Lot 237
Käthe Kollwitz (Königsberg 1867 – 1945 Moritzburg) „Abschied“. 1910 Kohle und Bleistift auf Bütten (Wasserzeichen: MBM France). 63 × 48,2 cm ( 24 ¾ × 19 in.). Rückseitig mit der handschriftlichen Bestätigung von Hans Kollwitz, dem Sohn der Künstlerin: 48/50 Aus dem Nachlaß Käthe Kollwitz Hans Kollwitz Eigentum von Ottilie Kollwitz 78. Nagel/Timm 604.– Das Gesicht der Frau (Selbstbildnis) noch einmal wiederholt. Vorzeichnung zu der Radierung: Tod, Frau und Kind. 1910 (von dem Knesebeck 108). [3407] Provenienz: Nachlass Käthe Kollwitz / Ottilie Kollwitz, Berlin (in Familienbesitz bis 1978) Ausstellung: Käthe Kollwitz. Berlin, Galerie Pels-Leusden, 1978, Kat.-Nr. 18, S. 4 / Käthe Kollwitz. Die Zeichnerin. Kunstverein Hamburg, 1980, und Kunsthaus Zürich, 1981, Kat.-Nr. 60, Abbildung S. 97 / Käthe Kollwitz. Zeichnungen, Druckgraphik, Skulpturen aus dem Besitz der Galerie Pels-Leusden, Berlin und anderen Sammlungen. Frankfurt a.M., Jahrhunderthalle Hoechst, 1985, Kat.-Nr. 17, S.150, mit Abbildung Es bewegt mich immer sehr, wenn ich meinen Blick auf die große Ausnahmekünstlerin Käthe Kollwitz lenken darf. Schaut man auf dieses Blatt „Abschied“, fällt es nicht leicht, Worte zu finden für die großen Gefühle, die es bei mir auszulösen vermag. Das Motiv prägt sich sofort tief in die Seele eines jeden Menschen ein, der auch nur ein wenig sein Herz geöffnet hat. Also eines jeden, der sich mit seinem Herzen auf den Weg durchs Leben macht, der Mitgefühl spürt und eben dann auch zeigt, wenn er der Not seines Nächsten begegnet – um schließlich auch danach zu handeln. Es scheint mir, dass das Bild „Abschied“ in einem symbolischen Sinn für das steht, was Bernd Schultz als Sammler nun tut: Er nimmt selbst Abschied von einer jahrzehntelang leidenschaftlich aufgebauten Sammlung, weil er es nicht zulassen wollte, dass es bis zum heutigen Tag am Entstehungsort eines der brutalsten Verbrechen der Menschheit, in Berlin, kein Museum gibt, das daran erinnert, wie viele Menschen von hier den Weg ins Exil und in den Tod gehen mussten. Für wie viele Menschen war Berlin Stadt des Abschieds. Kann es etwas Sinnstiftenderes geben, als das Blatt „Abschied“ von Käthe Kollwitz, dieser Ur-Berliner Künstlerin, genau für diesen Zweck in neue Hände zu geben? Aber natürlich geht es der Künstlerin in ihrer Darstellung eigentlich um einen ganz persönlichen, intimen Schmerz: den Abschied von den eigenen Kindern. Ohne Tränen in den Augen kann man dieses Bild nicht in sich aufnehmen. Was sagen uns die überstarken Arme und großen Hände von Käthe Kollwitz in diesem Blatt? Sie erzählen von der übergroßen, unendlich starken Liebe: zu beschützen und zu bewahren, was man selbst in die Welt gebracht hat. Auch um die Liebe zu bewahren, muss man kämpfen. Und wenn man dieses Bild von Käthe Kollwitz sieht, dann spürt man, wie wichtig ihre Botschaft auch für die heutige Zeit ist. Denn man fragt sich leider immer wieder in Deutschland in diesen Tagen: Wo ist die Kollwitzsche Menschlichkeit nur geblieben? Das ist der stille Appell, der von diesem großen Kunstwerk ausgeht. Carmen Würth, Künzelsau Käthe Kollwitz (Kaliningrad 1867 – 1945 Moritzburg) „Abschied“. 1910 Charcoal and pencil on laid paper (watermark: MBM France). 63 × 48,2 cm ( 24 ¾ × 19 in.). Handwritten confirmation by Hans Kollwitz, the son of the artist on the reverse: 48/50 Aus dem Nachlaß Käthe Kollwitz Hans Kollwitz Eigentum von Ottilie Kollwitz 78.. Nail/Timm 604.– The face of the woman (self portrait) repeated again. Preliminary drawing relating to the etching: Tod, Frau und Kind. 1910 (von dem Knesebeck 108). [3407] Provenienz: Estate Käthe Kollwitz / Ottilie Kollwitz, Berlin (in family collection until 1978) Ausstellung: Käthe Kollwitz. Berlin, Galerie Pels-Leusden, 1978, cat no. 18, p. 4 / Käthe Kollwitz. Die Zeichnerin. Kunstverein Hamburg, 1980, and Kunsthaus Zürich, 1981, cat. no. 60, Illustration p. 97 / Käthe Kollwitz. Zeichnungen, Druckgraphik, Skulpturen aus dem Besitz der Galerie Pels-Leusden, Berlin und anderen Sammlungen. Frankfurt a.M., Jahrhunderthalle Hoechst, 1985, cat. no. 17, p. 150, with illustration
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26/10/2018
Proposé par Grisebach
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