom der Menge mitgerissen zu werden. Der Polizist an der unteren linken Ecke links ist der einzige Passant, der uns aus dem Bild anschaut, als wolle er sich vergewissern, wer da so interessiert die belebte Sze-nerie verfolgt. Er ist gleichzeitig der Einzige, dessen Unterkörper im Nichts verschwindet, als sei er ein Geist, der nur aus unserer Vorstellung geboren ist. Fast im Bildzentrum entdecken wir an einer der uns gegenüberliegenden Fassaden den Schriftzug eines einstmals berühmten Berliner Bieres: Die Brauerei Engelhardt, 1880 auf der Halbinsel Stralau gegründet und ab 1910 in Charlottenburg ansässig, hielt gut 100 Jahre durch, bevor sie 1983 von der Schultheiss-Brauerei übernommen wurde. Der Maler Karl Holtz, geborener Berliner, der all dies so lebendig werden lässt, ist eher durch seine Grafik bekannt, und auch dort hat er viele Straßenszenen gestaltet, die das bunte Menschengewimmel zeigen. Er wohnte in der Yorckstraße 42, sodass das trubelige Leben zu seinem unmittelbaren Alltag gehörte. Seine genaue Beobachtungsgabe wurde durch den Unterricht bei Emil Orlik in präzise zeichnerische Bahnen gelenkt, und während sich seine freien Arbeiten durch einen teilnehmenden, aber eher neutral anmutenden Blick auszeichnen, entfaltete er als Karikaturist und Pressezeichner eine zugespitzte, bisweilen polemische Schärfe, die ihm nach der Machtübernahme der National-sozialisten auch prompt ein Berufsverbot bescherte, weshalb er auf die Gefilde der Werbegrafik und technischen Zeichnung ausweichen musste, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Mit der „Straßenszene“ entfaltet Holtz ein Panorama des öffentlichen Berliner Lebens um 1920, noch bevor Hyperinflation und politische Krisen seine Künstlerkollegen zu schärferen Reaktionen veranlassen sollten. MS Karl Holtz (Berlin 1899 – 1978 Potsdam) Straßenszene in Berlin. 1920 Tempera on paper on cardboard. 54,8 × 49,5 cm ( 21 ⅝ × 19 ½ in.). Signed and dated lower left: Karl Holtz 1920. [3578] Provenienz: Private Collection, Austria Ausstellung: Expositionen 2 – Karl Holtz. Altenburg, Staatliches Lindenau Museum, 1981, ill. on the cover and p. 46 / Karl Holtz. Leipzig, Galerie im Speisesaal, VEB und Chemieanlagenbaukombinat Leipzig-Grimma, 1981, ill. on the cover [cat. like Lindenau-Museum]
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Dessins, aquarelles et pastels
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Modern Art
10719 Berlin - Allemagne
31/05/2019
Proposé par Grisebach
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