Lot 236
Käthe Kollwitz (Königsberg 1867 – 1945 Moritzburg)
„Selbstbildnis im Profil nach links“. 1923
Kohle auf Ingres-Bütten. 36,7 × 30 cm ( 14 ½ × 11 ¾ in.). Unten links mit Bleistift signiert und datiert: Käthe Kollwitz 1923.
Nagel/Timm 989.–
[3409]
Provenienz: Louise Diel, Berlin / Gustav Stein, Köln (1951) / Ehemals Privatsammlung, Berlin (bis 1986)
Ausstellung: Deutsche Aquarelle und Zeichnungen seit 1900. Köln, Kulturkreis im Bundesverband der Deutschen Industrie e.V., 1957, Kat.-Nr. 62, mit Abbildung / Gunther Thiem: Die Zeichnerin Käthe Kollwitz. Ausstellung zum 100. Geburtstag. Stuttgart, Staatsgalerie, Graphische Sammlung, 1967, mit Abbildung (eigentlich Kat.-Nr. 67) / Käthe Kollwitz. Die Zeichnerin. Kunstverein in Hamburg, und Kunsthaus Zürich, 1980/81, Kat.-Nr. 93, Abbildung S. 144 / Käthe Kollwitz. Zeichnungen, Graphiken, Skulpturen. Berlin, Galerie Pels-Leusden, 1990, Kat.-Nr. 9, S. 46/47, mit Abbildung / Käthe Kollwitz. Der Mensch – kreatürlich, existentiell, sozial. Peking, National Art Museum of China, November 2015 (ohne Katalog)
Literatur und Abbildung: Luise Diel: Käthe Kollwitz. Ein Ruf ertönt. Berlin, 1927, Abbildung S. 23 / Auktion 66: Gutekunst und Klipstein, Bern, 25. Oktober 1951, Kat.-Nr. 14, Tafel 1 / Otto Nagel: Die Selbstbildnisse der Käthe Kollwitz. Berlin, 1965, S. 38, Textabbildung Nr. 17 / Hans Kollwitz (Hg.): Ich sah die Welt mit liebevollen Blicken. Käthe Kollwitz. Ein Leben in Selbstzeugnissen. Hannover, 1968/70, Abbildung S. 361 / Auktion 1: Villa Grisebach Auktionen, Berlin, 21. November 1986, Kat.-Nr. 75
Die Lebensumstände in Deutschland waren im Jahr 1923, in dem die vorliegende Zeichnung entstand, außerordentlich schwer. Die Inflation wütete. Ende November vermerkte Käthe Kollwitz in ihrem Tagebuch: „Alles verschärft sich. Hier Plünderungen und versuchte Pogrome, Bayern im Kriegszustand gegen Norddeutschland. Hunger! Ein Brot 140 Milliarden! Dann wieder runtergesetzt auf 80 Milliarden ... Hunger Hunger überall. Auf den Straßen schwärmen die Arbeitslosen.“ (Käthe Kollwitz. Die Tagebücher. Jutta Bohnke-Kollwitz (Hg.). Berlin, 1989, S. 563) Auch wenn das persönliche Leben der Künstlerin 1923 zeitweise sehr schwierig war, geschah aber doch auch Positives: Im Mai wurden die Enkelinnen Jördis und Jutta geboren und waren eine Quelle der Freude. Im Oktober fand in der Akademie eine Kollwitz-Ausstellung innerhalb der großen Grafikschau statt, in der erstmalig der Zyklus „Krieg“ gezeigt wurde, den die Künstlerin 1922/23 geschaffen hatte. „Mit Glück und Dank empfinde ich, daß ein großer Nachhall da ist“, schrieb Kollwitz am 14. Oktober 1923 in ihr Tagebuch (a.a.O., S. 560).
Käthe Kollwitz hat ihr Leben lang – wie viele Künstler seit Dürer und Rembrandt – Selbstbildnisse geschaffen. August Klipstein dokumentiert 36 druckgrafische Selbstportraits, Nagel/Timm weisen über hundert entsprechende Zeichnungen nach. Dazu kommen zahlreiche Selbstdarstellungen, die nicht als solche ausgewiesen sind. In der vorliegenden Zeichnung zeigt sich die Künstlerin im scharfen Profil, vom Beschauer abgewendet, den Blick in sich selbst und eine ungewisse Weite gerichtet, ein Spiegelbild der schweren Zeit, in der dieses Portrait entstand.
In all ihren Arbeiten wollte Käthe Kollwitz Inhalt und innere Bedeutung der Darstellung in möglichst vollendeter Form gestalten. Im Laufe der Zeit legte sie dabei immer weniger Wert auf Staffage, und in späteren Jahren ist, wie in diesem Selbstbildnis, nur noch die bare Gestalt zu sehen. Ob Portrait oder Selbstportrait, die Ähnlichkeit mit dem Sujet war hier stets dem verinnerlichten und gleichzeitig universellen Ausdruck, der das Werk erfüllt, untergeordnet.
Hildegard Bachert, New York
Käthe Kollwitz (Kaliningrad 1867 – 1945 Moritzburg)
„Selbstbildnis im Profil nach links“. 1923
Charcoal on Ingres laid paper. 36,7 × 30 cm ( 14 ½ × 11 ¾ in.). Signed and dated in pencil lower left: Käthe Kollwitz 1923.
Nail/Timm 989.–
[3409]
Provenienz: Louise Diel, Berlin / Gustav Stein, Cologne (1951) / formerly Private Collection, Berlin (until 1986)
Ausstellung: Deutsche Aquarelle und Zeichnungen seit 1900. Köln, Kulturkreis im Bundesverband der Deutschen Industrie e.V., 1957, cat. no. 62, with illustration / Gunther Thiem: Die Zeichnerin Käthe Kollwitz. Ausstellung zum 100. Geburtstag. Stuttgart, Staatsgalerie, Graphische Sammlung, 1967, with illustration (actually cat. no. 67) / Käthe Kollwitz. Die Zeichnerin. Kunstverein in Hamburg, and Kunsthaus Zürich, 1980/81, cat. no. 93, Illustration p. 144 / Käthe Kollwitz. Zeichnungen, Graphiken, Skulpturen. Berlin, Galerie Pels-Leusden, 1990, cat. no. 9, p. 46/47, with illustration / Käthe Kollwitz. Der Mensch – kreatürlich, existentiell, sozial. Peking, National Art Museum of China, November 2015 (without catalogue)
Literatur und Abbildung: Luise Diel: Käthe Kollwitz. Ein Ruf ertönt. Berlin, 1927, illustration p. 23 / auction 66: Gutekunst und Klipstein, Bern, 25 October 1951, cat. no. 14, Plate 1 / Otto Nagel: Die Selbstbildnisse der Käthe Kollwitz. Berlin, 1965, p. 38, Text illustration no. 17 / Hans Kollwitz (ed.): Ich sah die Welt mit liebevollen Blicken. Käthe Kollwitz. Ein Leben in Selbstzeugnissen. Hannover, 1968/70, illustration p. 361 / Auction 1: Villa Grisebach Auktionen, Berlin, 21 November 1986, cat. no. 75
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