Lot 8
Lesser Ury (1861 Birnbaum/Posen – 1931 Berlin) „Nächtliche Straßenszene, Berlin (Leipziger Straße?)“. Um 1915/20 Öl auf Leinwand. 78 × 60,5 cm ( 30 ¾ × 23 ⅞ in.). Unten links signiert: L. Ury. Mit einer Expertise von Dr. Sibylle Groß, Berlin, vom 29. März 2011. Das Gemälde wird aufgenommen in das Werkverzeichnis der Gemälde, Pastelle, Gouachen und Aquarelle von Lesser Ury von Dr. Sibylle Groß, Berlin (in Vorbereitung).– [3632] Provenienz: Ernst (Ernest) Sander, Berlin und New York (in den späten 1920er Jahren vom Künstler erworben, seitdem in Familienbesitz bis 2011) / Privatsammlung, Schweiz „Seit der Rückkehr nach Berlin schuf Lesser Ury 1888/89 mit seinen Straßenbildern eine Bildgattung, die in Deutschland erstmals die moderne Großstadt zum Thema hatte.“ (Rolf Bothe: Stadtbilder zwischen Menzel und Liebermann. Von der Reichsgründungsepoche zur ­wilhelminischen Großstadt. In: Ausst.–Kat. Stadtbilder, Berlin Museum, 1987, S. 188). Ury betrieb aber keine Bestandsaufnahme baulicher Gegebenheiten, sondern bezog die Menschen, die Bevölkerung der Stadt, lebendig in seine Kompositionen ein. Besonders elegante Damen, die auf steilen Absätzen über das Trottoir eilen, hatten es ihm angetan. Der Abend ist regnerisch, ein Automobil fährt vorbei, und oben ist die Straßenbeleuchtung zu erkennen. „Die Gebäude sind in Urys Gemälden meist nur schemenhaft angedeutet, bleiben – selbst wenn sie zu identifizieren sind – Topoi der anonymen Stadt, in der die Menschen umhergetrieben werden. Ury entdeckte als einer der ersten deutschen Maler das hektische Leben auf der Straße, fast gleichzeitig mit den natura-listischen Dichtern.“ (a. a. O., S. 189) Urys lockerer Malstil stellt sich auch bei unserem Bild den Errungenschaften der Moderne – Lichteffekte der nächtlichen Straße – und den atmosphärischen Eindrücken. Sein Publikum allerdings zeigte sich durch die wesentlich von dunklen Tönen bestimmten Bilder irritiert. Auch die zeitgenössische Kritik warf Ury „unergründliche Schwarzmalerei“ vor und glaubte, lediglich „eine Reihe von weißen Klexen [!] auf einem schwarzen Farbenragout“ zu entdecken – so eine Besprechung in der Zeitschrift „Die Gegenwart“ anläßlich Urys erster Ausstellung im Winter 1889/90. Der Künstler litt zudem lange unter einem Zerwürfnis mit Max Liebermann, dem mächtigen Präsidenten der Seces­sion, der Urys Teil- nahme an den Ausstellungen der Künstlervereinigung zu verhindern wußte. Erst mit der Präsidentschaft von Lovis Corinth konnte Ury seine Werke in diesem Forum zeigen; 1921 wurde er in Anerkennung seines Ranges schließlich Ehrenmitglied der Secession. Inzwischen gehören die nächtlichen Straßenszenen zu den Höhepunkten der deutschen impressionistischen Malerei. EO Lesser Ury (1861 Birnbaum/Poznań – 1931 Berlin) „Nächtliche Straßenszene, Berlin (Leipziger Straße?)“. Circa 1915/20 Oil on canvas. 78 × 60,5 cm ( 30 ¾ × 23 ⅞ in.). Signed lower left: L. Ury. Accompanied by a certificate by Dr. Sibylle Groß, Berlin, dated 29 March 2011. The painting will be included in the catalogue raisonné of the paintings, pastels, gouaches and watercolours of Lesser Ury by Dr. Sibylle Groß, Berlin (in preparation).– [3632] Provenienz: Ernst (Ernest) Sander, Berlin and New York (acquired from the artist in the late 1920s, until 2011 in family collection) / private collection, Switzerland
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Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
Catalogue
Œuvres Choisies
10719 Berlin - Allemagne
26/11/2015
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0