Lot 43
Le Corbusier (1887–1965) Nature morte au grand livre 1928 Öl auf Leinwand unten rechts signiert und datiert Le Corbusier 1928. 97 x 130 cm Privatsammlung, Schweiz Le Corbusier (OEuvre plastique) 1919–1937, Zürich, Kunsthaus, 15.1.–6.2.1938, S. 17, Kat.-Nr. 24, mit Abb. Le Corbusier, Wuppertal, Galerie Parnass, 1951, mit Abb. Klar Form, 20 oeuvres des 20 artistes, Paris, Galerie Denise René, Kopenhagen, Charlottenborg, 8.12.–26.12.1951, Helsinki, Kunsthallen, 10.2.–30.2.1952, Stockholm, Liljevalchs, 10.3.–27.3.1952, Liège, Musée d'Art Wallon, 30.8.–18.9.1952, S. 6, Kat.-Nr. 98. Internationale Sezession 1954, Leverkusen, Städtisches Museum, 3.8.–11.9.1954, Kat.-Nr. 22. Le Corbusier, Lyon, Musée des Beaux-Arts, Palais Saint-Pierre, 23.6.–10.11.1956, Kat.-Nr. 8. Jean Petit, Le Corbusier lui-même, Genf, Rousseau, 1970, S. 213, 218, mit Abb. Naïma Jornod und Jean-Pierre Jornod, Le Corbusier (Charles-Édouard Jeanneret), Catalogue raisonné de l’oeuvre peint, Mailand, Skira, 2005, Bd. I, S. 444, Nr. 81, mit Abb. Im Werkverzeichnis wird dieses grossformatige Gemälde nicht nur wegen seiner Grösse, sondern auch aufgrund seiner Qualität als remarquable bezeichnet, und Stanislaus von Moos bespricht es in seinem grundlegenden Artikel Der Purismus und die Malerei, Le Corbusier als eines von nur vier Bildern. Um der herausragenden Bedeutung des Werkes gerecht zu werden, bedarf es einer kurzen Erklärung des Begriffes Purismus, an dessen End- und Scharnierphase Nature morte au grand livre steht. Le Corbusier und Amédée Ozenfant veröffentlichten zu ihrer ersten Ausstellung mit Après le Cubisme ihr Manifest für eine neue Kunst, den Purismus. Mit dem Purismus wollten sie keine neue Strömung in der Malerei schaffen, sondern die Charaktereigenschaften eines neuen Geistes, l’esprit nouveau, wie auch Ihr Magazin später heissen sollte, bezeichnen. Die damals aktuellen Strömungen des synthetischen und orphischen Kubismus wurden von Le Corbusier als zu dekorativ und ornamental kritisiert. Gleichzeitig sah er wie etwa bei Léger in Technik und Maschinen die aktuellste Art der Ästhetik, die so zur allgemeingültigen klassischen Form werden sollte. Zu den zentralen Bildmotiven wurden simple Alltagsgegenstände, welche die Werke der puristischen Zeit vereinigen. Zu den sogenannten Objets-types gehörten unter anderem ein aufgeschlagenes Buch, das auf dem Tisch liegt, eine Pfeife sowie Teller oder Schalen. Dabei verkörperten sie Inhalte, die den Intellekt animieren sollten und als universale und zeitlose Realitäten des Alltags galten. Während zu Beginn der zwanziger Jahre diese Motive noch eindeutig erkennbar sind, abstrahiert Le Corbusier diese im Verlauf der 1920er-Jahre zusehends. Die Gegenstände verlieren immer mehr ihre körperliche Präsenz. Aufriss und Grundriss der nun transparent gewordenen Objets werden simultan wiedergegeben. Der renommierte Schweizer Kunsthistoriker Stanislaus von Moos schreibt 1966 in seinem Artikel zu Nature morte au grand livre: «Der Blickpunkt verändert sich also nur in vertikaler Richtung – im Gegensatz zu dem Umwandern der Gegenstände, das zu den für den analytischen Kubismus bezeichnenden Abwicklungen verschiedener in zeitlicher und räumlicher Abfolge registrierten Aspekte in der Fläche führte. Um mit Hilfe dieser beschränkten Technik zu Resultaten zu kommen, die dem kubistischen Ideal einer transparenten Reliefwirkung nahekommen, werden die Gegenstände oft bis zur Zahllosigkeit multipliziert. Der Aufbau imaginärer Bildräume vollzieht sich nicht in den Grisaille-Farben der Kubisten, sondern in leuchtendem Hellblau, Rosa, Ocker, Flaschengün, Braun. Die komplizierten Körperdurchdringungen und die Verschneidungen der übereinander gelagerten Konturen ergeben nun überraschende Formen, die durch starke Farben hervorgehoben werden. In der Nature morte au grand livre von 1928 ist dieser Vorgang bereits zu einem Abschluss gekommen: die übereinander projizierten Umrisse der Gegenstände (Pfeife, Buch, Würfel, Gläser, Karaffe und Krug) sind hier nur noch Ausgangspunkte für eine dicht verzahnte Architektur von Konturen und Flächen, die bereits die Nähe organischer Umrisse verraten. Es ist die Endphase des Purismus …» [1] Ein malerisches Hauptwerk von Le Corbusier in musealer Qualität. [1] Stanislaus von Moos, Der Purismus und die Malerei. Le Corbusier, in Das Werk, Architektur und Kunst, Bd. 53 (1966), Nr. 10, S. 413–420, hier S. 416–417.
Crédits photos : Contacter la maison de vente
Tableaux anciens
À propos de la vente
Catalogue
Art Moderne et Contemporain
4058 Basel - Suisse
29/09/2021
Proposé par Artcurial Beurret Bailly Widmer
0041 61 312 32 00