Lot 5
Leo Putz (1869 – Meran – 1940)
Unter Kastanien (Herbstsonne). Um 1905
Öl auf Leinwand. 88 × 65 cm ( 34 ⅝ × 25 ⅝ in.). Unten rechts signiert: Leo Putz. Auf dem Keilrahmen Etiketten des Kunstsalons Emil Richter, Dresden, des Leipziger Kunstvereins und des Kunstsalons Keller & Reiner, Berlin (zur Kollektivausstellung der Werke des Künstlers 1906).
Werkverzeichnis: Nicht bei Putz (vgl. Putz 309).–
[3083]
Provenienz: Sammlung Flitner, Tübingen (1975 im Kunsthandel München erworben)
Leo Putz begann seine Ausbildung bei seinem Stiefbruder Richard Poetzelsberger, der Professor an der Münchener Akademie der Künste war. In der Meisterklasse Gabriel von Hackls, einem Piloty-Schüler, setzte Putz seine Studien fort. Pilotys meisterhafte Farbbehandlung hat den jungen Künstler zweifellos beeinflusst. Bei einem Studienaufenthalt in Paris übten dann auch die Impressionisten einen tiefen Eindruck auf Putz aus.
Zurück in München, schloss er sich anderen jungen, fortschrittlichen Malern an. Einig waren sie sich im Widerstand gegen die Allmacht Franz von Lenbachs, dessen altmeisterliche Bildnisse in ihren Augen jeden modernen Einfluss vermissen ließen. Neue Publikationen wie die Zeitschriften „Jugend“ und „Simplicissimus“, machten aus München bald ein Zentrum des deutschen Jugendstils. Die „Secession“ und die Künstlervereinigung „Scholle“ traten an, die konservativen Maler in München in der Gunst des Publikums und der Kritik abzulösen.
Deutlich geprägt von der grafischen Anlage der Illustrationen in den neuen Zeitschriften, gelang es Putz, einen eigenen, starkfarbigen Stil zu entwickeln. Er wurde gleich nach deren Gründung 1905 in das Programm der Galerie Brakl und Thannhauser aufgenommen, was seinen Ritterschlag als Künstler bedeutete. In derselben Zeit entstand unser Gemälde „Unter Kastanien“. Eine Frau im weißen Sommerkleid, die Arme verschränkt, steht unter einem Kastanienbaum, dessen Blätter sich schon herbstlich verfärben. Ein tief hängender Ast umfängt die junge Dame, deren Gesicht und Hut fast im Blattwerk aufgehen. Die Nähe zur Natur war um die vorletzte Jahrhundertwende ein zentrales Element der Reformbewegungen.
Auf dem Bild „Unter Kastanien“ zeigt Putz, dass man der Natur auch im eleganten Kleid einer Städterin nahe sein kann. Die Eleganz der Darstellung verfehlt auch heute nicht ihre Wirkung. Malerisch formt der Künstler in breit fließenden Pinselstrichen eine Einheit aus Mensch und Landschaft. Der Farbklang von Grün, Gelb, Orange und dem durch das Laub abgetönten Weiß des Kleides wirkt dabei überaus harmonisch und macht dieses Herbstbild zu einem Bild voller Schönheit. OH
Leo Putz (1869 – Merano – 1940)
Unter Kastanien (Herbstsonne). Circa 1905
Oil on canvas. 88 × 65 cm ( 34 ⅝ × 25 ⅝ in.). Signed on the lower right: Leo Putz. Labels on the stretcher of the Kunstsalons Emil Richter, Dresden, of the Leipzig Kunstverein and of the Kunstsalons Keller & Reiner, Berlin (collective exhibition of the works of the artist 1906).
Not in the catalogue raisonné by Putz (see Putz 309).–
[3083]
Provenienz: Collection Flitner, Tübingen (acquired in 1975 by Kunsthandel Munich)
Crédits photos : Contacter la maison de vente
Dessins, aquarelles et pastels
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