Lot 238
Käthe Kollwitz (Königsberg 1867 – 1945 Moritzburg) „Der Tod greift nach den Kindern“. Um 1921/22 Kreide auf gelblichem Papier. 58,2 × 45,2 cm ( 22 ⅞ × 17 ¾ in.). Unten rechts signiert: Käthe Kollwitz. Nagel/Timm 889.– Vorzeichnung zu der Lithografie „Tod packt eine Frau“ von 1934. Blatt 8 aus der Folge: Tod (von dem Knesebeck 267 (hier als Blatt 4 der Folge bezeichnet)). [3409] Provenienz: Privatsammlung, Köln (1990er-Jahre) Ausstellung: Meisterwerke der klassischen Moderne. Kampen, Galerie Pels-Leusden, 1998, Kat.-Nr. 50, S. 24/58, Abbildung S. 25 / Kunst - Handel - Leidenschaft. 50 Jahre Galerie Pels-Leusden. Berlin, Kampen, Zürich, 2000, S. 70/156, Abbildung S. 71/156 Literatur und Abbildung: Auktion 14: Stuttgarter Kunstkabinett, R. N. Ketterer, Stuttgart, 9. November 1951, Kat.-Nr. 1668 Es ist mehr als siebzig Jahre her. Ich war gerade sechzehn Jahre alt. Mein Onkel steht auf der Straße vor seinem Haus, starrt regungslos auf die Stelle, an der wenige Stunden zuvor, wenige Tage vor Heiligabend, seine fünfjährige Tochter, meine Cousine Ilse, von einem Auto tödlich verletzt worden war. Noch heute spüre ich das kalte Entsetzen von damals, wenn ich die Zeichnung von Käthe Kollwitz „Der Tod greift nach den Kindern“, entstanden 1921/22, anschaue. Käthe Kollwitz hat sich mit dem Erlebnis Tod in ihrem Schaffen vielfältig auseinandergesetzt und regt damit, wie etwa auch die Gäste- bücher des Kölner Käthe-Kollwitz-Museums belegen, noch immer zum Nachdenken an. Schon in ihren frühen Zyklen „Ein Weberaufstand“ und „Bauernkrieg“ nahm das Thema Tod einen entscheidenden Platz ein. 1909/10 entstand dann eine Serie von Zeichnungen, in denen der personifizierte Tod der Mutter das bereits leblose Kind entzieht. Gemeinsam ist diesen Blättern der Ausdruck letzter, inniger Nähe von Mutter und Sohn. In ihnen teilt sich wohl eine für die Mutter Käthe Kollwitz elementare Erfahrung mit: die Angst um den damals schwer erkrankten Sohn Hans. In einem Brief aus dieser Zeit an ihre Freundin Beate Bonus-Jeep beschreibt Kollwitz ihre Gefühle: „dieses kalte Entsetzen, das einen anfaßt, wenn man fühlt, weiß, in den nächsten Minuten ist dieses junge Leben vielleicht abgeschnitten und das Kind ist weg.“ Was Käthe Kollwitz in diesem Brief zum Ausdruck bringt, schlug sich jedoch künstlerisch nicht in der Bildkonzeption von 1909 nieder, sondern erst viele Jahre später in Zeichnungen, die sie für die geplante Mappe „Abschied und Tod“ anfertigte. Den Kampf der Mutter mit dem Tod um das Kind schildert Käthe Kollwitz hier in einer äußerst bewegten Szene, die sie mit fahrigen Kreidestrichen umreißt: Die Frau schaut dem Knochenmann mit dem von Kollwitz beschriebenen kalten Entsetzen in die Augen, beide umklammern das Kind. Hans-Joachim Möhle, Köln Käthe Kollwitz (Kaliningrad 1867 – 1945 Moritzburg) „Der Tod greift nach den Kindern“. Circa 1921/22 Chalk on yellowish paper. 58,2 × 45,2 cm ( 22 ⅞ × 17 ¾ in.). Signed lower right: Käthe Kollwitz. Nail/Timm 889.– Preliminary drawing for the lithograph „Tod packt eine Frau“ from 1934. Sheet 8 from the set: Tod (von dem Knesebeck 267 (here labelled as sheet 4). [3409] Provenienz: Private Collection, Cologne (1990s) Ausstellung: Meisterwerke der klassischen Moderne. Kampen, Galerie Pels-Leusden, 1998, cat. no. 50, p. 24/58, Illustration p. 25 / Kunst - Handel - Leidenschaft. 50 Jahre Galerie Pels-Leusden. Berlin, Kampen, Zürich, 2000, p. 70/156, Illustration p. 71/156 Literatur und Abbildung: Auction 14: Stuttgarter Kunstkabinett, R. N. Ketterer, Stuttgart, 9 November 1951, cat. no. 1668
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26/10/2018
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