Lot 19
Karl Schmidt-Rottluff (Rottluff 1884 – 1976 Berlin)
„Eicks Hof“. 1943
Aquarell und Tuschpinsel auf leicht genarbtem Schoellershammer-Karton. 50 × 69 cm ( 19 ⅝ × 27 ⅛ in.). Unten rechts signiert: SRottluff. Unten links mit Bleistift mit der Werknummer bezeichnet: 4313.
Das Aquarell ist registriert im Archiv der Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin.–
[3215]
Provenienz: Sammlung Adalbert und Thilda Colsman, Langenberg (seitdem in Familienbesitz)
Ausstellung: Karl Schmidt-Rottluff zum siebzigsten Geburtstag. Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen. München, Galerie Franke, 1954, Kat.-Nr. 32
1941 belegte die nationalsozialistische Regierung Karl Schmidt-Rottluff mit einem Malverbot. Dass der Mitbegründer der „Brücke“-Vereinigung nicht daran dachte, es zu beachten, zeigt dieses außerordentlich qualitätvolle Aquarell vom Sommer 1943. Dargestellt ist der Hof der Familie Paul Eick in Rumbke am Lebasee. Seit 1932 hatten Schmidt-Rottluff und seine Frau Emy dort die Sommermonate verbracht. Beide schätzten die Erholung auf dem Land schon immer, doch gerade während des nationalsozialistischen Regimes wurde ihnen die friedliche hinterpommersche Gegend um die Stadt Leba zu einem willkommenen Rückzugsort. Der Sommer 1943 war der letzte, den sie am Lebasee verbrachten – und es scheint, als habe der Maler geahnt, dass er von der liebgewonnenen Landschaft und ihren Bewohnern bald würde Abschied nehmen müssen. In „Eicks Hof“ lässt er noch einmal dankbar die Farben leuchten, fährt in bester expressionistischer Manier temperamentvoll mit dem Pinsel über das Blatt. Vor allem im Vordergrund versetzt Schmidt-Rottluff virtuos alles in wildeste Bewegung: Die Baumkrone und das Grün davor sind ein Crescendo von Dynamik und Abstraktion. Farblich wird das Blatt von zwei kräftigen Komplementärkontrasten bestimmt. Grün und Rot, Gelb und Blau sind die beherrschenden, einander intensivierenden Töne. In warmem Terrakotta strahlt das Haupthaus aus der Mitte des Bildes hervor. Es wirkt robust und standhaft in seiner Flächigkeit. Die Schuppen und Stallungen mit ihren geometrisch abgestuften Dächern links sowie die hohen, lindgrünen Bäume im Hintergrund geben dem Bild perspektivische Tiefe. Zusammen mit dem in leuchtendem Gelb und Blau strahlenden Zaun bilden sie einen verwunschenen Schutzwall um das Anwesen. Dieser Eindruck wird noch verstärkt durch den alten, nach rechts geneigten Baum, der vorn aus den verwilderten Büschen heraus in die Höhe wächst. Der untere Teil des Stammes leuchtet orangegelb und wird nach oben hin in Harmonie mit dem Gehöft rötlich-braun. Das Geäst setzt sich in einem dunkleren Farbenspiel aus Grün, Braun und Venezianisch-Rot vom intensiven Azurblau des Himmels ab. Es ist dieses Blau, das den warmen Farben in der unteren Hälfte des Bildes erst zu ihrer vollen Leuchtkraft verhilft. US
Zur Sammlung Adalbert und Thilda Colsman siehe auch: www.grisebach.com/de/colsman
Karl Schmidt-Rottluff (Rottluff 1884 – 1976 Berlin)
„Eicks Hof“. 1943
Watercolour and brush and India ink on slightly nacreous Schoellershammer cardboard. 50 × 69 cm ( 19 ⅝ × 27 ⅛ in.). Signed lower right: SRottluff. Inscribed in pencil lower left with the work number: 4313.
The watercolour is recorded in the archive of the Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin.–
[3215]
Provenienz: Collection Adalbert and Thilda Colsman, Langenberg (thence by descent to the present owner)
Ausstellung: Karl Schmidt-Rottluff zum siebzigsten Geburtstag. Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen. Munich, Galerie Franke, 1954, cat. no. 32
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