Lot 19
Käthe Kollwitz (Königsberg 1867 – 1945 Moritzburg)
„Selbstporträt nach links“. Um 1924
Kreide auf blaugrauem Papier. 64,8 × 45,1 cm ( 25 ½ × 17 ¾ in.). Unten rechts mit Bleistift nachträglich signiert: Käthe Kollwitz. Rückseitig von August Klipstein mit Bleistift beschriftet: Die Orig.-Zeichnung, deren Umdruck S[ievers] 171 ergab. Signiert wurde dieses Blatt im Sommer [19]39.
Nicht bei Timm. Die Zeichnung wird unter der Nr. 1024a aufgenommen in den Nachtrag des Werkverzeichnisses der Zeichnungen von Käthe Kollwitz von Hannelore Fischer, Käthe Kollwitz Museum Köln.–
[3214]
Provenienz: Ehemals August Klipstein, Bern
Bei unserem Blatt handelt es sich um die Zeichnung, die vom Papier auf den Stein umgedruckt wurde und damit die Lithografie „Sitzende Frau mit aufgestützter Hand“ (von dem Knesebeck 212) ergab, von der nur acht Abzüge bekannt sind. Eine sehr eng verwandte Zeichnung ist das Blatt Timm 1024, das als direkte Studie zu unserer für den Umdruck gedachten Zeichnung gelten kann.
Käthe Kollwitz zeigt sich in diesem Selbstporträt sitzend, im Profil nach links und mit an den Körper herangezogenen Knien. In wenigen Kreidestrichen gelingt es der Künstlerin, ein Höchstmaß an Ausdruckskraft zu erreichen, wobei sie sich ganz auf ihre Mimik und die Gestik ihrer Hände konzentriert. Auf die Ausführung des umgebenden Raums verzichtet sie. Das eindrucksvolle, um das Jahr 1924 entstandene Werk diente der Künstlerin als direkte Vorlage zu ihrer Lithografie „Sitzende Frau mit aufgestützter Hand“ – einer überaus seltenen druckgrafischen Arbeit von Käthe Kollwitz.
Käthe Kollwitz war mit ihrem sozialkritischen Realismus eine der herausragenden deutschen Grafikerinnen und Bildhauerinnen des 20. Jahrhunderts. Dem Selbstporträt kommt in ihrem Schaffen, ähnlich wie bei Max Beckmann und anderen ihrer Zeitgenossen, eine zentrale Rolle zu. Diese Form der Selbstbefragung begleitete Kollwitz über Jahrzehnte: Die ersten Selbstbildnisse entstanden bereits um 1890 während ihres Studiums bei Ludwig von Herterich, einem Hauptvertreter der Münchner Schule. Mit der Zeit gelangte die Künstlerin zu einer immer radikaleren formalen Reduktion, in der Andeutung und Auslassung die Bildwirkung nicht nur bestimmten, sondern mehr und mehr steigerten. Ihr letztes Selbstporträt schuf Käthe Kollwitz 1943, zwei Jahre vor ihrem Tod als eines ihrer letzten Werke überhaupt.
„Ich für mein Teil kann deutlich an mir spüren, wie sehr ich fortlaufende Achtungsbezeugungen der Umwelt brauche. Ein Versiegen meines Namens würde mich wohl sehr niederdrücken“, notierte nachdenklich die damals 58 Jahre alte Künstlerin am 13. September 1925 in ihr Tagebuch. „Wie schauderhaft muß Künstlern zumut sein, die ohne Widerhall arbeiten.“ In ihrem Fall war die Sorge unbegründet, doch zeigt dieser Eintrag, wie stark ihr persönliches Dasein von Zweifeln und Selbstzweifeln bestimmt war. Ihre Selbstporträts gewannen dabei besondere Bedeutung: Sie wurden für Käthe Kollwitz zu einer Art von biografisch-künstlerischem Seismografen, der auch Schicksalsschläge und Erschütterungen im Leben der Künstlerin sichtbar werden ließ.
GK
Käthe Kollwitz (Kaliningrad 1867 – 1945 Moritzburg)
„Selbstporträt nach links“. Circa 1924
Chalk on blue-grey paper. 64,8 × 45,1 cm ( 25 ½ × 17 ¾ in.). Lower right signed in pencil at a later date: Käthe Kollwitz. On the reverse inscribed in pencil by August Klipstein: Die Orig.-Zeichnung, deren Umdruck S[ievers] 171 ergab. Signiert wurde dieses Blatt im Sommer [19]39.
Not in the catalogue raisonné by Timm. The drawing will be included as number 1024a in the addendum of the catalogue raisonné of the drawings of Käthe Kollwitz by Hannelore Fischer, Käthe Kollwitz Museum Cologne.–
[3214]
Provenienz: Formerly August Klipstein, Bern
Crédits photos : Contacter la maison de vente
Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
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