Lot 6
Leo Putz (1869 – Meran – 1940)
„Nach dem Bad III“. 1914
Öl auf Leinwand. 96 × 86 cm ( 37 ¾ × 33 ⅞ in.). Unten links signiert: Leo Putz. Auf dem Keilrahmen ein Aufkleber, vom Künstler mit Feder in Braun bezeichnet, signiert und datiert: Nach dem Bad Leo Putz 1914.
Werkverzeichnis: Putz 512 (mit abweichenden Maßen).–
[3083]
Provenienz: Sammlung Flitner, Tübingen (1971 bei Dr. Ernst Hauswedell, Hamburg, erworben)
Ausstellung: Kunstausstellung der Münchener Secession. München, Kgl. Kunstausstellungsgebäude am Königsplatz, 1916, 2. Aufl., Kat.-Nr. 157, Abb. 20
Literatur und Abbildung: Auktion 179: Gemälde, Zeichnungen und Graphik des 16.-19. Jahrhunderts. Dekorative Graphik. Hamburg, Dr. Ernst Hauswedell, 3.6.1971, Kat.-Nr. 515, m. Abb. / Jacob Reisner: Erlebnis der Natur – Erlebnis der Kunst. In: Kurt Wessel (Einleitung): Erlebtes Leben. München, Bruckmann, o. J. (= Jahresgabe 1975 der Werkzeitschrift „Werk und wir“ der Hoesch Werke AG, Dortmund), S. 45-61, hier S. 46 und S. 57, Abb. 13
In den Jahren von 1909 bis 1914 verbrachte Leo Putz die Monate im Sommer und Herbst regelmäßig im oberbayerischen Ort Hemhof, um gemeinsam mit Künstlerfreunden auf Schloss Hartmannsberg und in der umliegenden Landschaft unter freiem Himmel zu malen. Als Motive dienten ihnen vor allem die Seen in der Nähe. Er und sein Schüler und Malerkollege, der Amerikaner Edward Cucuel, ruderten dann in Begleitung der weiblichen Modelle zum Beispiel auf den Langbürgner See hinaus. Eine bewaldete Insel in der Mitte des Sees bot den Künstlern und ihren Musen das kreative Refugium, das sie suchten. Nicht selten schuf Putz mehrere Studien und Ölbilder am selben Tag.
Geschützt vor neugierigen Blicken entstanden an diesem abgeschiedenen Ort viele impressionistische Aktbilder, in denen der Künstler die subtile Erotik der weiblichen Körper in schmeichelnde Licht-Schatten-Wirkungen und fein nuancierte Farbklänge bettete. Ruth Stein charakterisierte diese Freilichtakte einmal als „nymphische Naturwesen, die förmlich von innen heraus leuchteten“ (zit. nach: Ruth Stein, Leo Putz, Wien 1974, S. 46).
Im Jahr 1914, als der Ausbruch des Ersten Weltkriegs das Ende der Hartmannsberger Zeit einläutete, entstand das Gemälde „Nach dem Bad III“. Womöglich war es die Gewissheit, dass eine Phase arkadischer Unbeschwertheit unwiederbringlich ihrem Ende zuging, die Putz dazu verleitete, dieser idyllischen Szene den Ausdruck sanfter Entrückung und Melancholie zu geben. Als wollten sie den zwei Frauen ein schützendes Dach bieten, ragen Äste vom Ufer über das Wasser. Warme Sonnenstrahlen fallen zwischen den Bäumen hindurch und spielen als Lichtflecken auf den Oberkörpern der Modelle und dem Ruderboot.
Ein subtil ausbalanciertes Gleichgewicht der Gegensätze zeichnet die beiden Akte aus: Der Geste, mit der die Stehende ihr Kleid hebt, um es überzuziehen, haftet noch ein Hauch der Anmut antiker Venusdarstellungen an. Die junge Frau zur Rechten hingegen sitzt mit angewinkelten Beinen am Ufer wie eine moderne Sportlerin. Ihre unverstellte Art, sich den blauen Strumpf überzustreifen, erzeugt einen reizenden Moment eher alltäglicher, beiläufiger Schönheit. Wie so oft hat der Maler auch für dieses Gemälde einen leicht erhöhten Standpunkt eingenommen. Die Aufsicht auf den Kahn und das Wasser und seine Spiegelungen wird dadurch zur Nahsicht. Es ist nicht zuletzt dieser Kunstgriff, mit dem Leo Putz „Nach dem Bad III“ zu einem Bild gesteigerter Intimität macht. KH
Leo Putz (1869 – Merano – 1940)
„Nach dem Bad III“. 1914
Oil on canvas. 96 × 86 cm ( 37 ¾ × 33 ⅞ in.). Signed lower left: Leo Putz. A label on the stretcher, inscribed, sigened and dated by the artist in pen in brown: Nach dem Bad Leo Putz 1914.
Catalogue raisonné: Putz 512 (with differing dimensions).–
[3083]
Provenienz: Collection Flitner, Tübingen (1971 acquired at Dr. Ernst Hauswedell, Hamburg)
Ausstellung: Kunstausstellung der Münchener Secession. Munich, Kgl. Kunstausstellungsgebäude am Königsplatz, 1916, 2nd ed., cat. no. 157, ill. 20
Literatur und Abbildung: Auction 179: Gemälde, Zeichungen und Graphik des 16.-19. Jahrhunderts. Dekorative Graphik. Hamburg, Dr. Ernst Hauswedell, 3.6.1971, cat. no. 515, ill. / Jacob Reisner: Erlebnis der Natur – Erlebnis der Kunst. In: Kurt Wessel (Einleitung): Erlebtes Leben. Munich, Bruckmann, no date (= Jahresgabe 1975 der Werkzeitschrift „Werk und wir“ der Hoesch Werke AG, Dortmund), p. 45-61, here p. 46 and p. 57, ill. 13
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