Lot 25
Karl Schmidt-Rottluff (Rottluff 1884 – 1976 Berlin) Meeresküste mit Sonne. 1920 Aquarell über Bleistift auf Papier (aus einem Skizzenblock). 40,5 × 52 cm ( 16 × 20 ½ in.). Unten links signiert und datiert: SRottluff 1920. Das Aquarell ist registriert im Archiv der Karl und Emy Schmidt- Rottluff Stiftung, Berlin.– Etwas gebräunt, teils leicht geblichen. [3465] Provenienz: Privatsammlung, Norddeutschland „Keiner von den ,Brücke‘-Künstlern hat der Ostsee über so viele Jahre die Treue gehalten wie Karl Schmidt-Rottluff. Beginnend im Jahr 1906, wurden seine Reisen und Aufenthalte zur lebenslangen Gewohnheit des Künstlers, die er erst im hohen Alter Anfang der Siebziger aufgab. Mit Ausnahme weniger Sommer reiste der Künstler regelmäßig für mehrere Wochen in verschiedene Regionen der Ostseeküste. […] Fast 70 Jahre Ostsee wurden für den Künstler zu einer unerschöpflichen Inspirationsquelle, die Beschäftigung mit ihren verschiedenen Landschaften war ihm gestalterisches Experimentier- und Entwicklungsfeld. Seine Verbundenheit mit der Landschaft bestimmte ganz wesentlich sein Lebensgefühl und seine Geisteshaltung, den Schaffensprozeß und die Arbeitsweise. In seinen hier entstandenen Werken wiederum vermitteln sich diese Aspekte als Bilder gesehener, subjektiv empfundener Landschaften“ (Christiane Remm. „Es ist meist still und die Luft angenehm.“ Karl Schmidt-Rottluff und die Ostsee – eine Landschaft als Inspiration und Refugium. Ausst.-Kat. Karl Schmidt-Rottluff. Ostsee-bilder. Lübeck/Berlin 2010/11, S. 11). Von 1920 bis 1931 war Jershöft an der pommerschen Ostseeküste, heute das polnische Seebad Jarosławiec, Karl Schmidt-Rottluffs sommerlicher Zufluchtsort. Auf einer dreiwöchigen, gemeinsam mit seiner Frau Emy und der befreundeten Kunsthistorikerin Rosa Schapire unternommenen Küstenwanderung hatte er das abgelegene Fischer- und Bauerndorf entdeckt. Hier fand er die Ruhe und Ursprünglichkeit wieder, die er in seinem bisherigen, mittlerweile stark von Badegästen frequentierten Sommerdomizil Hohwacht verloren glaubte. „Was so einigermaßen urweltliche Landschaft ist, verschwindet in Deutschland immer mehr. Hier ist zwar auch die Landschaft jedes Jahr verändert, zumal natürlich immer die größten Bäume verschwinden – und man glaubt nicht, was ein einzelner großer Baum in der Landschaft an der Küste bedeuten kann – aber bald spürt man doch wie unveränderbar diese hinterpommersche Landschaft ist“ (Karl Schmidt-Rottluff 1931 in einem Brief an Max Sauerlandt, zit. nach Ausst.-Kat. Lübeck 2010/11, S.74). In unserem Aquarell erscheint die emotionale Bindung Karl Schmidt-Rottluffs an diese Landschaft direkt in expressiv gesteigerte Farbgebung umgesetzt. Der Maler hat einen erhöhten Standort eingenommen mit freiem Blick über die vom Wind gebeugten Bäume, auf die Sanddünen, den flachen Strand und die ruhig daliegende See. In einer bis zur Abstraktion reduzierten Darstellung reizt er die gesamte Strahlkraft seiner Palette aus, setzt tiefes Meeresblau unter einen gelben, von blutroten Wolken durchzogenen Himmel. Die Fischerkate im Vordergrund wird ebenso vom Farbensturm erfasst wie die untergehende Sonne, die sich in ein kosmisches Auge zu verwandeln scheint. Die vertraute Küstenlandschaft wird dem Künstler gleichermaßen zum Ausdruck des Inneren wie zu einer alles umfassenden Weltschau. sch Karl Schmidt-Rottluff (Rottluff 1884 – 1976 Berlin) Meeresküste mit Sonne. 1920 Watercolour over pencil on paper (from a sketch book). 40,5 × 52 cm ( 16 × 20 ½ in.). Signed and dated lower left: SRottluff 1920. The watercolour is recorded in the archive of the Karl and Emy Schmidt- Rottluff Stiftung, Berlin.– Slight time staining, partially slightly faded. [3465] Provenienz: Private Collection, Northern Germany
Crédits photos : Contacter la maison de vente
Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
Live
Selected Works
10719 Berlin - Allemagne
30/05/2019
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0